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Ebay-University Tückisches Geschäft

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Powerseller wie der Ex-Amazon-Manager und Dropshop.de-Inhaber Gerry Haag beklagen mittlerweile die Gebühren-Kultur Ebays. Allein ein Bild einzustellen koste zwischen einem und 2,40 Euro. Unterm Strich fließen sechs bis sieben Prozent vom Umsatz an Ebay. Hinzu käme die Zahlungsabwicklung; wer den zu Ebay gehörenden Internetzahldienst Paypal nutze, gebe zwei weitere Prozent vom Preis ab. Wirklich reich werde niemand - außer Ebay selbst, kritisieren viele in der Branche.

Martin Lesser, dessen Bettercom IT-Services Ebay und die Powerseller-Szene beobachtet, spricht von "hoher Fluktuation". 20 bis 30 Powerseller verschwinden deutschlandweit täglich, 20 bis 30 kommen hinzu. Insgesamt schrumpfe seinen Statistiken zufolge die Zahl der Superverkäufer - Ebay bestreitet dies, spricht von steigenden Zahlen. Laut Lesser ist der Markt nirgends auf der Welt so hart umkämpft wie hier. Durch die Ich-AG-Förderung der Schröder-Regierung versuchten sich viele vormals Arbeitslose im Online-Handel, und das gehe anfangs nicht ohne Ebay. Der Wettbewerb lässt die Margen schrumpfen, nach Abzug der Ebay-Gebühren bleibe wenig zum Überleben. Viele seien so auf die Nase gefallen.

Ans Scheitern denken Erik Heber und die anderen Powerseller nicht, als sie sich in die bequemen Ledersessel einer Sitzecke im Kongresszentrum sinken lassen und einander statt Vorträgen zu lauschen Geschichten vom Powerselleralltag erzählen. Einer in der Runde berichtet stolz, er habe entdeckt, dass es bei Ebay keinen Sandkastensand gibt. Für einen eingefleischten Powerseller war da nur eines zu tun: Er fuhr zum Baumarkt und kaufte ein paar Säcke. Bei Ebay, erzählt er, waren die im Nu verkauft - mit sattem Gewinn.

Jana Machoi und Sven Ullrich gelang mittels Ebay ein anderes Kunststück. Die Einzelhandelskauffrau und der Tierpfleger, der zu DDR-Zeiten in einer LPG gearbeitet hatte, bauten sich eine Existenz auf, indem sie ihre Berufe verbanden. Der Heimtierbedarf-Handel der zwei sitzt heute in einer 600-Quadratmeter-Halle, in der früher ein Billigmarkt zu Hause war.

Vor vier Jahren noch musste Ullrichs 3er-BMW auf der Straße parken, da die Garage als Lager für Katzenfutter und Haustierzubehör diente. "Momentan laufen vor allem Vogelkäfige", berichtet Ullrich, der das erste Mal bei einer Ebay-University ist. Machoi nickt, mittlerweile setze ihr Unternehmen monatlich rund 2 000 Artikel ab. Die 3 000 bis 3 500 Euro Gebühren, die sie alle vier Wochen an Ebay überweisen, machen es zum lukrativen Kunden für den Konzern. Inzwischen bauen sie allerdings auch einen Offline-Großhandel auf - einen von Ebay unabhängigen Online-Shop, der schon 20 Prozent vom Umsatz liefert, betreibt das Paar schon länger. Sie wählen so einen unter Powersellern beliebten Weg. Auch Erik Heber geht ihn, nabelt sich zunehmend von Ebay ab, erwirtschaftet Umsätze auch über das eigene Portal nox-electronics.de - ganz ohne teure Ebay-Gebühren.

Der Trend, dass etabliertere Powerseller mehr und mehr am Ebay-Marktplatz vorbei verkaufen, aber auch ihre Abneigung gegenüber Auktionen - die meisten verkaufen lieber zu Festpreisen - mögen mit zur aktuellen Strategiekorrektur des Konzerns beigetragen haben: Vor allem in den USA, aber auch mit Anfänger-Kursen auf der deutschen Ebay-University, wirbt er verstärkt Gelegenheitsverkäufer. Solche, die ihre alten Golfschläger versteigern oder eine Taucherflasche, einen alten PC, einen Kinderwagen oder ein Kanu. Der einst so innovative Internet-Konzern Ebay ist in die Jahre gekommen - und schon so alt, dass er zurückfinden muss zu den eigenen Wurzeln.

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