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Fahrdienstvermittler Uber mit hohem Verlust – Aktie bricht nachbörslich ein

Der Fahrdienstvermittler konnte die Wall Street kaum überzeugen. Die Zahlen zeigen: Die Probleme sind noch nicht beseitigt. Am Mittwoch droht neues Ungemach.
Update: 05.11.2019 - 02:13 Uhr Kommentieren
Uber mit hohem Verlust – Aktie bricht nachbörslich ein Quelle: AP
Quartalszahlen Uber

Das Logo des Fahrdienstvermittlers bei der New Yorker Börse: Das Unternehmen übertrifft Erwartungen, aber fährt Verluste ein.

(Foto: AP)

San Francisco Ein Umsatzanstieg um 30 Prozent auf 3,81 Milliarden Dollar, aber auch einen gestiegenen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar: Der Fahrdienstvermittler Uber hat sich sein Wachstum im dritten Quartal teuer erkauft. Bei Anlegern kamen die Zahlen nicht gut an, die Aktie fiel nachbörslich um bis zu fünf Prozent.

Uber-Vorstandschef Dara Khosrowshahi zeichnete in einem TV-Interview jedoch weiter ein positives Bild und überraschte mit einer Ankündigung: Er erwarte für 2021 einen Gewinn auf der Basis der „bereinigten Ebitda-Zahlen“, erklärte er auf CNBC, also beim Gewinn vor Steuern und Zinsen.

Uber hob mit den Quartalsergebnissen die Erwartungen für das gesamte Jahr an und stellte, wieder auf Basis des bereinigten Ebitda, eine Verringerung des Verlustes um 250 Millionen Dollar auf nun minus 2,8 bis 2,9 Milliarden Dollar in Aussicht.

Die Ankündigung von Uber-Chef Khosrowshahi könnte einen handfesten Grund haben: Am Mittwoch läuft eine Lock-Up-Frist aus und rund 1,5 Milliarden zusätzliche Aktien aus Altbeständen werden für den Börsenhandel freigegeben. Laut IPO-Spezialist Renaissance Capital ist es das größte Aktienpaket an der Wall Street seit dem Börsengang von Alibaba, als nach einem IPO 1,6 Milliarden Aktien auf einen Schlag zusätzlich in den Börsenhandel gingen.

Bislang mussten die Besitzer dieser Uber-Aktien tatenlos warten. Lock-Up-Fristen für bestimmte frühe Aktionärsgruppen wie Risikokapitalgeber oder Angestellte sind normal am US-Aktienmarkt. Niemand kann vorhersagen, was passiert, wenn sie auslaufen. Sind die Prognosen optimistisch, werden die Aktien oft schnell vom Markt aufgenommen. Ist eine Aktie aber im Abwärtstrend oder sogar besonders stark gestiegen, drohen dagegen große Verluste auf dem Parkett.

Uber Eats könnte zur Zeitbombe werden

Zuletzt musste Börsenstar Beyond Meat einen Einbruch von gut 20 Prozent trotz guter Quartalszahlen verkraften, als eine Haltefrist auslief. Zu viele Altaktionäre wollten ihre verbliebenen Gewinne erst einmal sichern, nachdem die Aktie schon mehr als 40 Prozent von ihrem Spitzenwert eingebüßt hatte.

Vor diesem Hintergrund bekommen die Zahlen zum abgelaufenen Quartal von Uber besondere Brisanz. Sie müssen neuen Optimismus bei Investoren und Analysten auslösen, sie müssen Gründe liefern, ruhig zu bleiben und auf bessere Tage zu hoffen.

Zu einem langfristigen Problem für Uber könnte Uber Eats werden, der derzeitige Wachstumsstar des Unternehmens. Uber Eats liefert Kunden fertiges Essen ins Haus und bekommt dafür von den Restaurants einen Teil des Umsatzes. Das deckt aber nicht die Kosten, so dass Uber aus eigener Tasche draufzahlt, um seine Fahrer zu halten.

Die Hoffnung ist, dass mit zunehmender Beliebtheit solcher Dienste die Lieferpreise langsam auf ein lukratives Niveau angehoben werden. Doch die Quartalsergebnisse des Branchenriesen Grubhub Ende Oktober versetzten die Branche in eine Schockstarre. Nach einem viel schlechter als erwarteten Ergebnis und einer gesenkten Prognose für das laufende Vierteljahr implodierte die Aktie regelrecht um mehr als 40 Prozent an einem Tag.

Konkurrenten wie Uber Eats oder Doordash nehmen Grubhub immer mehr Marktanteile ab. Allerdings überbieten sich alle Wettbewerber dafür gegenseitig mit Subventionen. Das Fintech Square hat gerade erst seinen Restaurantlieferdienst Caviar verkauft, weil man sich in dem extrem umkämpften Markt nicht weiter engagieren will.

Bei Uber liest sich das in Zahlen so: Einem imposanten Umsatzanstieg bei Eats übers Jahr um 64 Prozent auf 645 Millionen Dollar steht ein ebenso imposanter Verlustanstieg um 67 Prozent auf Minus 316 Millionen Dollar bereinigtes Ebitda gegenüber. Der Kampf der Konkurrenten um die immer gleichen Kunden frisst immer mehr Geld.

Fahrdienst profitiert von Burgfrieden mit Lyft

Um 52 Prozent gestiegen ist der Gewinn allerdings beim Kernsegment der Fahrdienste. Das Ebitda-Plus liegt nun bei 631 Millionen Dollar, ein Zuwachs von 52 Prozent und das achte Gewinnquartal in Folge. Hier macht sich eine Art Burgfrieden mit dem großen Konkurrenten Lyft bemerkbar. Beide Unternehmen hatten Anfang des Jahres angekündigt, mehr über Qualität und Service als über Preise konkurrieren zu wollen. Mit anderen Worten: Beide Anbieter verringerten deutlich ihre teilweisen absurden Rabattangebote, mit denen sie sich lange gegenseitig unterboten hatten.

Lyft hatte zuvor bei der Vorlage der Quartalszahlen positiv überrascht und ebenfalls das Erreichen der Gewinnzone (nach Ebitda) für Ende 2021 angekündigt. Der Umsatzanstieg mit 63 Prozent war sogar doppelt so stark wie jetzt bei Uber. Allerdings ist Lyft nicht so international aufgestellt und fokussiert sich auf das Ridesharing als Kerngeschäft, Uber dagegen hat neben Rides, noch Eats und Freight, das jüngste Projekt, ein Auslieferungsdienst für Unternehmen.

Was die Gewinnerwartungen angeht, sind Analysten für beide Unternehmen noch zurückhaltend. In Kalifornien ist jetzt ein Gesetz verabschiedet worden, nachdem viele Arbeiter in der sogenannten „Gig Economy“ – Arbeiter, die von Auftrag zu Auftrag leben und „selbstständige Unternehmer“ sind – per Gesetz in Angestellte umgewandelt werden. Das ist etwa der Fall, wenn ihnen ihre Unternehmen unter anderem Arbeitszeiten vorschreiben und die Annahme von Aufträgen vorschreiben können.

Das Gesetz tritt Anfang 2020 in Kraft und könnte die „Gig Economy“, zu der Lyft, Uber, aber auch Lieferdienste wie Doordash oder Grubhub gerechnet werden, dramatisch ändern. Die Angestellten hätten dann zum Beispiel das Recht auf einen gesetzlichen Mindestlohn und Bezahlung im Krankheitsfall.

Dagegen wehren sich die Unternehmen jetzt mit einer 90 Millionen Dollar teuren Kampagne, mit der sie die Gesetzgebung wieder zu Fall bringen wollen. Ausgang ungewiss.

Mehr: Manik Gupta ist weltweiter Produkt-Vorstand beim Fahrdienst Uber. Von San Francisco aus erdenkt der Inder die Zukunft der Mobilität – mit vielen neuen Ideen.

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