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Fernsehen Videotext: Der diskrete Charme der 80er

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Was also macht angesichts langer Wartezeiten und Klötzchengrafik den anhaltenden Erfolg von Videotext aus? Allein den Dienst der ARD schalteten im Jahr 2008 nach eigenen Angaben pro Tag 5,7 Millionen Nutzer ein. Die Antwort liegt wohl in der Mischung aus bequemer Verfügbarkeit und vielfältigem Inhalt des Mediums. Zunächst einmal genügt nämlich ein einziger Knopfdruck beim Fernsehgucken, um Zugriff auf die „100“, die Start- und Übersichtsseite von Videotext, zu bekommen. Von dort führen immer die gleichen Zahlen zu den wichtigsten und beliebtesten Meldungen des täglichen Lebens: In den 200er-Seiten sind zum Beispiel die Sportnachrichten zu finden, in den 300er Seiten das TV-Programm. Und die wichtigsten Schlagzeilen werden schon auf der Übersichtsseite angezeigt.

Im Videotext-Programm der Privaten finden sich zudem Klatschnachrichten und Verbrauchertipps, für die im laufenden Fernsehprogramm kein Platz mehr gewesen ist. Und natürlich darf auch das Thema Erotik nicht fehlen: Reklame für dubiose Telefondienste oder kostenpflichtige „SMS-Chats“ werden ebenfalls per Videotext verbreitet. Übrigens: Bei Wahlprognosen oder dem Liveticker des laufenden Länderspiels ist Videotext erfahrungsgemäß schneller als Online-Dienste wie Twitter & Co. Und so verlassen sich Tag für Tag Millionen von Menschen auf diesen Dienst.

Keine Chance für die Konkurrenz

Versuche, die Abtastlücke des Fernsehens für andere Zwecke zu nutzen, sind zumindest in Deutschland bisher relativ erfolglos geblieben. Der Musikdienst „[email protected] MP3“ hat zum Beispiel ab März 2000 für eine Weile per NBC Europe Mp3-Musikdateien verschickt, die man am PC empfangen und anhören konnte. „Channel Videodat“ strahlte Anfang der 90er Jahre auf Pro Sieben und später auf Vox Computerprogramme für MS-DOS aus. Auch diesem Dienst war kein dauerhafter Erfolg beschert, nicht zuletzt wohl wegen der langsamen Übertragungsrate von nur 15 Kilobit pro Sekunde.

Seit 2002 gibt es die „Multimedia Home Platform“, kurz MHP, die auf Java basiert und sowohl interaktive Inhalte als auch einen Rückkanal für Bezahlvorgänge bietet. In Deutschland wurde das Angebot jedoch fast gar nicht angenommen. Die Zahl der Receiver ist kaum erwähnenswert und das Engagement von ARD und ZDF in diesem Bereich wird kontinuierlich zurückgefahren. Lediglich in Italien und Südkorea kann MHP größere Zuwächse vermelden, ebenso in Österreich, wo das Angebot „Multitext“ heißt und erst im Januar 2009 weiter ausgebaut wurde. Hierzulande wird Videotext wohl noch eine ganze Zeit die einfache, schnelle und bequeme Informationsquelle für einen großen Teil der Fernsehzuschauer bleiben.

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