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Einstieg bei Gojek Facebook sucht in Asien nach einem Geschäftsmodell für WhatsApp

Zum zweiten Mal in ein paar Wochen macht Facebook eine große Investition in Asien. Mit den Hunderten Millionen WhatsApp-Nutzern soll künftig Geld gemacht werden.
04.06.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Das Mobilitätsunternehmen ist Indonesiens wertvollstes Start-Up. Quelle: Reuters
Gojek

Das Mobilitätsunternehmen ist Indonesiens wertvollstes Start-Up.

(Foto: Reuters)

Bangkok Die Mopedfahrer in knallgrünen Jacken sind in Indonesiens Hauptstadt Jakarta mit ihren Taxis zu unverzichtbaren Helfern geworden. Die Mitarbeiter des Mobilitätsdienstes Gojek manövrieren Passagiere durch den dichten Verkehr der Rushhour, liefern Essen von Restaurants und Straßenimbissen und bringen eilige Pakete in meist weniger als einer Stunde zu dem Empfänger. Jetzt vertraut auch das weltgrößte soziale Netzwerk auf die Hilfe von Gojek und seiner Flotte mit mehr als einer Million Fahrern: Facebook verkündete am Mittwoch eine Beteiligung an Indonesiens wertvollstem Start-Up.

Der Einstieg bei Gojek ist Teil von Facebooks Versuch, in Asien ein profitables Geschäftsmodell für seinen werbefreien Messengerdienst WhatsApp zu finden. Konzernchef Mark Zuckerberg setzt dafür nicht nur in Indonesien auf lokale Partner. Bereits Ende April erwarb er für 5,7 Milliarden Dollar einen knapp zehnprozentigen Anteil an dem indischen Mobilfunk- und E-Commerce-Unternehmen Jio – so viel Geld hatte der Konzern noch nie für eine Minderheitsbeteiligung ausgegeben.

In beiden Fällen ist es Facebooks erklärtes Ziel, WhatsApp als zentrale Plattform für den Austausch zwischen Unternehmen und ihren Kunden zu etablieren. In Indien soll der Chat-Anbieter dafür in ein E-Commerce-Projekt von Jio mit Kioskbetreibern im ganzen Land integriert werden. In Indonesien verspricht sich Facebook offenbar Vorteile durch Gojeks gute Kontakte zu Hundertausenden Restaurants und Läden, die ihre Waren mit den Mopedtaxis des Start-ups verschicken. „Wir arbeiten gemeinsam mit Gojek daran, Millionen kleiner Unternehmen bei ihrem Wachstum zu unterstützen“, schrieb Facebook-Manager Matt Idema, der das operative Geschäft von WhatsApp leitet, in einem Blogeintrag.

Für Internetunternehmen sind sowohl Indien als auch Indonesien – nach China die beiden bevölkerungsreichsten Länder Asiens – enorm wichtige Wachstumsmärkte. Indonesiens Digitalwirtschaft hat sich laut einer gemeinsamen Studie von Google, Singapurs Staatsfonds Temasek und dem Beratungsunternehmen Bain seit 2015 auf ein Umsatzvolumen von 40 Milliarden US-Dollar vervierfacht. Bereits 2025 sollen die Unternehmen des Landes 130 Milliarden Dollar online erwirtschaften, prognostiziert der Report. Für Indien rechnet das Beratungsunternehmen Deloitte damit, dass allein die Umsätze im E-Commerce-Geschäft bis 2026 auf 200 Milliarden Dollar wachsen werden.

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    Hohe regulatorische Hürden in Indien

    Facebook ist nicht der einzige US-Konzern, der von den guten Wachstumsaussichten profitieren will. In Indien wetteifern auch Amazon und Walmart mit milliardenschweren Investitionen um die Vormachtstellung im Online-Handel. Bei Facebooks neuem indonesischen Partner Gojek, an dem sich nun auch der US-Bezahldienst Paypal beteiligte, zählt auch Google bereits zu den Investoren. Während die amerikanischen Unternehmen bei Chinas Digitalboom weitgehend unbeteiligt waren, wollen sie nun ähnliche Chancen in dem zwei Milliarden Einwohner großen Märkten in Indien und Südostasien nicht verpassen.

    Beim Versuch am Online-Handel Geld mitzuverdienen, legt Facebook große Hoffnungen in den Dienst WhatsApp Pay, mit dem es laut Zuckerberg künftig ebenso einfach möglich sein soll Geld zu verschicken wie derzeit Fotos oder Textnachrichten. Seit vergangenem Jahr verhandelt das Unternehmen mit indonesischen Finanzkonzernen über eine Einführung des Dienstes. In Indien läuft das System bereits seit 2018 im Beta-Test – zuletzt mit einer Million Nutzer. Der landesweite Start verzögerte sich aber immer wieder – auch wegen hoher regulatorischer Hürden. Zuletzt beschäftigte der Vorwurf, Facebook würde seine dominierende Stellung in Indien für den Start von WhatsApp Pay ausnutzen, die indischen Wettbewerbshüter.

    WhatsApp hat in Indien 400 Millionen Nutzer – so viele wie in keinem anderen Land. Indonesien ist für WhatsApp mit mehr als 100 Millionen Nutzern einer der fünf größten Märkte weltweit. Viel Geld verdient der Konzern mit den vielen Nutzern aber noch nicht: Zuletzt kamen nur 17 Prozent von Facebooks weltweiten Erlösen aus dem Asien-Pazifik-Raum. Die neuen Investitionen in der Region sollen nun auch dazu beitragen, die Abhängigkeit vom Heimatmarkt in den USA zu reduzieren. Dort steht Facebook gerade unter Druck wegen der Debatte über die Frage, inwieweit das Unternehmen umstrittenen Aussagen von US-Präsident Donald Trump eine Plattform bieten soll.

    Wie viel Facebook nun für seine Beteiligung an Gojek bezahlte, wollten die beiden Unternehmen nicht kommentieren. Medienberichten zufolge soll es sich um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag handeln. Insgesamt hat das Start-up, das auch in Ländern wie Vietnam und Thailand aktiv ist und mit zehn Milliarden Dollar bewertet wird, in den vergangenen Monaten drei Milliarden Dollar an frischem Kapital eingesammelt, um sich im Wettbewerb mit seinem Konkurrenten Grab aus Singapur zu behaupten. Gojek-Chef Andre Soelistyo präsentierte den Einstieg von Facebook nun als positives Signal für das ganze Land: „Die Coronavirus-Pandemie hat uns gezeigt, dass eine widerstandsfähige Volkswirtschaft auch eine verlässliche digitale Infrastruktur braucht.“

    Mehr: Die Indien-Wette von Facebook ist riskant, aber zukunftsweisend

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