E-Sport Klicken statt kicken

Wer ein Computerspiel besonders gut beherrscht, verdient sich damit nicht nur den Respekt seiner Freunde. Mit dem sogenannten E-Sport finanzieren sich einige besonders geübte Zocker sogar das Studium.
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12.500 Zuschauer kamen im Juni 2014 zum ESL One-Turnier nach Frankfurt, um den E-Sportlern beim Dota 2-Spielen zuzusehen. Quelle: dpa

12.500 Zuschauer kamen im Juni 2014 zum ESL One-Turnier nach Frankfurt, um den E-Sportlern beim Dota 2-Spielen zuzusehen.

(Foto: dpa)

KölnUm mehrere tausend Zuschauer in ein Fußballstadion zu locken, braucht es nicht unbedingt 22 Sportler und einen Ball. Manchmal reichen dafür auch zehn Jungs mit Computern, die sich in virtuellen Welten mit Fantasiefiguren bekämpfen. So war es zumindest Ende Juni 2014 beim Turnier „ESL One“ in der Frankfurter Arena: Bis zu 12.500 Fans wollten hier den besten Dota 2-Spielern der Welt in Aktion zu sehen.

Wenn aus Computerspielen eine Sportart mit Zuschauern, Sponsoren, Teams und Ligen wird, spricht man von E-Sport. Die ersten Veranstaltungen dieser Art gab es schon vor mehr als zehn Jahren. Dann war es lange still um die Szene – weg war der E-Sport aber nie. „Als Community ist die E-Sport-Gemeinde sehr stabil“, erklärt Michael Wagner, Professor für Digitale Medien an der Drexel University in Philadelphia, USA. Die Popularität des E-Sports steigt weiter an.

Gründe gibt es viele, erklärt Michael Bister von Turtle Entertainment, Veranstalter der Electronic Sports League (ESL) und zahlreicher weiterer E-Sport-Wettbewerbe. Ein Grund sind Streaming-Plattformen wie Twitch oder Ustream: „Nicht nur, weil es das Zuschauen bei Turnieren einfacher macht“, so Bister. „Sondern auch, weil Spieler und Teams damit sehr einfach selbst streamen können.“

Mythologie und heiße Reifen
In «Game of Thrones: Iron from Ice» tauchen auch bekannte Serien-Charaktere wie Tyrion auf. Foto: Telltale Games
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Game of Thrones: Iron from Ice

Intrigen, Machtkämpfe und hinterlistige Attentate –  das ist der Stoff, aus dem der erste Teil des TV-Serien-Ablegers Game of Thrones: Iron from Ice gemacht ist. Die Story des Spiels knüpft an die Ereignisse um das Ende der dritten Staffel der Serie an. Der Spieler kann einen von fünf Charakteren des Forrester-Clans steuern. Seine Entscheidungen haben Einfluss auf das weitere Spielgeschehen – auch auf das der anderen Protagonisten. Ob harmonische Diplomatie oder aggressives Kriegsgeplänkel auf der Tagesordnung steht, entscheidet der Spieler.

Ansonsten spielt sich Game of Thrones: Iron from Ice wie ein gehaltvolles Adventure. Weitere Teile sollen in kurzen Abständen erscheinen. Und noch etwas: Wer das Ende der dritten Staffel noch nicht kennt, sollte mit dem Spielen vielleicht noch etwas warten: Spoiler-Gefahr. Für rund 28 Euro ist der Titel beim Download-Portal Steam erhältlich. Die Altersfreigabe liegt bei 16 Jahren.

«The Talos Principle» steckt voller Rätsel. Hier müssen beispielsweise Laserstrahlen in die richtige Richtung gelenkt werden. Foto: Devolver Digital
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The Talos Principle

Wann wird der Mensch zur Maschine - und umgekehrt? Mit dieser und anderen philosophischen Fragen konfrontiert The Talos Principle seinen Spieler. Der steuert einen Roboter aus der Ego-Perspektive durch eine fiktive Welt und muss dabei allerhand tödlichen Fallen ausweichen und knifflige Rätsel lösen. Ein väterlicher Schöpfer dirigiert mit mahnender Stimme unseren Protagonisten aus dem Hintergrund. So muss in einem Rätsel ein Wald aus Spiegeln so geschickt positioniert werden, dass die Lichtstrahlen einen Türöffner treffen und dieser wiederum den nächsten Abschnitt freilegen kann.

Mehr als 120 teils sehr komplexe weitere Rätsel warten, verspricht Publisher Devolver Digital. Spieler, die „Portal“ und „The Witness“ kennen, werden diesen Titel mögen. Das Puzzlespiel mit Tiefgang ist für rund 35 Euro bei Steam erhältlich. Eine Alterseinschränkung gibt es nicht.

«The Crew» von Ubisoft bietet schnelle Rennen quer durch die USA. Foto: Ubisoft
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The Crew

Im Mustang GT auf Sightseeing-Tour durch die USA? Kein Problem mit Ubisofts neuem Online-Rennspiel The Crew. Die Spielwelt ist schier unendlich, der Spieler kann mit seinem fahrbaren Untersatz beinahe die ganze USA erkunden: Grand Canyon, Santa Monica Pier, Central Park – alle großen Sehenswürdigkeiten sind dabei. Im Lauf der dünnen, rund 20 Stunden andauernden Story, kann der Spieler Erfahrungspunkte sammeln und sein Vehikel beliebig aufrüsten und verschönern.

Protagonist Alex muss dazu unter anderem Verfolgungsjagden, Zeitfahrten und Kurier-Missionen à la „Grand Theft Auto“ erledigen. Die sehenswerte Grafik erfordert für maximale Details allerdings aktuellste Hardware. Die Standard-Version von The Crew kostet rund 50 Euro, die Limited- und Gold-Edition schlagen mit 60 und 75 Euro zu Buche. Die Altersfreigabe liegt bei zwölf Jahren. Wichtig: Ohne permanente Internetverbindung und ein Konto bei Ubisofts Spieledienst Uplay läuft das Spiel nicht.

«Lara Croft and the Temple of Osiris» ist ein flottes Actionspiel für bis zu vier Spieler, die gleichzeitig zusammenarbeiten müssen, aber auch Konkurrenten sind. Foto: Square Enix
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Lara Croft and the Temple of Osiris

In Lara Croft and the Temple of Osiris kehrt die attraktive Archäologin zurück nach Ägypten. Die Story: Laras Rivale Carter entfesselt bei der Erkundung des Tempels von Osiris dessen übellaunigen Bruder Seth. Damit dieser die Welt der Lebenden nicht verwüstet, kämpft Lara mit Carter und den beiden Halbgöttern Isis und Horus gegen Horden von Skarabäen, Mumien und anderes mythologisches Getier.

Besonders spannend ist der Mehrspieler-Koop-Modus. Bis zu vier Freunde können die mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgerüsteten Charaktere gemeinsam ans Ziel führen. Um die Rätsel zu lösen und die Gegnerhorden zu besiegen, hilft bei aller Konkurrenz unter den Spielern tatsächlich nur Teamplay. Die PC-Version kostet rund 40 Euro und ist ab zwölf Jahren freigegeben.

«Elite: Dangerous» ist eine Open-World-Simulation im Weltall. Der Spieler kann zwischen vielen Karrierepfaden wählen - vom Händler bis zum Piraten. Foto: Frontier Developments
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Elite: Dangerous

Mit Elite: Dangerous kommt nach 30 Jahren die Neuauflage des Weltraum-Action-Titels von Genre-Größe David Braben. Wie in der Version von 1984 erwartet Spieler auch hier wieder eine Mischung aus Action-lastigen Raumschlachten und intelligenter Handelssimulation. Ob der Spieler nun als Söldner durch das Universum streift, Piraten jagt und Händler überfällt oder doch lieber den diplomatischen, wirtschaftlichen Weg geht, kann er selbst entscheiden.

Das Spieluniversum ist mit unzähligen prozedural erschaffenen Sonnensystemen beinahe endlos. Rund 50 Euro kostet der Download über die Entwicklerwebseite, weitere Inhalte sollen als kostenpflichtige Downloads folgen, außerdem soll es demnächst eine Mac-Version geben. Die Altersfreigabe liegt bei zwölf Jahren.

Dazu kommen Spiele wie „Dota 2“ oder das ähnliche „League of Legends“, die zu den beliebtesten E-Sport-Disziplinen zählen. Sie sind nicht nur bunt, schnell, sondern auch kostenlos. „Jeder kann sie einfach herunterladen und ausprobieren, das macht die Profi-Matches nachvollziehbarer“, erklärt Bister. Noch zugänglicher wird der E-Sport dadurch, dass es wie beim Fußball inzwischen Kommentatoren gibt, sogenannte Caster, die taktische Feinheiten erklären.

Weitere populäre Spiele sind Strategietitel wie „Starcraft 2“, die „Fifa“-Reihe und der Klassiker „Counter-Strike“. Die ESL geht davon aus, dass es in Deutschland etwa drei Millionen E-Sport-Fans gibt. Die Zuschauer kommen aus allen Altersgruppen, die Spieler selbst sind aber meistens zwischen 16 und 25 Jahren alt. Auch wenn Frauen mittlerweile gut die Hälfte aller Computerspieler stellen, ist der E-Sport nach Angaben von ESL-Sprecher Bister eine Männerdomäne.

Die besten E-Sportler können von dem einstigen Hobby inzwischen sogar leben oder sich etwas dazuverdienen. „Die meisten Athleten sind Schüler und Studenten“, sagt Michael Bister. „Der eine geht kellnern, der andere spielt halt am Wochenende seine Turniere.“ Geldquellen gibt es mehrere: Bei einigen Turnieren werden fünf- bis sechsstellige Preisgelder ausgeschüttet, professionelle Teams haben Sponsoren, und die internationalen Stars der Szene verdienen Geld mit Merchandising.

Ohne intensives Training geht nichts
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