Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Finanzierungsprobleme So steht es um die Überlebenschancen deutscher Start-ups in der Coronakrise

Dataguard hat trotz Krise über 20 Millionen US-Dollar eingesammelt und könnte nun als Profiteur daraus hervorgehen. Für andere Start-ups wird es eng.
25.03.2020 - 10:36 Uhr Kommentieren
In der Coronakrise leeren sich die Kassen vieler Start-ups schneller als geplant. Das bringt sie in eine schwächere Position in Verhandlungen mit Investoren. Quelle: imago images/Cavan Images
Neue Verhandlungssituation

In der Coronakrise leeren sich die Kassen vieler Start-ups schneller als geplant. Das bringt sie in eine schwächere Position in Verhandlungen mit Investoren.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Düsseldorf Bis zur Unterzeichnung beim Notar haben die Dataguard-Gründer um ihre Finanzierung gebangt: „Unsere Investoren haben ständig die Börsenkurse und ihre E-Mails gecheckt“, berichtet Mitgründer Thomas Regier von den dramatischen Stunden, bis der Londoner Wachstumsfonds One Peak Partners die erste Finanzierungsrunde unterschrieb. Wäre der Deal wegen der Coronakrise geplatzt, hätte das die Entwicklung des Datenschutz-Start-ups gefährdet.

„Es war der schlechteste Aktientag in London seit 1987“, sagt Regier. Bis zuletzt habe er die Sorge nicht wegschieben können, dass die Börsenturbulenzen bitte Folgen für sein Unternehmen haben könnten. Doch die Geldgeber hielten ihr Wort.

Mit der Finanzierungsrunde hat Dataguard nun den Sprung von der Liste der bedrohten Start-ups in die der sichersten Jungunternehmen in der Coronakrise vollbracht. Denn in Zeiten wie diesen entscheidet der Zeitpunkt der letzten Finanzierungsrunde oftmals über die Überlebenschancen und Entwicklungsmöglichkeiten junger Firmen.

Zwar schaffen es manche Start-ups allein wegen ihres Geschäftsmodells durch die Krise. Doch das Coronavirus bedroht nun selbst die Existenz von Jungunternehmen, die vor der Krise die besten Zukunftsaussichten hatten. So hätte es ohne den Deal auch Dataguard von Regier und seinem Mitgründer Kivanc Semen ergehen können.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Über 20 Millionen US-Dollar (18,5 Millionen Euro) haben sie von One Peak Partners eingesammelt – Geld, das sie bis vor Kurzem gar nicht unbedingt gebraucht hätten. Ihr Start-up bietet Datenschutzkonformität im Abomodell und wuchs bis vor wenigen Wochen aus eigener Kraft.

    Aufgrund der positiven Entwicklungen entschieden sich die Gründer Ende des vergangenen Jahres, Investoren in das Start-up zu holen, um noch schneller zu wachsen und mehr Produkte anbieten zu können. Sie hatten sogar die Wahl: Im Dezember lagen ihnen laut Regier fünf Angebote von Investoren vor.

    Im Bewusstsein der anstehenden Finanzierungsrunde seien sie dann mehr ins Minus gegangen. Was sollte noch schiefgehen? Doch nach Ausbruch der Krise stellte sich schließlich heraus, dass sie ein größeres Risiko eingegangen waren, als sie zuvor angenommen hatten.

    Die Befürchtung der Gründer bis zum Abschluss des Deals: „Wenn die Runde nicht durchgeht und die Coronakrise trifft unsere Kunden, könnten wir ins Wanken geraten.“

    Erfolgschancen und Risikobereitschaft hängen in der Start-up-Wirtschaft eng miteinander zusammen. Auch deshalb trifft die Krise die Szene hart. Beim Präsidenten des Start-up-Verbands, Christian Miele, klingelt fast pausenlos das Telefon, berichtet er. Gründer wissen nicht mehr weiter, fragen um Rat und suchen Hilfe.

    Bisher vorgeschlagene Fördermaßnahmen gingen an den Bedürfnissen von Start-ups vorbei, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands. Von den KfW-Krediten seien sie ausgeschlossen. Der Verband fordert nun einen Stufenplan, der Start-ups je nach Entwicklungsphase helfen soll.

    Zeitpunkt der jüngsten Finanzierungsrunde ist entscheidend

    Zu unterscheiden sind in der Krise einmal mehr Start-ups, die aus eigener Kraft wachsen, und solche mit Investoren. Gründer, die Geld von Finanzinvestoren aufnehmen, können nun enormes Glück oder Pech mit dem Timing haben. Drei Gruppen lassen sich unterscheiden:

    • Am besten geht es den Start-ups, die kurz vor der Krise noch mal Geld aufgenommen haben. Mit dem frischen Geld auf dem Konto können sie die Krise überbrücken und müssen sich erst in mehr als einem Jahr wieder Sorgen um die Finanzierung machen. Sie profitieren sogar im Wettbewerb mit etablierten Unternehmen, die vom Tagesgeschäft leben.
    • Kritisch ist die Situation für Start-ups, die zwischen zwei Finanzierungsrunden stehen. Wenn ihr Geschäft bei gleichbleibenden Kosten einbricht, brauchen sie schneller als geplant Kapital und müssen unter Druck verhandeln. Das schwächt ihre Position. Im Zweifel werden sie für weniger Geld mehr Anteile abgeben müssen und machen sich stark von den Investoren abhängig.
    • Existenzbedroht sind Start-ups, die akut Geld brauchen, weil Investoren oder Käufer ihr Angebot zurückziehen oder überdenken.

    Die akute Not einiger Start-ups bringt bereits den Start-up-Arbeitsmarkt in Bewegung. In der Szene ist zu hören, dass existenzbedrohte Firmen Mitarbeiter zur Abwerbung empfehlen, um ihre laufenden Kosten zu senken. So kann schnell Geld für Personal eingespart werden. Denn der Kündigungsschutz ist ein Hindernis bei der Bewältigung der Krise. Die finanziell gut aufgestellten Start-ups profitieren davon doppelt.

    Start-ups in Bedrängnis loben Mitarbeiter weg

    „Wir sehen einerseits, dass sich Unternehmen von sehr guten Leuten trennen, weil sie zu teuer sind, und andererseits sehr gute Leute offen sind zu gehen, die vorher nicht wechseln wollten“, sagt David Klein, Mitgründer des Dataguard-Investors One Peak Partners. „Das ist natürlich auch für Dataguard eine Chance.“

    Der Start-up-Verband will den Ausverkauf bei einem Teil der Start-up-Szene vermeiden. Er fordert zinsgünstige Darlehen für besonders junge Start-ups, eine staatliche Beteiligung in Form von Wandeldarlehen, wenn Investoren Geld nachschießen, endfällige Darlehen für reife Start-ups und einen staatlichen Zweitmarkt für Beteiligungen, wenn andere Geldgeber hinter den Wagniskapitalfonds ausfallen.

    Ihr Start-up Dataguard hat zu Beginn der Coronakrise noch ein Investment bekommen. Quelle: Dataguard
    Thomas Regier (links im Bild) und Kivanc Semen

    Ihr Start-up Dataguard hat zu Beginn der Coronakrise noch ein Investment bekommen.

    (Foto: Dataguard)

    Wie gut die Start-ups aus eigener Kraft bestehen können, hängt stark vom Geschäftsmodell ab: Wer Projektgeschäfte für Unternehmenskunden anbietet, hat ebenso schlechte Aussichten wie viele Firmen im Endkundengeschäft.

    So leiden Anbieter von Bezahl-Apps und Mobilitätsdiensten unter der Ausgangssperre. Lieferdienste und Logistiker machen unter Umständen das größte Geschäft seit ihrem Bestehen.

    Die bei vielen Investoren beliebten Anbieter von Software-Abos („Software as a Service“) dürften die Krise gut überstehen oder sogar davon profitieren, wenn sie ihr Versprechen einlösen können, Unternehmen beim Sparen zu helfen. Die Krise könnte die Nachfrage etwa bei Celonis und ScoutBee erhöhen, die digital beim Optimieren von Geschäftsprozessen und der Suche nach den günstigsten Lieferanten helfen.

    Auf einen positiven Corona-Effekt hoffen die Investoren von Dataguard. Regiers Start-up bietet Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Dataguard hilft Unternehmen nachzuvollziehen, wie sie Daten ihrer Kunden verarbeitet haben, an wen sie diese weitergegeben haben und welche vertraglichen Pflichten im Einzelfall gelten.

    Nach der ersten Analyse erfolgt vieles digital. Mit Unterstützung der Investoren sollen künftig auch Schwachstellen bei der Datensicherheit analysiert und behoben werden.

    Das Angebot kommt zum richtigen Zeitpunkt, wenn die Unternehmen noch länger auf dezentrales Arbeiten setzen müssen. „Normalerweise lassen sich Unternehmen dabei von Anwaltskanzleien beraten“, sagt Klein.

    Das sei natürlich viel teurer – und in Krisenzeiten muss noch mehr aufs Geld geachtet werden. Zugleich steigt das Bewusstsein für die Bedeutung von Datenschutz und -sicherheit.

    Und im Kampf gegen Corona ist sogar der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber bereit, beim Datenschutz gewisse Ausnahmeregeln zu akzeptieren, wenn es für den Gesundheitsschutz notwendig ist. Aber das wird nicht von Dauer sein. „Nach der Coronakrise wird es viele Aufräumarbeiten geben, bei denen Dataguard helfen kann“, sagt Klein.

    Mehr: Geldgeber warnen Start-ups vor Finanzklemme: „Alle Augen auf Cash.“

    Startseite
    Mehr zu: Finanzierungsprobleme - So steht es um die Überlebenschancen deutscher Start-ups in der Coronakrise
    0 Kommentare zu "Finanzierungsprobleme: So steht es um die Überlebenschancen deutscher Start-ups in der Coronakrise"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%