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Ex-Technikchef Tesla-Mitgründer Straubel will das Recycling von E-Auto-Batterien revolutionieren

Teslas Vorsprung in der Batterietechnologie wäre ohne JB Straubel undenkbar. Nun will der Ingenieur mit seinem Start-up eine „umgekehrte Gigafactory“ bauen.
07.10.2020 - 12:54 Uhr 2 Kommentare
Der Manager war der fünfte Angestellte von Tesla und der erste Technologievorstand. Quelle: Jason Henry/The New York Times/R
JB Straubel

Der Manager war der fünfte Angestellte von Tesla und der erste Technologievorstand.

(Foto: Jason Henry/The New York Times/R)

San Francisco Als Jeffrey Straubel im Juli 2019 Tesla verließ, hatte sich der Elektroautobauer aus dem Silicon Valley gerade durch eine schwere Krise gekämpft. Den Anlauf der Massenproduktion des Models 3 bezeichnete sein Chef Elon Musk damals als „Produktionshölle“, Straubel nennt es heute einen Meilenstein in Teslas Geschichte.

Für ihn war es der Anlass, nach fast 16 Jahren zu gehen. Straubel, der meist „JB“ genannt wird, ist nicht irgendein Tesla-Manager. Er war der fünfte Angestellte des Unternehmens, der erste Technologievorstand und wurde später, wie Musk, sogar zum Mitgründer erklärt. Als er ging, stand auf mehr als der Hälfte aller Patente von Tesla sein Name.

Teslas Vorsprung in der Batterietechnologie wäre ohne Straubel undenkbar – und damit wohl auch der Aufstieg zum wertvollsten Autobauer der Welt. Wäre Straubel geblieben, hätte der 44-Jährige bei Teslas „Battery Day“-Event Ende September an Musks Seite gestanden, nicht sein langjähriger Kollege und Vertrauter Drew Baglino.

Doch Straubel sah eine neue Herausforderung: „Als das Model 3 in die Massenproduktion ging, wurde mir bewusst, dass wir für das Recycling dieser Batterien eine genauso große Industrie brauchen werden wie für ihre Produktion“, sagt Straubel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und für ihn war klar, dass er sich dieser Aufgabe stellen muss und will: „Ich bin gern Unternehmer. Es ist Teil meiner Persönlichkeit, neue Dinge zu bauen und Probleme zu lösen, mit denen sich noch nicht viele beschäftigen.“

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    Schon 2017 zu seinen Tesla-Zeiten hatte er das Recycling-Start-up Redwood Materials gegründet, mit dem er nun das Wiederverwerten der alten E-Auto-Batterien industrialisieren will. Redwood Materials’ erste Anlage steht in Carson City im US-Bundesstaat Nevada, keine halbe Autostunde von der berühmt-berüchtigten Gigafactory entfernt, in der Tesla mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic Batterien baut.

    Dort recycle Redwood schon jetzt Batterien mit mehr als einem Gigawatt Leistung, so Straubel, was etwa 20.000 Elektroauto-Batterien entsprechen würde.

    Grafik

    Weil Elektroautos weltweit auf dem Vormarsch sind, müssen für den absehbaren Batterie-Boom immer neue Rohstoffe gefördert werden. Besonders problematisch ist Kobalt, das zwar hervorragend Energie speichern kann, aber zum Großteil in der Demokratischen Republik Kongo gefördert wird, unter unmenschlichen und umweltschädlichen Bedingungen.

    „Was viele unterschätzen, ist die gewaltige Dimension des Vorhabens“, sagt Straubel. „Wir müssen quasi eine umgekehrte Gigafactory errichten.“ Dort werden die Batterien mechanisch zerlegt und chemisch aufgelöst, um als Rohstoff wieder in neuen Batterien verarbeitet zu werden.

    Redwood Materials hat einflussreiche Unterstützer, die in diesem Jahr 40 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt haben. Darunter Amazons Climate Pledge Fund, ein Fonds, mit dem der weltgrößte Onlinehändler in nachhaltige Unternehmen investiert, und Breakthrough Energy Ventures, hinter dem eine Reihe von Investoren wie Amazon-Chef Jeff Bezos und Microsoft-Gründer Bill Gates mit ihrem Privatvermögen stehen.

    Auch andere haben das enorme Potenzial des Batterie-Recyclings erkannt: Zum einen gibt es etablierte Recycling-Unternehmen wie das belgische Umicore, die mit Haushalts- oder Smartphone-Batterien Erfahrung haben, und Start-ups wie Duesenfeld aus Braunschweig, die neue Verfahren entwickelt haben. Duesenfeld etwa schreddert ausgediente Lithium-Ionen-Akkus, um die wertvollen Rohstoffe wiederzuverwerten. Klassische Verfahren hingegen nutzen oft Hitze oder Flüssigkeit.

    „Recycling ist immer zehn oder 20 Jahre hinter der Industrie“

    Auch Autohersteller und Zulieferer entwickeln eigene Anlagen: VW baut bei seinem Batteriewerk in Salzgitter eine Pilotanlage für Recycling, auch VWs Partner bei Batteriezellen, das Unternehmen Northvolt, das von einem Ex-Kollegen Straubels bei Tesla gegründet wurde, hat eine Anlage in Schweden errichtet.

    Von den anderen Unternehmen unterscheide sich Redwood durch seine Philosophie, betont Straubel: „Beim Recycling von Smartphone-Batterien geht es erst mal darum, den Elektronikmüll zu vermeiden. Wir haben aber einen geschlossenen Kreislauf, mit Rückgewinnungsraten für Kobalt und Nickel von deutlich mehr als 90 Prozent.“

    Das Ziel sei nicht nur Müllvermeidung, sondern Ressourcensicherung für Länder wie die USA oder Deutschland, in denen die meisten Autos produziert, aber nicht die nötigen Rohstoffe für die Lithium-Ionen-Akkus abgebaut werden.

    „Recycling ist immer zehn oder 20 Jahre hinter der Industrie“, sagt Zheng Chen, Professor für Nanoengineering an der Universität San Diego. Erst wenn die Batterien der ersten Jahrgänge von Elektroautos nicht mehr ausreichend laden, lohne es sich, dafür eine eigene Industrie zu entwickeln. Und die müsse nicht von etablierten Recycling-Unternehmen dominiert werden. „Batterien von Elektroautos sind eine ganz andere Herausforderung“, sagt Zheng.

    Straubel hat das Recycling-Start-up Redwood Materials gegründet, mit dem er nun das Wiederverwerten alter E-Auto-Batterien industrialisieren will. Quelle: AP
    Tesla-Batterie

    Straubel hat das Recycling-Start-up Redwood Materials gegründet, mit dem er nun das Wiederverwerten alter E-Auto-Batterien industrialisieren will.

    (Foto: AP)

    Man brauche Robotik-Kompetenz für die spezialisierten Maschinen, die die skateboardförmigen Batterie-Packs verschiedenster Hersteller zerlegen können. Selbst die einzelnen Batteriezellen seien anders zusammengesetzt als Smartphone-Batterien: Ihre Kathode enthalte etwa mehr Nickel und weniger Kobalt. Neue Technologien von Grund auf aufzubauen, das hat Straubel bei Tesla perfektioniert. Der Autobauer hat Schritt für Schritt mehr Teile der Wertschöpfung ins Unternehmen geholt.

    Zheng weiß allerdings nicht, wo Redwood aktuell steht. Er würde gern mehr öffentliche Demonstrationen und eine nachvollziehbare Validierung der Technologie des Unternehmens sehen.

    Dass die Recycling-Industrie erst langsam entsteht, ist ein Vorteil. Die Unternehmen haben einige Jahre Zeit, ihre Verfahren an Trends in der Batterieindustrie anzupassen. So hat Musk bei seinem „Battery Day“ gerade angekündigt, die Kathoden für die Batterien vieler Modelle kobaltfrei bauen zu wollen.

    Straubel hofft, dass westliche Länder durch Recycling bald sogar gar kein neu gefördertes Kobalt mehr brauchen: „Wenn man alte, stark kobalthaltige Batterien durch neue ersetzt, wird man noch schneller unabhängig“, sagt er.

    Tesla ist kein Kunde von Redwood Materials

    Dominanz über die neue Industrie ist aber gar nicht Straubels Ziel, dem nachdenklichen Tüftler geht das Bravado seines ehemaligen Chefs Musk völlig ab. Verschiedene Player würden am Ende Batterien recyceln, sagt Straubel, so wie Batterien von verschiedenen Playern gebaut würden. „Unser Vorteil ist unser Fokus. Für Firmen, deren Fokus Batterienbauen ist, ist Recycling sekundär.“

    In der nächsten Zeit will sich Straubel auf die regionale Expansion konzentrieren, auch außerhalb der USA: „Wir müssen Recycling in die Regionen bringen, wo die Batterien hergestellt werden.“ Batterien seien schwer, ihr Transport sei teuer und schlecht für die Umwelt. Daher müssten Produktion und Recycling in einem Radius von maximal 1000 Kilometern der Autoproduktion liegen.

    Aktuell spreche er mit verschiedenen möglichen Partnern, erzählt Straubel. Genannt werden bisher nur Amazon, für die Redwood Materials unter anderem Batterien aus dessen Elektro-Lieferwagen recycelt, und Panasonic in der Gigafactory in Nevada. Nur Panasonic, wohlgemerkt, nicht Tesla. Musk kündigte beim Battery Day an, Teslas eigene Recyclingpilotanlage in Nevada werde noch dieses Jahr ihre Arbeit aufnehmen.

    Straubel soll bei Tesla, nach allem, was bekannt ist, nicht im Streit gegangen sein. Er berät das Unternehmen weiterhin. Warum ist das Unternehmen, das ihm so viel verdankt, dann nicht sein erster Kunde? Er könne nicht für Tesla sprechen, sagt Straubel. „Aber aus unserer Perspektive ist es wichtig, Beziehungen zu anderen Autoherstellern aufzubauen.“ Um eine umfassende Lösung für die ganze Industrie anzubieten, sei es von Vorteil, als Unternehmen unabhängig zu sein. „Da wäre es schwieriger, wenn Tesla unser erster Kunde wäre.“

    Straubel sitzt im Beirat des VW-Investments Quantumscape

    Straubel emanzipiert sich von dem Unternehmen, das er mitgegründet hat, und entwickelt neue Partnerschaften. Er sitzt im Beirat von Quantumscape, einer einstigen Stanford-Ausgründung, in die Volkswagen 2018 100 Millionen Dollar investierte. Das Start-up aus San José forscht an sogenannten Festkörperbatterien, die dank ihrer festen Elektroden und Elektrolyten eine höhere Energiedichte als bisherige Batterien haben.

    Volkswagen rechnet bis 2025 mit Feststoffbatterien in Serienproduktion. Von Tesla hört man wenig zu eigenen Ambitionen auf diesem Feld. Die Technologie ist ein ewiger Hoffnungsträger der Industrie, schon in den frühen 2010er-Jahren gab es Start-ups, die sich vor dem Durchbruch wähnten und dann vom Markt verschwanden.

    Auch Straubel erinnert sich an diese erste Generation. „Die zweite Generation zielt genauer auf den Markt für Elektroautos“, sagt er. Und Quantumscape habe bei bestimmten Komponenten der Batterie technologische Durchbrüche erzielt, die frühere Start-ups nicht hatten.

    Die Feststoffbatterien seien weniger komplex als Lithium-Ionen-Batterien und könnten ohne Grafit hergestellt werden, so Straubel. Damit seien sie im Übrigen auch leichter zu recyceln. An dem Problem arbeitet auch Zheng Chen, der Batterie-Experte aus San Diego. Er hat selbst ein Start-up, das zum Recycling von Feststoffbatterien forscht. „Wir haben 15 Leute, Redwood schon jetzt deutlich mehr“, sagt er. „Die scheinen sehr ambitioniert zu sein.“

    Mehr: Tesla liefert mehr Fahrzeuge aus als erwartet.

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    2 Kommentare zu "Ex-Technikchef: Tesla-Mitgründer Straubel will das Recycling von E-Auto-Batterien revolutionieren"

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    • Den Neutrino Schwachsinn lese ich immer wieder als Kommentar. Bis jetzt ist noch nirgendwo etwas mit einer solchen Technologie aufgetaucht.Daher besser solche Kommentare sparen. Es gibt keine Neutrino Voltaic.

    • Die Batteriezelltechnik ist zu teuer und materialaufwendig und schlecht zum Entsorgen. (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: "Kommentare sind keine Werbeflächen." https://www.handelsblatt.com/netiquette  

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