Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fahndungs-Software Patternizr New Yorker Polizei setzt auf Algorithmus zur Verbrecherjagd

Mit einer eigens entwickelten Software geht New Yorks Polizei auf Verbrecherjagd. „Patternizr“ sucht nach Tatmustern, schnell und über alle Reviergrenzen hinaus.
Kommentieren
Eine neue Software soll den Sicherheitskräften der US-Metropole bei der Jagd auf Verbrecher helfen. Quelle: dpa
Polizeibeamte in New York

Eine neue Software soll den Sicherheitskräften der US-Metropole bei der Jagd auf Verbrecher helfen.

(Foto: dpa)

New YorkDie Tatwaffe war eine Spritze, der Tatort ein Baumarkt, die Beute eine Bohrmaschine. Als der Dieb im „Home Depot“ nahe dem New Yorker Yankee-Stadium zuschlug, fand die Polizei schnell heraus, dass er nicht zum ersten Mal derart unterwegs war: Dank einer neuen, in Eigenarbeit entwickelten Computer-Software, die Verbrechensmuster und möglichst auch die zugehörigen Täter ausfindig macht.

Per Tastendruck war bald klar: Ein paar Wochen früher gab es einen ebensolchen Überfall schon einmal weiter südlich in Manhattan – in einem ganz anderen Polizeirevier der Millionenstadt, dessen Akten den Ermittlern ohne die neue Software nicht so leicht zugänglich gewesen wären.

„Patternizr“ heißt das Mustererkennungsprogramm, das nun den Polizisten in allen 77 Revieren New Yorks zur Verfügung steht und hilft, bei Diebstahl und Raub Hunderttausende Fälle aus der ganzen Stadt zum Vergleich heranzuziehen. Die Suche nach einem roten Faden ist vom aufwendigen Akten-Blättern zu einer Knopfdruck-Sache geworden.

Weil „Patternizr“ mit seinem Algorithmus entscheidende Details herausgepickt habe, seien ihr auch Anzeigen aus anderen Revieren bekannt geworden, auf die sie sonst nicht gestoßen wäre, sagt Rebecca Shutt. „Das war extrem hilfreich“, erklärt die Verbrechensanalystin aus dem Stadtteil Bronx, die mit dem Baumarkt-Fall befasst war.

Die Software zeigte noch zwei weitere Diebstähle nach demselben Muster an. Das führte die Ermittler schließlich zum Täter, der inzwischen gestanden hat.

Das Programm ist eine Eigenproduktion des New York Police Departments (NYPD). Zwei Jahre lang arbeiteten die Datenanalysten Evan Levine und Alex Chohlas-Wood an der Software, bevor sie sie im Dezember 2016 einführten.

Dass „Patternizr“ seither im Einsatz ist, gab die New Yorker Polizei aber erst jetzt bekannt: Im Fachmagazin „INFORMS Journal on Applied Analytics“ stellten die beiden Entwickler ihre Schöpfung vor – und luden Kollegen aus dem ganzen Land zur Nachahmung ein.

68.000 Delikte pro Jahr

„Patternizr zielt natürlich darauf, die öffentliche Sicherheit zu verbessern“, sagt Levine. „Je leichter wir Muster in Verbrechen erkennen können, desto schneller können wir Täter identifizieren und fassen.“

Inspirieren ließen sich die beiden Polizisten von einem Forschungsprojekt der New York University, das einem ähnlichen Ansatz zur Mustererkennung nachging, aber letztlich keine einsatzbereite Software produzierte. Levine und Chohlas-Wood fütterten ihr Programm dann mit Mustern, die Kollegen in zehn Jahren Polizeiarbeit mühevoll identifiziert hatten.

Sie griffen in ihrer Entwicklungsarbeit aber nicht nur auf unzählige Akten zurück. Die Polizisten suchten auch die uniformierten Ermittlerkollegen direkt auf, um von deren Erfahrungen aus Jahrzehnten akribischer Analyse zu lernen.

In der Vergangenheit stützten sich die New Yorker Polizisten vor allem auf die Akten und Dateien zu Verbrechen in ihren Revieren. Muster in anderen Teilen der Stadt zu finden war schwierig, wenn nicht unmöglich. „Es war wirklich ineffizient“, sagt Levine. „Das war keine moderne Vorgehensweise.“

Wie die Ermittler aus Fleisch und Blut registriert und vergleicht die Software nun alle möglichen Bestandteile der Verbrechen, allerdings in Windeseile: Wie verschafft sich der Täter Zutritt? Was wird gestohlen? In welcher Entfernung liegen die Tatorte? Um mögliche rassistische Verzerrungen zu vermeiden, schließt „Patternizr“ die ethnische Abstammung in den Täterprofilen nicht mit ein.

„Der große Vorteil unseres Tools ist, dass wir die ganze Lauferei und Sucherei von Analysten oder Detektive minimieren“, erklärt Chohlas-Wood, der inzwischen an der Stanford University forscht. „Patternizr“ ermögliche den Ermittlern, ihre Erfahrungen und Expertise gezielter einzusetzen: Sie müssen nicht mehr Seite für Seite nach Ähnlichkeiten und Mustern durchforsten, sondern können sich intensiv den Treffern von „Patternizr“ widmen.

Die Kosten des Projekts blieben überschaubar, wie das NYPD versichert: Schließlich waren die beiden Entwickler bereits im Team und es mussten keine teuren Experten von außen eingekauft werden.

Trotz fallender Kriminalitätsrate verzeichnete New York im vergangenen Jahr noch immer mehr als 68.000 Diebstähle und Raubdelikte, die Zielgruppe von „Patternizr“. Bei Verbrechen wie Tötungsdelikten oder Vergewaltigungen greifen die Polizisten bei der Suche nach Mustern weiter auf ihre traditionellen Techniken zurück.

  • ap
Startseite

0 Kommentare zu "Fahndungs-Software Patternizr: New Yorker Polizei setzt auf Algorithmus zur Verbrecherjagd"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.