Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fitnessuhren EU genehmigt Fitbit-Übernahme durch Google – Datenschützer sind entsetzt

Trotz Kritik hat Brüssel den Kauf des Fitness-Spezialisten Fitbit durch Google freigegeben. Es ist der dritte Anlauf für den US-Konzern im Gesundheitsmarkt.
17.12.2020 Update: 17.12.2020 - 16:41 Uhr Kommentieren
Die Zulassung der Übernahme durch die EU-Kommission stößt auf Kritik. Quelle: Reuters
Google übernimmt Fitbit

Die Zulassung der Übernahme durch die EU-Kommission stößt auf Kritik.

(Foto: Reuters)

Brüssel, Düsseldorf Seit Monaten warnen Datenschützer, Menschenrechtler und Aktivisten vor der Übernahme des Fitnessuhren-Spezialisten Fitbit durch den Onlineriesen Google. Trotzdem erhielt der US-Konzern am Donnerstag die Genehmigung für die gut zwei Milliarden Dollar schwere Übernahme durch die Wettbewerbshüter der EU-Kommission.

Nach einer intensiven Prüfung beschränkten sich die Aufseher in Brüssel darauf, Google auf die eigenen Selbstverpflichtungen zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen festzulegen. So darf das Unternehmen über Fitbit-Geräte generierte Daten nicht zur Optimierung seines Anzeigengeschäfts nutzen und muss Nutzern die Möglichkeit geben, die Verwendung von Daten für Dienste wie Google Maps und Youtube zu verbieten.

Die Wettbewerbshüter hatten in den vergangenen Monaten untersucht, ob die Übernahme negative Auswirkungen auf die Märkte für Onlinewerbung haben könnte. „Wenn Google seinen Datenvorteil bei der Personalisierung von Werbeanzeigen, die es über seine Suchmaschine platziert und auf anderen Internetseiten anzeigt, weiter ausbaut, würde es für Wettbewerber schwieriger, mit den Online-Werbediensten von Google mitzuhalten“, hieß es von der EU-Kommission.

Die Chefin des europäischen Verbraucherschutzverbandes BEUC, Monique Goyens, zeigte sich entsetzt. „Das dürfte ein weiteres Beispiel für die Unfähigkeit der EU-Wettbewerbshüter sein, Firmen wie Google in ihrer immer stärkeren Marktmacht zu begrenzen“, warnte sie.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Gesundheitsdaten ließen Rückschlüsse auch auf intime Details im Leben der Bürger zu. Ihr Einsatz müsse streng überwacht werden. Zudem befähige die Übernahme den US-Konzern, kleineren Firmen den Zugang zu einem wichtigen Markt zu verwehren. Am Ende seien die Verbraucher die Leidtragenden.

    Etliche Gruppen hatten sich bereits im Vorfeld gegen den Zusammenschluss ausgesprochen. So hatte der Europäische Datenschutzausschuss in einer Stellungnahme vor weitreichenden Konsequenzen für die Sicherheit persönlicher Daten gewarnt.

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, die Kombination aus Fitbit mit den Analysefähigkeiten des Teckgiganten Google könnte zu massiven Eingriffen in persönliche Freiheiten führen und eine Überwachung ganzer Bevölkerungen ermöglichen. In der Vergangenheit habe Google nicht bewiesen, mit so einer großen Verantwortung ausreichend umzugehen, argumentierten die Menschenrechtler.

    Kartellrechtler Rupprecht Podszun von der Heinrich-Heine-Universität sagte, es sei schon fast ironisch, dass Brüssel den Zusammenschluss zulasse, „während jenseits des Atlantiks nachträglich Zusammenschlüsse wieder aufgelöst werden sollen“.

    Während in den USA über eine wirksame Regulierung der großen Technologiegiganten debattiert werde, stelle sich Brüssel diesem weitreichenden Zusammenschluss nicht entgegen. Vor sechs Jahren habe sich Brüssel auch nicht der 19 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Messengers WhatsApp durch Facebook entgegengestellt. „Die EU-Kommission hat die WhatsApp-Übernahme durchgewunken, obwohl es damals schon kritische Stimmen gab“, sagte Podszun.

    Bedenken seit 2008

    Es ist nicht der erste Anlauf für Google, in den vielversprechenden Gesundheitsbereich vorzustoßen. Schon 2008 startete die Firma mit Google Health eine digitale Patientenakte. Das Onlineportal sollte von Patienten und angeschlossenen medizinischen Institutionen mit Informationen gefüttert werden.

    Doch schon damals gab es erhebliche Bedenken, sensible Daten einem Konzern anzuvertrauen, dessen Geschäftsmodell zu großen Teilen auf zielgerichteter Werbung beruht. Nur drei Jahre nach dem Start beendet Google das Projekt. „Das Programm hatte sich nicht so durchgesetzt, wie wir es gern gehabt hätten“, begründeten die Entscheider damals in einem Blogeintrag den Schritt.

    Im Jahr 2014 startete der Konzern mit der Plattform Google Fit einen neuen Anlauf. Das Portal mit zugehörigen Apps aggregiert die Daten auf Fitness-Trackern und anderen Wearables. Zusammen mit dem auf mobile Endgeräte spezialisierten Betriebssystem Android Wear wollte das Unternehmen in das stark wachsende Geschäft mit den smarten Mobilgeräten vorstoßen und dafür Gesundheitsdaten sammeln.

    Ein großer Durchbruch ist bis heute ausgeblieben. Im Gegensatz zur Rolle von Android bei Smartphones konnte sich Android Wear nie als dominantes System für Fitness-Tracker durchsetzen. Viele Anbieter setzen auf eigene Systeme. Zudem krankte Google Fit immer wieder an technischen Problemen. Vergangenes Jahr wurde sogar die Webversion von Google Fit eingestellt und über ein Ende des gesamten Projekts spekuliert.

    Mit der Übernahme von Fitbit erfolgt der dritte Anlauf in diesem Segment für Google. Fitbit war ein Pionier im Geschäft mit Fitness-Armbändern, die Schritte und verbrauchte Kalorien zählen. Allerdings wurde dieses Geschäft inzwischen aus zwei Richtungen aufgerollt: Apple ist sehr erfolgreich mit seiner Computer-Uhr Apple Watch, die auch diverse Fitness-Funktionen hat. Bei einfachen Armbändern dominieren günstige Geräte aus China, vor allem von der Firma Xiaomi.

    Fitbit könnte Google ermöglichen, im Gesundheitsbereich vom Softwareunternehmen gleichzeitig zum Hardwarehersteller aufzusteigen. Diesen Wandel hatte das Unternehmen bereits bei Smartphones mit der Pixel-Reihe vollzogen.

    Mehr: Neue Klage gegen Google: Die US-Internetriesen haben einen langen Atem.

    Startseite
    Mehr zu: Fitnessuhren - EU genehmigt Fitbit-Übernahme durch Google – Datenschützer sind entsetzt
    0 Kommentare zu "Fitnessuhren: EU genehmigt Fitbit-Übernahme durch Google – Datenschützer sind entsetzt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%