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Ex-Siemens-Tochter AMS-Chef weist Zweifel zurück: „Osram-Kauf geht wie geplant über die Bühne“

Alexander Everke hält trotz Krise an den Übernahmeplänen für Osram fest und will auch den Osram-Aufsichtsrat neu besetzen. Die Österreicher denken bereits über weitere Akquisitionen nach.
03.05.2020 - 09:20 Uhr Kommentieren
Der CEO des österreichischen Sensorikspezialisten versucht, die Zweifel an der Finanzierung der Osram-Übernahme zu zerstreuen. Quelle: Reuters
AMS-Chef Alexander Everke

Der CEO des österreichischen Sensorikspezialisten versucht, die Zweifel an der Finanzierung der Osram-Übernahme zu zerstreuen.

(Foto: Reuters)

München, Wien Die Übernahme von Osram durch den kleineren Sensorik-Spezialisten AMS war schon vor Corona wagemutig. Doch AMS-Chef Alexander Everke hat nun alle Spekulationen zurückgewiesen, dass das Milliardenprojekt im Zuge der Pandemie noch scheitern könnte. „Ich kann die Zweifel nicht nachvollziehen. Wir sind alle sehr fest überzeugt, dass der Zukauf wie geplant über die Bühne gehen wird“, sagte er dem Handelsblatt.

Im Gegenteil: Die Österreicher denken sogar schon an weitere Akquisitionen. „Wir werden auch in Zukunft weitere Unternehmen dazu kaufen“, sagte Everke. Schließlich wolle man einer der größten Sensorik- und Photonik-Konzerne der Welt werden. „Wir sind niemals fertig.“

AMS hatte sich im vergangenen Jahr mit einem Gebot von mehr als vier Milliarden Euro gegen mehrere Finanzinvestoren durchgesetzt. Die Osram-Übernahme wird zum großen Teil mit Schulden finanziert. Eine Kapitalerhöhung, mit der ein Teil der Kredite refinanziert wird, konnte in Zeiten von Corona nur mit großen Mühen am Markt platziert werden.

Doch Everke sieht die Übernahme voll im Plan. „Wir erwarten das Closing bis Ende Juni. Dann sind wir größter Aktionär mit mehr als 68 Prozent und werden den Osram-Aufsichtsrat entsprechend besetzen wollen.“ Dazu spreche man mit Osram. Man führe derzeit die Diskussion, wie viele und welche Vertreter AMS entsenden wolle.

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    Einschnitte ins Portfolio

    In Industriekreisen wird erwartet, dass AMS nach Vollzug der Übernahme rasch harte Einschnitte im Osram-Portfolio vornehmen könnte. Zur Disposition steht unter anderem die Digitalsparte der Münchener. Everke sagte: „Wir sind dabei, das Portfolio anzuschauen. Wir gehen davon aus, dass nicht alle Teile zum neuen Konzern dazu passen.“

    Noch immer gibt es bei manchen Zweifel, ob das finanzielle Konstrukt von AMS krisenfest genug ist. „Das Finanzierungskonzept von AMS ist sehr aggressiv und auf Kante genäht“, sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von der IG Metall, Klaus Abel, dem Handelsblatt. Es müsse alles genau so laufen, wie Everke sich das vorstelle.

    Doch stehe Osram vor großen Herausforderungen, wie alle Industrieunternehmen, die der Autoindustrie zuliefern und habe einen entsprechenden Finanzbedarf, für den AMS nach dem Abschluss eines Beherrschungsvertrages einstehen müsse. Zugleich habe AMS selbst im ersten Quartal 2020 einen Nettoverlust von 16 Millionen Dollar ausgewiesen, sagte Abel. „Die Frage ist, ob AMS wirklich so stark ist, das alles zu schultern.“

    Im Mittelpunkt vieler Spekulationen steht das Thema Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Laut Everke strebt AMS diesen weiter an. „Es hängt aber stark vom Kapitalmarkt ab, wann wir dies umsetzen.“ Man komme eine Zeitlang auch ohne einen solchen Vertrag bei Osram zurecht. Synergien ließen sich auch so erreichen. „Auch über den Aufsichtsrat können wir den Konzern in eine Richtung verändern, die uns wichtig ist.“

    Spekulationen um Beherrschungsvertrag

    Sollte ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen werden, müsste AMS den übrigen Aktionären eine Abfindung von nach aktuellem Stand 42,20 Euro bieten. Manche vermuten, es könne den Österreichern schwer fallen, neue Anleihen zu platzieren, um dies zu finanzieren.

    Womöglich, lautet eine Spekulationen im „Manager Magazin“, könnten die Österreicher am Ende gezwungen sein, sich wieder von den Osram-Anteilen zu trennen.
    Everke betonte, AMS habe das Geld für eine Aufstockung. „Die Mittel hätten wir. Wir sind hochprofitabel.“ AMS sehe mit jedem Quartal eine Verbesserung der finanziellen Situation.

    Auch sei die vergleichsweise hohe Verschuldung nach der Übernahme kein Problem, meint Everke. „Wir werden unserer Schulden wie geplant reduzieren. Das sehen wir nicht als ernstes Problem.“

    In der Tat legte AMS gute Zahlen vor. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um ein Drittel auf gut 500 Millionen Dollar. Die operative Umsatzrendite lag bei stolzen 20 Prozent. Der operative Cashflow konnte auf 235 Millionen Dollar mehr als verdoppelt werden. „Wir haben das beste erste Quartal in unserer Unternehmensgeschichte abgeliefert. Das in so einer Krise hinzubekommen, ist schon eine Leistung“, sagte Everke.

    Optimistischer Ausblick trotz Corona

    Dass der AMS-Aktienkurs in der vergangenen Woche nach Vorlage der Zahlen um ein Viertel nach oben sprang, lag auch am Ausblick. Für das zweite Quartal erwartet der Sensorikspezialist Erlöse in Höhe von 440 bis 480 Millionen Dollar. Nimmt man die Mitte der Spanne, bedeutet das trotz Corona einen Anstieg von elf Prozent. Die bereinigte operative Umsatzrendite soll bei 17 bis 20 Prozent liegen.

    Strategisch ergibt ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen Sinn. AMS ist stark in der Konsumelektronik zum Beispiel bei Handys, Osram im Geschäft mit Kunden aus der Automobilindustrie. Gemeinsam sei man besser aufgestellt, sagte Osram-Chef Olaf Berlien dem Handelsblatt.

    Analyst Daniel Lion von der Ersten Bank sieht einen weiteren Vorteil: Die beiden Unternehmen würden gemeinsam eine kritische Größe erreichen. „Durch die Übernahme von Osram schließt AMS in der Halbleiterbranche zu großen Konzernen wie Infineon ein Stück weit auf.“ AMS habe in der Vergangenheit stets zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Technologieunternehmen gekauft, die länger oder kürzer technologischen Marktführerschaft geführt hat.“

    AMS liefert unter anderem Sensortechnik für Smartphones und ist hier stark vom Großkunden Apple abhängig. „Wir haben einen sehr großen Kunden, der einen großen Umsatzanteil hat“, sagte Everke. Man sei aber auch immer an großen Umsatzanteilen bei einzelnen Kunden interessiert. Nur dann habe man eine signifikante Stellung und sei auch bei den technologischen Neuentwicklungen dabei. „Eine gegenseitige Abhängigkeit ist wichtig.“

    Sensorik für die Medizintechnik

    Der AMS-Chef sieht aber auch andere Zukunftsfelder. „Computertomographie ist ein wichtiges Thema für uns. Mit unserer Sensor-Technik sind wir der weltweit führende Anbieter“, sagte er. Die Medizintechnik werde nach der Krise an Bedeutung gewinnen. Technologien von AMS könnten helfen, das Virus und die Antikörper genauer nachzuweisen. „Wir haben ein Team darauf angesetzt, diese Technologie nach vorne zu treiben.“

    Everke gilt als knallharter Manager. In München schlägt ihm viel Misstrauen entgegen. „Wenn man eine Firma kauft, ist das immer auch ein emotionaler Prozess“, sagt er selbst. Die Interaktion mit den Osram-Teams sei aber positiv. Er habe einen „ kooperativen Führungsstil, der auf der Kompetenz der Mitarbeiter aufbaut“. Er sei aber auch jemand, der „sehr ergebnisorientiert steuert.“

    Mehr: Warum Osram und AMS die eigentliche Herausforderung erst noch bevorsteht.

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