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Fintech An der Tanksäule mit der App zahlen: Ölriese BP steigt bei Thinxnet ein

Das digitale Bezahlen an der Zapfsäule setzt sich in Deutschland nur langsam durch. Mit dem Einstieg von BP beim Start-up Thinxnet könnte sich das bald ändern.
07.09.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren
Thinxnet hat die Plattform entwickelt, über die die Nutzer gebührenfrei mit dem Handy oder Entertainmentsystem an den Tankstellen zahlen können.
Ryd Pay

Thinxnet hat die Plattform entwickelt, über die die Nutzer gebührenfrei mit dem Handy oder Entertainmentsystem an den Tankstellen zahlen können.

München Nach dem Tanken gehen die meisten Autofahrer in Deutschland zum Zahlen noch immer an die Kasse im Shop. Es ist zwar seit einiger Zeit technisch möglich, die Rechnung per Handy-App oder mit dem Entertainmentsystem des Autos direkt an der Zapfsäule zu bezahlen, bislang hat sich das aber auf breiter Front noch nicht durchgesetzt.

Das könnte sich jetzt ändern. Der Branchenriese BP steigt mit zehn Millionen Euro bei dem Start-up Thinxnet ein und will europaweit 8500 BP- und Aral-Tankstellen an dessen Plattform Ryd anbinden. „Das bedeutet den Durchbruch für das digitale Bezahlen“, ist Thinxnet-Gründer Oliver Götz überzeugt. „In drei Jahren wird die Hälfte aller Fahrer den Kraftstoff digital vom Autositz aus bezahlen.“

Thinxnet hat die Plattform Ryd Pay entwickelt, über die die Nutzer gebührenfrei mit dem Handy oder Entertainmentsystem an den Tankstellen zahlen können.

Zu den Thinxnet-Gesellschaftern gehören bereits Mercedes und Mastercard. So können Fahrer von neuen Mercedes-Autos bereits heute per Knopfdruck am Entertainmentsystem an 3000 Tankstellen in sieben Ländern bezahlen, die an Ryd angeschlossen sind.

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    Götz hatte das Fintech-Unternehmen bereits 2014 gegründet. Die technologischen Hürden waren damals hoch, zudem gab es Vorbehalte bei Autofahrern und Tankstellenpächtern gegen das digitale Bezahlen direkt vom Auto aus.

    „Der Weg war mühsam“, sagt der Gründer. Für die Kunden sei das System einfach und bequem. Doch sei es für die Entwickler extrem komplex, zahlreiche separate Softwaresysteme zu einem Ökosystem zu verknüpfen. „Das war, ist und bleibt manchmal schweißtreibend, aber dafür lohnen sich die Mühen hinterher umso mehr.“

    „In drei Jahren wird die Hälfte aller Fahrer den Kraftstoff digital vom Autositz aus bezahlen.“
    Thinxnet-Gründer Oliver Götz

    „In drei Jahren wird die Hälfte aller Fahrer den Kraftstoff digital vom Autositz aus bezahlen.“

    Im vergangenen Monat wurden über die Plattform bereits für einen hohen einstelligen Millionen-Euro-Betrag Diesel- und Benzinkäufe abgewickelt. „2023 sollen es über 300 Millionen Liter Treibstoff sein“, sagt Götz. Der Markt sei riesig. In Europa zahlten Autofahrer etwa 400 Milliarden Euro für Kraftstoffe im Jahr. Bei der digitalen Abwicklung sei Ryd schon jetzt Marktführer.

    Tankstellenpächter halten an Shops fest

    Aus technologischer Sicht ist es eher überraschend, dass sich digitales Bezahlen per App an den Tankstellen bislang noch nicht durchgesetzt hat. Schließlich zahlen die Kunden auch in der Fast-Food- oder Kaffeekette häufig schon über das Handy.

    Doch läuft die Entwicklung den Interessen der Tankstellenpächter entgegen. „Eine wesentliche Zielsetzung an einer Tankstelle ist immer, die Tankkunden als Käufer in den Shops zu gewinnen“, sagt Peter Hengstermann, Vorsitzender des Tankstellen-Interessenverbands (TIV).

    Es habe immer wieder Versuche gegeben, den „Nur-Tankern“ an der Säule Zahlungsmöglichkeiten anzubieten. „Alle diese Versuche haben nach meiner Einschätzung bislang nicht wirklich funktioniert.“ Viele Kunden hätten das Bedürfnis, den Shop zu besuchen, Kaffee und Zigaretten zu kaufen und auch einmal etwas sozialen Kontakt zu haben.

    Für die Tankstellenpächter ist das Zusatzgeschäft in den Shops wichtig. Mit dem Verkauf von Benzin und Diesel verdienen sie nur wenig Geld. „Aufgrund des veränderten Mobilitätsverhaltens der Menschen, zunehmender Shop-Attraktivität und der Flexibilität durch fast durchgängige Öffnungszeiten ist der Tankstellen-Shop für viele Konsumenten attraktiv“, heißt es in der Branchenstudie Tankstellenmarkt Deutschland. Der Shopumsatz pro Station sei in den vergangenen Jahren auf mehr als eine Million Euro gestiegen.

    Corona steigert Akzeptanz für kontaktloses Zahlen

    Doch ist die allgemeine Akzeptanz für kontaktloses Zahlen in Corona-Zeiten gestiegen. Zudem begleichen die Kunden an Elektro-Ladestationen ganz selbstverständlich die Rechnung mit ihrer Kreditkarte oder einer App, ohne sich an einer Kasse anstellen zu müssen.

    Laut einer neuen Verordnung müssen Elektro-Ladesäulen künftig eine Bezahlmöglichkeit mit Kreditkarte haben. Anbieter wie Wirelane bieten entsprechende Terminals an.

    „Die Entwicklung wird sich im Zuge der Digitalisierung nicht aufhalten lassen“, sagt denn auch Jochen Wilhelm, Geschäftsführer beim Tankstellen-Interessenverband. Die von den Mineralölgesellschaften „wirtschaftlich an der kurzen Leine gehaltenen Tankstellenbetreiber“ würden dabei aber Shopkunden verlieren.

    Der Betreiber bekomme heute im Schnitt etwa einen Cent Provision pro Liter Benzin. „Wenn der Kunde also 50 Liter tankt, sind das sage und schreibe 50 Cent – bei vollen Kosten wie Pacht und Personal im Hintergrund.“ Der Pächter sei daher auf Zusatzverdienste dringend angewiesen.

    Der Verband sehe solche Experimente daher eher kritisch. Allerdings zeichne sich kein Trend ab, der das Zahlen an der Kasse auf breiter Front überflüssig mache. „Die Kunden gehen den Weg zurzeit in relevanter Anzahl nicht mit.“

    Thinxnet-Gründer Götz glaubt nicht, dass die Shops darunter leiden müssen, wenn Nur-Tanker gleich an der Säule zahlen. Viele Kunden kämen ohnehin in den Shop, um Zigaretten oder eine Zeitung zu kaufen, ohne zu tanken. Sie müssten künftig an der Kasse nicht mehr so lange anstehen. Zudem könnten sich die Tankstellenbetreiber etwas einfallen lassen – wie zum Beispiel einen kostenlosen Kaffee –, um die Kunden in die Shops zu locken.

    Niederlande und Belgien als Vorreiter

    Ins Ausland ist Ryd bereits expandiert. So wird das Bezahlsystem an Tankstellen von Vissers in den Niederlanden und von MAES in Belgien eingeführt. „Digital Fueling spielt eine entscheidende Rolle, um Prozesse für Autofahrer so komfortabel wie möglich zu gestalten“, sagte MAES-Geschäftsführer Gilbert van Rens. Auch in Portugal und Spanien können Tankstellenkunden bereits vom Fahrersitz aus zahlen.

    Ryd dockt an die bestehenden Kassensysteme an, die Installation ist für die Tankstellenbetreiber kostenlos. Bei der Zahlung entstehen dann Gebühren. Die Plattform kann auch Daten aus dem Auto nutzen und zum Beispiel die nächste Tankstelle anzeigen, wenn der Tank bald leer ist.

    Ryd ist nicht allein auf dem Markt. Das Bezahlen per App aus dem Auto heraus bietet zum Beispiel auch Bertha Pay an – nutzt dabei aber die Technologie von Ryd. Die App der Mercedes-Benz-Tochter kann an mehr als 1000 Tankstellen in Deutschland genutzt werden. Der digitale Helfer zeigt zudem unter anderem an, welches die günstigste Tankstelle in der Umgebung ist.

    Seriengründer Oliver Götz ist mit Labventure an verschiedenen Healthcare- und IT-Start-ups beteiligt. Zudem gründete er unter anderem den Kliniklaborbetreiber Labpartners.

    Er ist überzeugt davon, dass Thinxnet mit Ryd sehr groß werden kann. Beim BP-Einstieg wurde das Unternehmen laut Branchenschätzungen mit etwa 300 Millionen Euro bewertet. Der Weg zu einem Einhorn mit einer Milliardenbewertung ist da nicht mehr weit.

    Mehr: Wettlauf um Ladesäulen hat begonnen

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