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Elektromobilität Infineon hofft auf den Erfolg des ID.3 von VW

Für den IT-Konzern ist ein Erfolg des ID.3 fast genauso wichtig wie für den Autobauer. Denn die Stromfahrzeuge brauchen mehr Chips als Verbrenner.
27.07.2020 - 11:56 Uhr Kommentieren
Infineon liefert die Chips für das Elektroauto. Quelle: Reuters
Der ID.3 von Volkswagen

Infineon liefert die Chips für das Elektroauto.

(Foto: Reuters)

München Weniger Autos, weniger Umsatz – das galt bis vor Kurzem auch für Infineon. Nun aber ändert sich die Lage: Denn in den neuen Elektroautos stecken deutlich mehr Halbleiter als in Wagen mit Verbrennungsmotor. So kann Deutschlands größter Chiphersteller wachsen, obwohl die Hersteller in der Krise lange nicht mehr so viele Fahrzeuge verkaufen wie früher.

In diesen Tagen macht dem Dax-Konzern vor allem der Start des ID.3 Hoffnung. Mit der neuen Modellfamilie will VW die Konsumenten endlich zum Umstieg auf Elektroautos bewegen – und gleichzeitig den Strom-Pionier Tesla in die Schranken weisen. Infineon liefert dafür insbesondere Leistungshalbleiter. Das sind Chips für die Stromversorgung – Bauelemente also, die eine zentrale Rolle in Elektrofahrzeugen spielen.

„Das schiere Volumen ist bemerkenswert“, sagt Stephan Zizala, in der Autodivision von Infineon verantwortlich für die Leistungshalbleiter. Denn auf Basis des sogenannten modularen E-Antriebs-Baukastens will VW noch viele weitere Modelle auf den Markt bringen.

Die Wolfsburger möchten zudem andere Hersteller damit beliefern. Mit Ford hat der Autokonzern bereits einen Partner gefunden. Infineon rechnet daher auf Jahre hinaus mit immer größeren Aufträgen. Zizala: „Wir stehen erst am Anfang der Elektromobilität. Für uns bietet das enorme Wachstumsmöglichkeiten.“

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    Der Branchenverband ZVEI erwartet, dass der Chipverbrauch pro Auto von derzeit 560 Dollar auf 710 Dollar in vier Jahren steigt. Das liegt einerseits an den immer üppigeren Assistenzsystemen, andererseits am Elektroantrieb. So kalkuliert ZVEI mit einem jährlichen Umsatzplus mit Kfz-Halbleitern von 5,3 Prozent bis 2024. Der globale Umsatz der Branche in diesem Segment wachse demnach von 50 Milliarden Dollar im Jahr 2019 auf 65 Milliarden Dollar im Jahr 2024.

    Davon profitiert Infineon ganz unmittelbar. Denn inzwischen verkauft niemand so viele Autochips wie die ehemalige Siemens-Tochter. Dieses Frühjahr hat Infineon den kalifornischen Wettbewerber Cypress übernommen und dadurch den bisherigen Marktführer NXP überholt.

    Geringere Auslastung der Werke

    Für Infineon ist die Elektromobilität schon heute eine wichtige Einnahmequelle. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Firma sieben Prozent der Erlöse mit Elektrofahrzeugen. Doch das dürfte erst der Anfang sein. Denn die Münchener haben bereits Aufträge für zahlreiche neue Modelle. „In den nächsten zwei Jahren werden 35 weitere Plug-in-Hybrid- und Elektroautos mit unseren Halbleitern an den Start gehen“, sagte Zizala. Die Autosparte steht für 45 Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt rund acht Milliarden Euro.

    Immer mehr Kunden sicherten sich schon jetzt langfristig Kapazitäten für E-Auto-Leistungshalbleiter, so der Manager. Offenbar haben die Auftraggeber Angst, dass ihnen die Bauteile ausgehen. Infineon indessen bekomme dadurch Planungssicherheit. Zuletzt hat der dänische Konzern Danfoss mit Infineon eine mehrjährige Liefervereinbarung abgeschlossen.

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    „Für uns als Hersteller von Leistungsmodulen für Elektroantriebe ist eine langfristig gesicherte Versorgung mit Halbleitern äußerst wichtig“, sagte Danfoss-Manager Claus Petersen. „Durch diese Vereinbarung können wir den hohen Wachstumserwartungen unserer Kunden nachkommen.“ Infineon beliefert die Autohersteller nicht direkt, sondern deren Lieferanten, also Konzerne wie Bosch, Continental oder eben Danfoss.

    Das gute Geschäft mit der Elektromobilität ist eine positive Nachricht in einer ansonsten auch für Infineon eher schwierigen Zeit. Wie so viele deutsche Konzernlenker musste auch Vorstandschef Reinhard Ploss wegen der Coronakrise die Jahresprognose zurücknehmen.

    Im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September endet, werde der Umsatz organisch um rund fünf Prozent zurückgehen, warnte der Manager. Damit verfehlt Ploss seine Prognose aus dem vergangenen Herbst deutlich. Damals hatte der Ingenieur ein Plus von fünf Prozent in Aussicht gestellt. Außerdem werde die operative Marge sinken. Der Grund dafür sei vor allem die geringere Auslastung der Werke.

    Erfolgreich an der Börse

    Analysten beurteilen Infineon unterschiedlich. Jüngste Daten zu den Autoverkäufen in China sowie zum E-Autoabsatz in Europa und weltweit deuteten darauf hin, dass das Unternehmen das Schlimmste hinter sich haben könnte, so Mark Li von Bernstein Research. Die Bilanz sei aber gut genug, um auch eine längere Schwächephase durchzustehen.

    Sebastien Sztabowicz von Kepler Cheuvreux hingegen warnt vor schwachen Ergebnissen des Chipherstellers – die Coronakrise belaste den Konzern. Das fürchtet auch Barclays-Analyst Andrew Gardiner. Grund sei die hohe Abhängigkeit von der Automobilbranche. CEO Ploss wird die Zahlen zum abgelaufenen Quartal am 4. August präsentieren.

    Die Anleger sind allerdings zuversichtlich: Seit Jahresbeginn haben die Aktien um rund 15 Prozent zugelegt. Damit gehört der Chiphersteller zu den erfolgreichsten Werten im Dax.

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    Momentan stehen viele Maschinen still, doch Infineon baut seine Fertigung trotzdem aus. In Villach entsteht momentan ein neues Werk, das auch Leistungshalbleiter für E-Autos liefern soll. „Wir müssen sicherstellen, dass wir die Produktionskapazitäten rechtzeitig hochfahren“, erläuterte Manager Zizala.

    Schon jetzt, also mitten in der Pandemie, würden spürbar mehr Chips für Stromfahrzeuge gebraucht. Zizala: „Wir sehen, dass die Regierungen Förderprogramme auflegen. Davon profitiert die Elektromobilität sowohl bei Autos als auch bei der Ladeinfrastruktur.“

    Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Neuzulassungen von elektrisch angetriebenen Autos in zehn großen europäischen Märkten um fast 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das ergab eine Auswertung der Strategieberatung Strategy&, die zum Beratungsunternehmen PwC gehört.

    Auch in Deutschland ging es mit den Elektroantrieben voran – im zweiten Quartal laut der Studie um gut ein Viertel. Die seit Februar aufgestockten und mit der Coronakrise in Deutschland nochmals erhöhten Kaufprämien könnten den Fachleuten zufolge noch einen längerfristigen Schub geben. Noch sei das Angebot an Elektroautos zwar begrenzt, und die Lieferzeiten seien lang. Das ändere sich aber gerade.

    Als Chiphersteller kann Infineon selbst etwas dafür tun, dass die Kunden mehr Elektrofahrzeuge ordern. Denn mit effizienteren Chips steigt die Reichweite, und die Vehikel werden attraktiver.

    Mehr: So will Infineon die Blutdruckmessung mit Radartechnologie ermöglichen.

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