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Entwicklerkonferenz WWDC Apple beendet die iTunes-Ära – und legt den Fokus auf Dienstleistungen

Neue Betriebssysteme, neue Funktionen, Apple Watch ohne iPhone und das Ende von iTunes: Apple will als neues Serviceunternehmen durchstarten.
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Apple-CEO Tim Cook spricht auf der Worldwide Developers Conference im kalifornischen San Jose. Quelle: AP
Tim Cook

Apple-CEO Tim Cook spricht auf der Worldwide Developers Conference im kalifornischen San Jose.

(Foto: AP)

San FranciscoAls auf der Bühne des Konferenzzentrums in San Jose am Montagabend die Details des neuen iPad-Betriebssystems von Apple bekanntgegeben werden, dürfte Konkurrent Microsoft im weitentfernten Redmond vor allem Genugtuung verspürt haben. Das iPad, in der Pro-Version Apples Vorstoß in die mobile Businesswelt, bekommt ein eigenes Betriebssystem – das iPadOS.

Es ist der Abschied vom stark limitierten iPhone-Betriebssystem iOS und der Versuch, Windows anzugreifen. Was Apple allerdings auf der Keynote präsentiert, vereint ein Kernelement von Windows: vereinfachtes Multitasking, bei dem zwei Fenster gleichzeitig in derselben App auf dem Bildschirm geöffnet sein können. Apple zeigt sogar zwei Microsoft-Word-Dokumente nebeneinander auf dem iPad, um das Feature zu demonstrieren. Der hauseigene Safari-Browser wird somit künftig Webseiten standardmäßig im Desktop-Modus öffnen.

Zudem wird künftig ein Feature verfügbar sein, das sich Apple-Nutzer seit Jahren wünschen und Microsoft-Tablets bereits bieten: Das iPad akzeptiert nun USB-Sticks oder SD-Karten für den direkten Daten-Import und -Export. Webinhalte können auf dem Bildschirm angeheftet und zwischengelagert werden. Auch eine Digitalkamera lässt sich anschließen, um Dateien problemlos auszulesen.

Daneben bekommt iPadOS alle Neuerungen, die auch das iOS für das iPhone bekommt. Hier liegen die Verbesserungen im Detail und bei zusätzlichen Funktionen – zum Beispiel der Bildbearbeitung und der Dateiverwaltung.

„Sign in with Apple“ – Angriff auf Facebook und Google

Für Verärgerung bei der Konkurrenz dürfte jedoch das neue „Sign in with Apple“ sorgen. Statt mit Facebook („Sign in with Facebook“-Button) oder Google lassen sich in Zukunft Dienste wie eine Nachrichten- oder TV-App mit Apple aktivieren, wobei für den Nutzer sogar jeweils eine eigene anonyme E-Mail-Adresse angelegt wird.

Ein Dienst kann somit nicht mehr Freundeslisten aus Facebook oder Ähnliches auslesen. Die eigene E-Mail-Adresse, an die Anfragen von Apple geleitet werden, bleibt unerkannt. Wer einen Dienst verlässt, kann dies einfach machen, ohne laut Apple Spuren zu hinterlassen. iOS 13 und iPadOS sollen im Herbst für Endverbraucher verfügbar sein.

Apples Botschaft für das iPad ist klar: Es soll die alten Features hinter sich lassen und künftig so sein wie ein echter Laptop – oder vielmehr wie ein Windows-Laptop.

Der Business-Markt für Tablets und Hybrids (Tablets und Laptops kombiniert) ist zwar hart umkämpft, wächst aber kräftig. Marktforscher von Canalys erwarten für 2019, dass sich der weltweite Markt für Smartphones um 3,1 Prozent abschwächen wird. Deshalb setzt Apple nun verstärkt aufs iPad.

Traditionell wird auf Apples Entwicklerkonferenz Anfang Juni die Software in den Vordergrund gerückt – neue Hardware, sprich iPhones, werden erst im Herbst präsentiert. Eine Hardware gibt es diesmal dennoch: Apple will für 6000 Dollar einen neuen Mac Pro auf den Markt bringen. Das Gerät hat zwar keine neuen Features, soll aber künftig flexibel ausbaubar sein. Darauf hatte die Entwicklergemeinschaft lange gewartet.

Zu dem Business-Rechner soll es ein extrem hochauflösendes Display für den Schreibtisch dazugeben, das Apple für 4999 Dollar anbieten wird. Extra kostet der einzig zum Display passende Monitorfuß: Dafür müssen die Apple-Kunden weitere 999 Dollar zahlen.

Für die Apple Watch ist die Keynote im kalifornischen San Jose eine Art Unabhängigkeitserklärung. Das Betriebssystem Watch OS6 bekommt nicht nur einen eigenen App-Store, sondern auch einige neue Apps – beispielsweise eine Lärm-Anwendung, die ihren Nutzer benachrichtigt, wenn der Umgebungslärm zu stark ist. Dieser Schritt ist ein weiterer Versuch, in Zeiten sinkender Smartphone-Verkäufe ein Gerät, und zwar die Apple Watch, unabhängiger vom iPhone zu machen.

Das Ende von iTunes

Die Keynote steht in diesem Jahr aber nicht nur für die zunehmende Unabhängigkeit vom iPhone: Sie läutet auch das Ende einer Ära ein. Denn Apple will sich von der legendären iTunes-Software verabschieden.

Der Musik- und Videoshop, einst für den iPod kreiert, hat nach 18 Jahren sein Verfallsdatum überschritten. Er wird mit dem kommenden Update für das Betriebssystem Mac OS („Catalia“) in drei Apps zerschlagen – Apple Music, Apple Podcasts und Apple TV. Die Synchronisierungsfunktion für das iPhone wird komplett herausgelöst und auf das Betriebssystem verlagert.

Apples neuer Fokus liegt auf dem Verkauf von Dienstleistungen wie TV-Serien, Musik oder Podcasts. Die eigenständigen Apps lassen sich getrennt voneinander schneller und gezielter weiterentwickeln. Daneben wird es einfacher, sie an andere Endgeräte wie Radios, Fernseher oder Smartphones anderer Hersteller anzupassen.

Denn die ehrgeizigen Pläne von Vorstandschef Tim Cook, Apple von einem Hardware- zu einem Service-Konzern zu wandeln, werden nur gelingen, wenn mit Film-Abos, TV-Streaming, News-Magazinen und den bereits 700.000 Podcasts und Musik-Abos so viele Nutzer wie möglich erreicht werden.

Apple konkurriert dabei mit einfachen und leicht verständlichen Apps von Spotify, Netflix oder Pandora. Dagegen wirkt iTunes überladen. Cook will bereits 2020 mit allen Dienstleistungen zusammen einen Quartalsumsatz von 14 Milliarden Dollar erzielen, das wäre doppelt so viel wie 2017. Das geht nur ohne iTunes-Ballast.

Diese 14 Milliarden Dollar sind Geld, das Apple dringend braucht, wenn sich die Smartphone-Verkäufe weiter abschwächen und sich möglicherweise sogar ein langer US-Handelskrieg mit China entwickelt. Diese würde den US-Tech-Konzern nämlich besonders empfindlich treffen: China ist für Apple nicht nur ein wichtiger Produktionsstandort, sondern gleichzeitig auch der zweitgrößte Absatzmarkt nach den USA.

Die Mischung aus neuen Angeboten und neuer Hardware kam zunächst gut an der Wall Street an. Die Apple-Aktie lag in einem schwachen Markt am Montag leicht im Plus. Das änderte sich aber, als Informationen die Runde machten, die Handelsbehörde FTC werde auch Apple in seine geplanten Untersuchungen über Machtmissbrauch im Wettbewerb mit einbeziehen. Danach rutschen die Aktien, ebenso wie die Papiere von Facebook, Google, Amazon und Microsoft, ins Minus.

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