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Endgültiger Abschied Bill McDermott verlässt SAP vorzeitig

Der scheidende SAP-Chef sollte seine Nachfolger Christian Klein und Jennifer Morgan bis zum Jahresende unterstützen – nun ist er doch schon weg.
18.11.2019 Update: 18.11.2019 - 17:20 Uhr Kommentieren
Bill McDermott verlässt SAP vorzeitig Quelle: dpa
Bill McDermott

Der langjährige SAP-Chef verlässt das Unternehmen früher als erwartet.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Sein Rücktritt bei SAP war keine zwei Wochen her, da präsentierte sich Bill McDermott bereits in seiner neuen Rolle: Der Manager, der neun Jahre an der Spitze des deutschen Softwareherstellers gestanden hatte, kündigte Mitte Oktober seinen Wechsel zum amerikanischen Cloud-Spezialisten Service Now an. Schon am Tag nach der Ankündigung meldete er sich gemeinsam mit seinem Vorgänger John Donahoe in einer Telefonkonferenz mit Analysten zu Wort.

Das Pikante: Bill McDermott stand zu diesem Zeitpunkt immer noch bei SAP als Vorstandsmitglied unter Vertrag. Er sollte das neue Führungsduo Christian Klein und Jennifer Morgan beraten, um nach dem überraschenden Personalwechsel einen glatten Übergang zu ermöglichen – nicht zuletzt, um das vierte Quartal erfolgreich zu absolvieren, in dem der Softwarehersteller traditionell einen beträchtlichen Teil der Verträge mit den Kunden abschließt.

Der Amerikaner kann nun aber früher als gedacht bei Service Now anfangen. Sein Vertrag mit SAP wurde nach Informationen des Handelsblatts mit sofortiger Wirkung beendet. Man habe sich „im gegenseitigen Einvernehmen getrennt“, bestätigte der Softwarehersteller am Montag auf Anfrage. Zum Hintergrund der Vertragsauflösung äußerte sich das Unternehmen nicht, ebenso wenig zu den genauen Modalitäten, etwa was die Vergütung betrifft.

Die Übergangsphase fällt kurz aus: Service Now gab am Montagnachmittag bekannt, dass McDermott mit sofortiger Wirkung die Aufgaben als CEO und Mitglied des Verwaltungsrats aufgenommen habe und Gina Mastantuono von Ingram Micro als Finanzchefin zum Management stoßen wird. Er sei begeistert – „fired up“ –, schon diese Woche anzufangen, twitterte der Amerikaner.

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    Die Umstände deuten darauf hin, dass es bei SAP vor dem endgültigen Abschied von McDermott zu einer Kontroverse gekommen sein könnte. So bewerten nach Einschätzung von Insidern viele Mitarbeiter von SAP den Auftritt ihres alten Chefs bei Service Now kritisch. Zudem muss der Manager laut Vergütungsplan durch die Vertragsauflösung sechs Wochen vor dem zunächst avisierten Termin womöglich auf einen Teil seines langfristigen Bonus verzichten – der macht bei ihm rund zwei Drittel der Vergütung aus.

    Hintergrund: SAP teilt den Vorstandsmitgliedern ihre langfristige mehrjährige Vergütung (Long Term Incentive, LTI) in Tranchen zu, die eine Laufzeit von jeweils vier Jahren haben. Bei einer vorzeitigen Beendigung des Vertrags verfallen diese aber teilweise oder ganz – bei einem Wechsel zu einem Konkurrenten sieht die Regelung laut Geschäftsbericht eine komplette Streichung vor.

    McDermott bekam vom Aufsichtsrat fürs Geschäftsjahr 2016 virtuelle Aktien im Wert von damals acht Millionen Euro zugeteilt, deren Wert über die Jahre aber aufgrund verschiedener Faktoren schwankt. Ob er etwas erhält und, wenn ja, wie viel, hängt davon ab, wie der Aufsichtsrat den Wechsel von SAP zu Service Now bewertet. Da das Unternehmen sich dazu nicht äußern wollte, wird wohl erst der Geschäftsbericht Aufschluss geben.

    Der Amerikaner leitete SAP seit 2010, zunächst gemeinsam mit Jim Hagemann Snabe, ab 2014 allein. In dieser Zeit richtete er den Softwarehersteller neu aus und sorgte parallel für kräftiges Wachstum. Der SAP-Kurs stieg angesichts dieser Entwicklung von unter 40 auf mehr als 110 Euro – fast eine Verdreifachung. Allerdings ging die Expansion, in deren Zuge der Dax-Konzern rund 30 Milliarden Euro für Übernahmen ausgab, auf Kosten der Kundenzufriedenheit. Die Unternehmen beschwerten sich zuletzt über die mangelnde Integration der vielen Produkte.

    „Nach langen Überlegungen“ sei er zu der Entscheidung gekommen, seinen Vertrag bei SAP nicht mehr zu verlängern, sagte McDermott dem Handelsblatt kürzlich – zehn Jahre an der Spitze eines Unternehmens seien genug. „Ich wollte schon immer als CEO weitermachen – es war klar, dass ich nicht in den Urlaub fahren würde.“ Service Now war für den 58-jährigen Amerikaner offenbar die Gelegenheit für eine Veränderung.

    Service Now wächst rasant

    Der Wechsel ist für McDermott allerdings ein Bruch. SAP ist mit knapp 25 Milliarden Euro Umsatz und knapp 150 Milliarden Euro Börsenbewertung der Star der europäischen Technologieszene. Der Konzern zählt in der schnelllebigen IT-Branche zu den Traditionsunternehmen, die sich nun auf den Trend zum Cloud-Computing einstellen müssen.

    Solche Umbrüche stehen bei Service Now nicht an: Das Unternehmen existiert erst seit 2004. Das Cloud-Computing, bei dem Kunden übers Netzwerk auf die Software zugreifen, ist sein Kerngeschäft. Nun gilt es, mit den Lösungen neue Branchen und Märkte zu erschließen, auch in Deutschland. „Service Now wächst schnell und hat ebenfalls ein riesiges Potenzial, mehr Länder und Branchen zu erschließen“, sagte McDermott in Anspielung auf SAP. „Es ist auf dem Weg, Tausende Jobs in aller Welt zu schaffen.“ Mit 2,6 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr und rund 50 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung ist der Softwareanbieter im Silicon Valley jedoch nur ein Name unter vielen.

    SAP muss nun in den verbleibenden Wochen auf Bill McDermott verzichten. Christian Klein und Jennifer Morgan betonten nach dem Rücktritt des Amerikaners, dass sie dessen Rat einholen wollen. Allerdings war er intern zuletzt kaum in Erscheinung getreten. Dem Unternehmen hat es nicht geschadet: Nach dem Kapitalmarkttag vergangene Woche haben mehrere Analysten ihre Kursziele hochgesetzt.

    Mehr: Der Ex-Chef von SAP geht zu dem kleinen US-Cloudanbieter Service Now. Im Interview spricht Bill McDermott über seinen Abschied und den Reiz der neuen Aufgabe.

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