Eröffnung der Cebit „Hasta la vista, Baby!“

Die Eröffnungsfeier der diesjährigen Cebit war prominent besetzt: Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel fand sich auch Kaliforniens "Gouvernator" Arnold Schwarzenegger in Hannover ein. Angesichts schwindender Aussteller und einer Branche, an der die Krise nicht vorübergeht, werden starke Heldentypen auch dringend benötigt.
Nicht nur Arnold Schwarzenegger versuchte sich als Mutmacher. Quelle: dpa

Nicht nur Arnold Schwarzenegger versuchte sich als Mutmacher.

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HANNOVER. Kaum ist Arnold Schwarzenegger in Hannover angekommen, ist er schon wieder verschwunden. Vor dem Hotel warten zwar schon Autogrammjäger, aber der ehemalige Schauspieler ist ein politischer Profi. Also lässt er sich erst einmal in die noch völlig leere, nüchterne Halle im Hannoverschen Congress Centrum (HCC) fahren und probt seinen Auftritt für die Cebit-Eröffnung.

Das lohnt sich. Denn als der breit lächelnde Gouverneur von Kalifornien am Abend zusammen mit der Kanzlerin auftritt, spielt er genau die einstudierte Rolle, die die Gastgeber sich erhofft hatten - den prominenten Mutmacher und Charmeur. Er ist der Promi hier, trotz all der Unternehmenschefs aus der Computerbranche, trotz der Kanzlerin, den vielen Ministern. Der Amerikaner österreichischer Abstammung weiß, was die verunsicherten Manager vor ihm wirklich hören wollen.

Keine Details, keine neuen Programme, sondern eine Mutmachrede. "Nur Verlierer jammern, die Gewinner schauen nach vorn", hämmert Schwarzenegger von der Bühne und nimmt der derzeitigen Depression in der Computerbranche zumindest für ein paar Minuten den Schrecken. Die Manager und die Organisatoren der weltgrößten Computermesse klatschen dankbar.

Die Krisenstimmung in der Branche ist zwar nicht so schlecht wie in der Automobilindustrie. Aber mit einem Viertel weniger Aussteller in diesem Jahr wankt auch das Selbstbewusstsein der lange vor Kraft strotzenden Cebit-Macher. In den Tagen vor der Messe bestimmten düstere Prognosen über den Absatz von PCs, Laptops und Handys die Stimmung. Deshalb prägt die Mutmach- und Durchhalte-Botschaft den ganzen Abend, egal ob Schwarzenegger, Merkel oder Intel-Chef Craig Barrett reden.

Selbst die Kanzlerin, in diesen Tagen oft mit gekräuselter Stirn und besorgter Miene unterwegs, entspannt sich und fängt angesichts des Schwarzenegger-Charmes an, wie ein kleines Mädchen zu strahlen. Sie verzeiht ihm selbst den süffisanten Hinweis, dass sie nun sogar Vorbild für eine Barbie-Puppe geworden ist. Denn dann kommt das Lob des US-Republikaners: "Unter Ihrer Führung ist das deutsche Volk in guten Händen." Allein für diesen Satz im Wahljahr hat sich aus Sicht der CDU-Chefin der Besuch in Hannover gelohnt.

In Berlin wird sich die SPD nun doppelt ärgern, dass es mit dem erhofften Treffen von Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit Schwarzenegger nicht geklappt hat. Dabei hatte Steinmeier mit dem Gouverneur vor zwei Jahren noch eine Umweltachse Kalifornien-Deutschland geschmiedet. Aber nun sonnen sich in seinem Glanz andere - neben Merkel eben Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD). Nur wirken sie neben dem massigen Schwarzenegger plötzlich eher unscheinbar.

Der Gouverneur aus Kalifornien kennt diesen Effekt längst. Er weiß, dass sowohl in der Politik als auch der Wirtschaft die Psychologie regiert. Deshalb wischt er auch die Probleme in seinem eigenen US-Bundesstaat Kalifornien nicht einfach weg - alle Welt weiß schließlich von dem riesigen Etatdefizit und der anhaltenden Dürre. Er macht sich über sie lustig, reißt Witze. Das kommt besser an. Dazu ein paar Anspielungen auf seine Bodybuilder- und Schauspieler-Vergangenheit. Das erfreut nicht nur bereits die 200 Fans , die ihn vor dem hannoverschen Rathaus mit "Arnie, Arnie"-Rufen empfangen. Auch bei der Cebit-Eröffnung hebt sich Schwarzenegger von allen ab, weil er gleich in drei Bereichen Karriere gemacht hat.

Im deutschen Wahljahr ist dies eine Lehrstunde. Schwarzenegger pflegt das Image eines Mannes, der zeigt, dass alles möglich ist. "Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal als kalifornischer Gouverneur nach Deutschland zurückkommen würde", sagt er in seinem heimatlichen österreichischen Singsang, nachdem er zuvor auf Englisch geredet hat. Zumindest hier hat Merkel bereits gelernt, die gerne darauf verweist, dass sie als ostdeutsche Frau Bundeskanzlerin werden konnte.

"Hasta la vista, Baby" ruft er der Kanzlerin am Ende zu und die Halle tobt. "Sie dürfen wiederkommen", antwortet Merkel. Denn mit dem Gouverneur gehe es doch etwas lustiger zu als sonst hierzulande.

Wie es sonst ist, das allerdings hatte die Kanzlerin selbst schon in ihren kurzen Statements direkt vor der Cebit-Eröffnung klargemacht. "Wir machen nichts falsch, wenn wir in die Informations- und Kommunikationstechnik investieren." Hollywood meets Berlin.

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