Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Filmbranche Amazon kauft Filmstudio MGM für 8,45 Milliarden Dollar

Amazon macht den Milliarden-Deal offiziell. Mit dem Kauf des Produzenten der James-Bond-Filme will der Online-Händler sein Streaming-Geschäft stärken.
26.05.2021 Update: 26.05.2021 - 17:19 Uhr Kommentieren
Der Versandhändler will 8,45 Milliarden Dollar für das Hollywood-Studio bezahlen. Quelle: Reuters
Amazon und MGM

Der Versandhändler will 8,45 Milliarden Dollar für das Hollywood-Studio bezahlen.

(Foto: Reuters)

New York, Düsseldorf Amazon hat die Übernahme des Filmstudios MGM offiziell angekündigt. Der Online-Konzern will 8,45 Milliarden Dollar für das Hollywood-Studio bezahlen, das unter anderem James-Bond-Filme produziert. Damit will der Konzern sein Streaming-Angebot für Prime-Kunden stärken.

Für den Konzern aus Seattle ist es die größte Übernahme seit dem Kauf der Supermarktkette Whole Foods, für die Amazon vor vier Jahren 13,7 Milliarden Dollar hingelegt hat. Für Hollywood ist es der größte Einstieg eines Technologie-Konzerns.

Dem 1924 gegründeten Hollywood-Studio gehört unter anderem die gesamte James-Bond-Filmbibliothek, darüber hinaus die Rechte an „Rocky“ und „Pink Panther“. Zudem betreibt MGM den Kabelkanal Epix und produziert bekannte Fernsehserien wie „The Handmaid’s Tale“, „Fargo“ und „Vikings“.

„Der wahre finanzielle Wert hinter dem Deal liegt in dem Schatz an geistigem Eigentum in dem großen Katalog, den wir zusammen mit dem talentiertem Team von MGM neu denken wollen“, teilte Mike Hopkins mit, Senior Vice President von Prime Video und Amazon Studios. „Es ist sehr aufregend und bietet so viele Möglichkeiten, Geschichten mit hoher Qualität zu erzählen“, erklärte er.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Bank-of-America-Analyst Justin Post begrüßt den Deal, weil dadurch das Angebot des Prime-Katalogs erweitert wird. Der Preis für MGM liege zwar über der Summe, über die zuvor am privaten Markt spekuliert worden sei. Aber der Aufpreis könne durchaus gerechtfertigt sein, da ansonsten das Risiko bestünde, „in einem sich konsolidierenden Sektor nicht unter den fünf Top-Streaming-Plattformen zu sein“ hatte Post schon vor der offiziellen Bekanntgabe argumentiert.

    MGM ist bisher eines der wenigen unabhängigen Hollywood-Studios. Der Konkurrent Warner Bros. gehört noch zum Telekommunikations- und Medienunternehmen AT&T, Fox zum Unterhaltungskonzern Disney, Universal zum Kabelanbieter Comcast und Paramount zum Medienkonzern Viacom CBS. Größter Aktionär von MGM ist der Hedgefonds Anchorage Capital, der nach der Finanzkrise ab 2010 in die strauchelnden MGM-Studios investierte.

    Bereits im Dezember hatte MGM die Investmentbanken LionTree und Morgan Stanley mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Die Entscheidung war gefallen, nachdem das Studio noch im Jahr 2018 den damaligen CEO Gary Barber gefeuert hatte, weil der mit Apple über einen möglichen Verkauf für sechs Milliarden Dollar gesprochen hatte. Seitdem hatte MGM keinen einzelnen Vorstandsvorsitzenden mehr, sondern nur ein „Office of the CEO“ mit verschiedenen Top-Managern. Chairman ist Kevin Ulrich, Mitgründer von Anchorage Capital.

    US-Medienlandschaft in Aufruhr

    Die Branche bewertet den Deal positiv: „Amazon unterstreicht mit dem Deal klar die Bedeutung von Prime für die Unternehmensstrategie“, sagte Christof Bischofberger, Medienexperte der Strategieberatung Arthur D. Little. Der Konzern habe die Finanzkraft und nun auch das Kreativpotential, um eine dominierende Rolle im Streamingmarkt zu spielen.

    „Elementarer Bestandteil der Strategie von Amazon ist es, sich prominente und bekannte Entertainmentmarken zu sichern, um die Strahlkraft des eigenen Services zu erhöhen“, sagte der Medienexperte weiter. Amazon werde aber nicht umhin kommen, die Marken weiter auszubauen und neue Inhalte zu liefern.

    US-Börsenexperte Koch: „Amazon kann den Preis von MGM problemlos verkraften“

    Die Übernahme fällt in eine Zeit, in der die US-Medienlandschaft in Aufruhr ist. Vergangene Woche hatte AT&T bekanntgegeben, dass es sein erst vor drei Jahren übernommenes Mediengeschäft von Time Warner mit Discovery zusammenlegt. Diese Entwicklung ist ein deutlicher Beleg für die hohe Dynamik im Markt für Streaming-Dienste. Neben dem Pionier und Marktführer Netflix versuchen immer mehr Unternehmen, ihre Marktanteile zu vergrößern.

    Die entscheidende Kennziffer lautet Reichweite. Pionier Netflix kommt inzwischen auf 207 Millionen Abonnenten und Disney Plus, erst 2020 gestartet, auf bereits mehr als 100 Millionen Nutzer. Das neue fusionierte Angebot von AT&T und Discovery kann durchaus mithalten: HBO und HBO Max, beides Marken von AT&T, kommen zusammen weltweit auf 63,9 Millionen Kunden und Discovery erreicht 88,3 Millionen Haushalte in den USA. Allein Amazon weist keine konkreten Nutzerzahlen aus.

    „Konsolidierung zwischen traditionellen Filmproduzenten und den globalen Streaming-Giganten ist bei den immensen Original-Content-Budgets etwas ganz Natürliches“, sagte Medienexperte Bischofberger. „Weitere Konsolidierungsschritte können folgen, um noch mehr Kreativpotential zu sichern.“

    Kartellwächter nehmen Amazon ins Visier

    Amazon hat zuletzt sein Medien-Angebot auch mit einem Sport-Deal ausgebaut. In den kommenden Jahren wird Amazon Prime die wichtigen Spiele der amerikanischen Football-Liga NFL am Donnerstagabend übertragen. Dafür zahlt Amazon laut Medienberichten eine Milliarde Dollar jährlich. Das Abkommen ist Teil eines größeren Deals, bei dem sich verschiedene Medienhäuser die Übertragung der Spiele aufteilen.

    Der MGM-Deal kommt nur einen Tag, nachdem die Staatsanwaltschaft der US-Hauptstadt Washington Klage gegen Amazon eingereicht hat. In der Klage geht es um das Geschäft von Amazon als Online-Händler. Der Vorwurf der Staatsanwälte: Der Konzern verbiete es unabhängigen Händlern, die über Amazon Waren verkaufen, auf anderen Plattformen bessere Konditionen anzubieten. Damit nutze Jeff Bezos’ Konzern seine Marktmacht aus und treibe die Preise, was schlecht für den Wettbewerb und die Verbraucher sei, so die Argumentation.

    Grafik

    Die Klage zeigt, dass es für die Tech-Konzerne enger wird und dass sie die Kartellrechtler auf den Fersen haben. Auf das Mediengeschäft von Amazon dürfte das allerdings kaum Einfluss haben. Dort ist der Konzern im Vergleich zu Größen wie Disney oder Time Warner/Discovery noch relativ klein. Auch das margenträchtige Cloud-Geschäft der Amazon-Tochter AWS betrifft die Klage nicht. AWS trug im vergangenen Jahr mit 13,5 Milliarden Dollar fast zwei Drittel zum operativen Gewinn des Konzerns bei. 

    Mehr: Bieterprozess um Auslandsrechte der Bundesliga gestoppt

    Startseite
    Mehr zu: Filmbranche - Amazon kauft Filmstudio MGM für 8,45 Milliarden Dollar
    0 Kommentare zu "Filmbranche: Amazon kauft Filmstudio MGM für 8,45 Milliarden Dollar"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%