Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Facebook, Google und Alibaba Die Übermacht der Tech-Giganten ist zu ihrem größten Risiko geworden

Die großen Tech-Konzerne kontrollieren das Internet. In den USA und China wollen die Regulierer darum ihre Macht brechen. Sogar eine Zerschlagung droht.
06.01.2021 - 12:37 Uhr Kommentieren
Bei der Vorstellung der Gesetzesinitiative zum Digital Services Act in Brüssel fordert ein als Facebook-Chef maskierter Aktivist von Avaaz: „Reguliere mich!“ Quelle: AFP
Aktivist mit Mark-Zuckerberg-Maske

Bei der Vorstellung der Gesetzesinitiative zum Digital Services Act in Brüssel fordert ein als Facebook-Chef maskierter Aktivist von Avaaz: „Reguliere mich!“

(Foto: AFP)

Düsseldorf Während Corona manche Branche 2020 lahmlegte, brachte die Pandemie den Technologiekonzernen den größten Ansturm ihrer Geschichte ein. Und der Boom ist nicht vorbei. Selbst wenn Impfstoffe bald schrittweise das vorpandemische Leben wieder ermöglichen: Das Virus dürfte die Gewohnheiten vieler Menschen verändert und die Macht der Tech-Riesen auf lange Zeit gefestigt haben.

Der Einfluss der Internetkonzerne aus den USA und China ist so groß geworden, dass sie sogar steuern können, welche Unternehmen wann und wie gut aus der Krise kommen. Auf ihren Plattformen dirigieren sie Konsumentenströme. Sie entscheiden, welche Produkte Millionen Onlineshopper sehen – und bestimmen den Preis für die besten Schaufensterplätze des Internets. Trotz Krise stiegen die Aktienkurse der US-Tech-Firmen allein im vergangenen Jahr um 42 Prozent.

Gleichwohl ist die Übermacht zum größten Risiko der Tech-Konzerne geworden. Nach zwei Jahrzehnten ihres ungehinderten Aufstiegs haben Regulierer weltweit die damit verbundene Bedrohung erkannt. Corona zeigt es wie unter einem Brennglas: Menschen, Unternehmen, sogar Staaten sind auf die Tech-Konzerne angewiesen.

In den vergangenen Jahren sind die Konzerne selbst bei Missbrauch der Marktmacht noch mit Bußgeldern davongekommen. Viel zu billig: Die Strafen haben als Denkzettel nicht gewirkt. Doch das wird sich 2021 ändern. Treibende Kräfte sind nun ausgerechnet die Regulierer in den USA und in China, den Heimatstaaten von „Big Tech“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In Washington tritt Joe Biden als neuer Präsident an, der im ungehemmten Wachstum von Giganten wie Amazon, Facebook oder Alphabet eine Gefahr für den Wettbewerb und vor allem für den Verbraucherschutz sieht. Kunden haben nämlich oft keine Wahl, wenn es um die Preisgabe ihrer Daten geht.

    Auch China ändert gerade seinen Umgang mit den eigenen Tech-Riesen Alibaba, Tencent, Baidu und Huawei. Peking hatte bisher immer nur ausländische Firmen vom Markt ferngehalten, den eigenen Unternehmen aber viele Freiheiten gelassen – bis Alibaba-Gründer Jack Ma im Herbst offen die Regierung kritisierte. Kurz darauf sagten die Behörden den Börsengang von Alibabas Finanzarm Ant im letzten Moment ab. Und jetzt knöpfen sie sich weitere Unternehmen vor.

    Big Tech und die Corona-Pandemie

    Man kann es paradox nennen, aber auch folgerichtig, dass die Regierungen ausgerechnet jetzt gegen die schier übermächtigen Konzerne vorgehen: Mit den Kontaktbeschränkungen haben die Behörden einerseits weltweit die Konsumenten erst raus aus Kinos und Einkaufszentren und hin zu Apple und Facebooks Instagram getrieben, wo sie Filme streamen und Mode aus sicherer Entfernung shoppen können. Die bekannten Onlineplattformen waren erste Anlaufstellen bei Bedürfnissen nach sozialer Nähe, Lebensmitteln und Weihnachtseinkäufen.

    Trotz neuer Abhängigkeit lernte so mancher die Annehmlichkeiten der Dienste schätzen – und wird sich nach der Umgewöhnung künftig kaum mehr bei jedem Wetter ins Innenstadtgedränge stürzen.

    Andererseits sind da die vielen anderen Unternehmen. Wer auf den Riesenplattformen nicht zu finden war, war von einem Tag auf den anderen praktisch nicht mehr da und hatte keine Existenzgrundlage mehr.

    Aber dabei sein ist in diesen Zeiten auch nicht mehr alles, die Macht der Konzerne geht viel weiter. Amazon entscheidet, welche Produkte Kunden als Erstes sehen. Apple kontrolliert, welche Medien prominent im App-Store stehen und welche Gebühren Anbieter abdrücken müssen. Google und Facebook bestimmen den Preis für Onlinewerbung und können den Wettbewerb mit Gutscheinen manipulieren. Alibaba und Tencent geben ihren Nutzern von vornherein fast ausschließlich Zugang zu ihren Partnerunternehmen.

    Man könnte das Jahr 2020 auch als Neuauflage des Feudalismus bezeichnen, in dem die Lehnsherren ihre Plattformen zwar zur Nutzung bereitstellen, aber nach eigenem Ermessen abkassieren. Die Bundesregierung musste Anfang des Jahres sogar feststellen, dass sie bei der Entwicklung einer funktionierenden App zur Verfolgung von Corona-Infektionen auf Google und Apple angewiesen war – und sich von ihnen die Bedingungen diktieren lassen musste. Doch was soll sich nun 2021 ändern?

    Einschnitte in den USA

    Der scheidende US-Präsident Donald Trump hat den Tech-Riesen oft gedroht. Am Ende ging es ihm dabei vor allem um die Reichweite seiner oft falschen Behauptungen in den digitalen Netzwerken. Sein Nachfolger Joe Biden verfolgt ein anderes Kalkül. „Ich war nie ein großer Zuckerberg-Fan“, hatte er schon zu Beginn des Wahljahres in der „New York Times“ kundgetan. „Ich glaube, er ist ein echtes Problem.“

    Nun könnte Biden zum Problem für Zuckerberg werden, insbesondere, weil er den Paragrafen 230 im Telekommunikationsgesetz abschaffen will. Dabei geht es um den berühmten Gesetzestext, der die Internetplattformen aus der Verantwortung für Nutzerbeiträge entlässt. Das hat ihren rasanten Aufstieg erst ermöglicht.

    Grafik

    Auch kartellrechtlich könnte Biden die Macht der Tech-Konzerne beschneiden. Ende 2020 hat die US-Regierung zusammen mit zahlreichen Bundesstaaten Klagen gegen Google und Facebook wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht eingereicht. Im Fall von Facebook steht sogar die Forderung nach Zerschlagung im Raum. Es ist davon auszugehen, dass die Biden-Regierung daran festhält, auch eine Ausweitung wäre noch möglich.

    Zudem stehen Steuererhöhungen für das Silicon Valley zur Debatte. Doch Bidens Pläne und Ambitionen in Bezug auf Big Tech sind noch weitgehend unklar. Das liegt auch an der Corona-Pandemie, die ihm viel Aufmerksamkeit abverlangen wird. Und von seiner Vizepräsidentin Kamala Harris heißt es, sie hätte schon als Generalstaatsanwältin in Kalifornien bei wettbewerbswidrigen Übernahmen der Silicon-Valley-Unternehmen ein Auge zugedrückt.

    Peking greift durch – Zerschlagung diskutiert

    In China gehen mächtige Behörden bereits gegen die großen Technologiefirmen vor. Eigentlich hatte Alibaba im November im Rahmen des weltgrößten IPO seinen Finanzarm, die Ant-Gruppe, an die Börse bringen wollen. Doch der Prozess wurde gestoppt. Vertreter der Zentralbank, der Regulierungsbehörde für Banken und Versicherungen CBIRC, der Wertpapieraufsicht CSRS sowie des staatlichen chinesischen Devisenamts nehmen die Zahlungsplattform nun gemeinsam unter die Lupe.

    „Die gesetzlichen Compliance-Anforderungen werden verachtet“, sagte der stellvertretende Zentralbankvorsitzende Pan Gongsheng zum Jahreswechsel. Zudem missbrauche das Unternehmen seine Marktmacht und schade so Wettbewerb und Verbrauchern. „Die Ant-Gruppe muss die Schwere und Notwendigkeit der Berichtigung vollständig erkennen“, sagte Pan. In Finanzkreisen wird bereits über die Zerschlagung oder eine Verstaatlichung der Zahlungsplattform spekuliert.

    Auch Mutterkonzern Alibaba und Chinas zweitgrößter Tech-Konzern Tencent wurden jüngst mit Auflagen bedacht. Nach Meinung von Zhang Zihua, Chefinvestor beim Pekinger Vermögensverwalter Yunyi Asset, sollten sie sich trotz eines sofortigen Entgegenkommens auf weitere Forderungen einstellen: Noch nicht mal die Höhe möglicher Strafen sei kommuniziert worden.

    Grafik

    Die weitreichende Macht von Alibaba und Tencent über andere Unternehmen lässt sich am Beispiel Galanz zeigen. Der weltgrößte Mikrowellenhersteller hatte über Jahre Geräte über die Alibaba-Plattform vertrieben. Als er zusätzlich mit Tencent kooperierte, brachen die Alibaba-Umsätze allerdings ein. Kein Einzelfall: Auch andere Firmen werfen Alibaba vor, sie für die Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten abzustrafen.

    Die Frage ist, warum die chinesische Staatsführung um Staats- und Parteichef Xi Jinping erst jetzt eingreift. Zwar dürfte es auch um den Wettbewerb gehen. Andere Motive sind aber wahrscheinlicher: Unternehmen sollen sich den Zielen des „Sozialismus mit chinesischen Eigenschaften“ unterordnen und ihre Leistungen in den Dienst am Staat stellen, hatte die Parteiführung den Unternehmen im Land im September mit neuen Richtlinien verordnet.

    Als Jack Ma in einer Rede die Regierung kritisierte, hat er offenbar eine rote Linie überschritten (Transkript auf Englisch bei Apple Daily). Ein aufmüpfiger Milliardär passt nicht ins Bild.

    Europa zögert bei Regulierung

    Europa gilt beim Daten- und Verbraucherschutz zwar als Vorreiter. Trotzdem hat die EU-Kommission manche mit ihren im Dezember präsentierten Regulierungsplänen enttäuscht. Viel spricht dafür, dass die EU den Ruf ihres freien Marktes nicht mit protektionistischen Regeln für ausländische Tech-Riesen gefährden will – und eigene hat sie nicht.

    Für Unverständnis sorgte auch die Genehmigung von Googles Fitbit-Übernahme. Zwar haben die Wettbewerbshüter Google auferlegt, Daten des Fitnesstracking-Spezialisten nicht zur Optimierung des Anzeigengeschäfts zu verwenden. Aber die Erfahrung mit Technologiekonzernen zeigt, dass solche Auflagen gebrochen werden können: So geschehen bei Facebooks Zukäufen von Instagram und WhatsApp.

    Erwartungen, die Kommission würde die Zerschlagung der Riesenkonzerne forcieren, wies Vizepräsidentin und Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager zurück: „Dazu müssten wir nachweisen, dass das die einzige Möglichkeit wäre, um ein Wettbewerbsproblem zu lösen“, sagte Vestager. „Ich glaube nicht, dass wir so weit sind.“

    Zumindest im Westen werden Zerschlagungen 2021 vorerst ein Drohszenario bleiben. Die Frage ist, wie weit die Tech-Unternehmen die Regulierer von Brüssel bis Washington noch provozieren werden – und ob dieses das letzte der fetten Jahre für die Technologiekonzerne wird.

    Mehr: Mitarbeiter von Google wollen sich in Gewerkschaft organisieren

    Startseite
    Mehr zu: Facebook, Google und Alibaba - Die Übermacht der Tech-Giganten ist zu ihrem größten Risiko geworden
    0 Kommentare zu "Facebook, Google und Alibaba: Die Übermacht der Tech-Giganten ist zu ihrem größten Risiko geworden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%