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Elektromobilität Tesla und VW wollen in das Rohstoffgeschäft einsteigen – doch das hat seine Tücken

Die Autobauer wollen sich langfristig Lithium, Nickel oder Kobalt für die Batteriezellproduktion sichern. Aber der Einstieg ins Rohstoffgeschäft ist riskant.
02.06.2021 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Lithium findet außerhalb der Batteriezellproduktion wenig Anwendung. Quelle: Reuters
Becken einer Lithium-Mine in der Atacama-Salzwüste

Lithium findet außerhalb der Batteriezellproduktion wenig Anwendung.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Wenn es um Rohstoffe geht, kann es schnell zu Konflikten kommen. So etwa auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien. Monatelang demonstrierten Bewohner dort gegen den Verkauf einer Nickelmine an den schweizerisch-niederländischen Rohstoffkonzern Trafigura. Straßen wurden verbarrikadiert, ein Generalstreik ausgerufen. Es kam zu zahlreichen Verletzten und Millionenschäden durch Sachbeschädigungen sowie zu Lieferausfällen. Am Ende trat sogar die Regierung zurück.

Jetzt gibt es einen Kompromiss: Trafigura darf weniger Anteile erwerben als ursprünglich geplant, die Mehrheit an der Mine halten kommunale Stellen und Mitarbeiter – und Tesla wird „technischer und industrieller Partner“.

Dass der Elektroautohersteller auf der kleinen Pazifikinsel mitmischt, hat handfeste Gründe: Neukaledonien ist der viertgrößte Nickelproduzent der Welt. Und Nickel gehört neben Kobalt und Lithium zu den elementaren Rohstoffen für die Herstellung von Batteriezellen für Elektroautos.

Doch, an die Rohstoffe heranzukommen ist nicht trivial. Die Unruhen auf Neukaledonien zeigen, wie riskant das Geschäft mit ihnen ist. In diesem Fall ist Tesla der Profiteur – beim nächsten Umsturz kann sich die Sache aber leicht drehen.

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    Dennoch schreckt Tesla nicht vor dem Rohstoffgeschäft zurück. Bereits 2019 verkündete Tesla-Chef Elon Musk: „Wir könnten ins Minengeschäft einsteigen. Je stärker wir die Batterieproduktion hochfahren, desto tiefer müssen wir in die Lieferketten einsteigen.“ Und diese Logik gilt nicht nur für Tesla – sondern auch für den Volkswagen Konzern, wie jetzt bekannt wurde. „Wir müssen aktiv ins Rohstoffgeschäft einsteigen“, sagte Thomas Schmall, Technik-Vorstand von Volkswagen, kürzlich dem Handelsblatt. „Wir sehen uns die gesamte Prozesskette von der Mine bis zum Recycling an.“ Was bewegt die Autobauer zu diesem Schritt?

    Autohersteller prognostizieren strukturelle Veränderung im Rohstoffgeschäft

    Die Sorge der Autohersteller: Langfristig könnte die Versorgung nicht genügend gesichert sein. Schon jetzt machen sich die Preise der für Autos wichtigen Rohstoffe unangenehm bemerkbar. In den ersten drei Monaten 2021 stiegen die Preise für Rohstoffe wie Stahl oder Aluminium, die für den Autobau benötigt werden, laut der Investmentbank JP Morgan Chase um 83 Prozent.

    Im Falle von Elektroautos spielen zudem weitere Rohstoffe eine besonders wichtige Rolle. So braucht ein elektrisch betriebenes Fahrzeug etwa wegen der größeren Verkabelung 3,5-mal so viel Kupfer wie ein Auto mit Verbrennungsmotor.

    Schon 2019 warnte Sarah Maryssael, die bei Tesla für Metalle verantwortlich ist, auf einer Fachkonferenz in Washington vor einer Knappheit bei Nickel, Kupfer und Lithium. Die Minengesellschaften würden zu wenig investieren. Maryssael muss es wissen. Sie arbeitete zuvor als Ingenieurin beim Minengiganten Vale, und zwar zuletzt in der Mine in Neukaledonien.

    Bei Kupfer zeigt sich bereits, wie teuer die Abhängigkeit von dem Material ist: Der Preis des Metalls ist in den vergangenen zwölf Monaten auf Dollarbasis um 89 Prozent gestiegen. Und viel besser sieht es auch bei den anderen Rohstoffen nicht aus. Der Preis für Nickel stieg im vergangenen Jahr auf Dollarbasis um 43 Prozent, Lithium verteuerte sich noch stärker.

    Nach bisherigen Erfahrungen müssen die hohen Preise nicht von Dauer sein. Traditionell ist das Rohstoffgeschäft zyklisch. Es hängt nicht nur von technologischen Veränderungen ab, sondern auch von Konjunkturwellen. Wer bei hohen Preisen neue Minen aufmacht, kann sich somit böse vertun. Denn bis alle Genehmigungen eingeholt sind und die Mine produzieren kann, vergehen Jahre – dann können die Preise wieder am Boden sein.

    Doch jetzt sagen die Elektroautohersteller eine strukturelle Veränderung voraus. Immerhin will Volkswagen 20 Millionen Fahrzeuge bis 2030 verkaufen, Tesla will diese Verkaufszahl in diesem Zeitraum sogar jährlich erreichen. Sollte es dazu wirklich kommen, werden gewaltige Rohstoffmengen nötig sein. So soll etwa die Nachfrage nach Lithium laut der Minengesellschaft Cochilco von aktuell 317.000 Tonnen bis 2025 auf 839.000 Tonnen steigen, und 2030 dann gar bei knapp 1,8 Millionen Tonnen liegen.

    Minenkonzerne zögern noch

    Dennoch sind Minenkonzerne bislang skeptisch. Immerhin findet Lithium außerhalb der Batteriezellproduktion wenig Anwendung. „Wenn die Technologie sich in eine andere Richtung bewegt, dann gibt es keine anderen Nutzungen“, sagt Graham Kerr, Chef der australischen Rohstofffirma South32. Und noch etwas lässt die Minenkonzerne zögern: Wer dafür sorgen will, dass die hergestellten Rohstoffe umweltrechtlich nicht fragwürdig sind, hat im Zweifel höhere Kosten. Doch Umweltfragen werden in Zeiten, in denen Autohersteller mit sauberen Autos punkten wollen, immer wichtiger.

    Die Autohersteller nehmen die Sache daher zunehmend selbst in die Hand. Tesla hat sich bereits die Schürfrechte für ein riesiges Gelände in Nevada gesichert, wo auch seine Gigafactory für Batteriezellen steht. Als erstes Unternehmen der Welt will es aus Ton Lithium gewinnen – und dabei auch noch umweltfreundlich sein.

    Musk bezeichnete die Methode vor einigen Monaten als „sehr nachhaltiges“ Verfahren. Experten sehen das allerdings anders: Für das Auswaschen sei sehr viel Wasser nötig, das in einem trockenen Gebiet wie Nevada nur schwer zu bekommen ist.

    Mehr: VW-Vorstand über möglichen IPO des Batteriegeschäfts: „Wir schließen zunächst nichts aus“

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    1 Kommentar zu "Elektromobilität: Tesla und VW wollen in das Rohstoffgeschäft einsteigen – doch das hat seine Tücken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Auch ohne die Auto-Industrie wird voraussichtlich die Nachfrage nach Lithium steigen, vom heutigen Produktions-Volumen aus gesehen, denn bis 8 Mrd. Menschen ein Handy haben werden, und das werden sie langfristig, wird die Nachfrage steigen.

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