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Fonds-Investitionen Risikokapital für Start-ups: Wie Axa und Klöckner um Gründer buhlen

Verknüpfungen von Konzernen und Start-ups sind schwierig, Allianzen ein Lösungsweg. Zwei ungewöhnliche Partner finden beim Fonds Paua Ventures zusammen.
19.10.2020 - 14:45 Uhr Kommentieren
Der Deutschlandchef will die Versicherung jung halten. Quelle: Axa Deutschland
Axa-Manager Alexander Vollert

Der Deutschlandchef will die Versicherung jung halten.

(Foto: Axa Deutschland)

Hamburg In den Kerngeschäften der Unternehmen Klöckner & Co und Axa, dem Stahlhandel beziehungsweise Versicherungen, gibt es keine Überschneidungen. Und doch sind beide Konzerne Partner in einem zentralen Zukunftsfeld: Start-ups und neue Technologien. Klöckner und Axa sind beim selben Risikokapitalfonds investiert, bei Paua Ventures aus Berlin. Dieses Engagement wollen die ungleichen Partner jetzt ausbauen, um die Konzernwelt mit der Gründerszene zu verknüpfen.

Das ist in Deutschland immer noch schwierig. Laut einer aktuellen Umfrage des Verbands VDMA glücken etwa im Maschinenbau nur drei von fünf solcher Kooperationen. Entsprechend suchen Konzerne schon länger neue Wege – etwa über eigene Inkubatoren, über Unternehmensberatungen und eben Investitionen in unabhängige Fonds.

„Wir sind als Stahlhändler kein Kapitalanleger. Natürlich wollen wir eine Rendite, aber das ist bei uns nicht der Treiber. Es geht um die Zusammenarbeit mit der Start-up-Szene“, sagt Klöckner-Chef Gisbert Rühl. Ebenso wie Axa-Deutschlandchef Alexander Vollert sieht er im Gespräch mit dem Handelsblatt die Kooperation mit Paua als ein Beispiel für ein gelungenes Zusammenspiel traditionsreicher Konzerne mit der Gründerszene.

„2014 haben wir damit begonnen, das Thema Digitalisierung stärker anzugehen. Einer meiner ersten Besuche auf Start-up-Tour in Berlin hat mich zu Paua geführt“, beschreibt Rühl die Anfänge der Kooperation. Damals habe der Stahlhändler selbst nicht die Fähigkeiten gehabt, selbst aussichtsreiche Start-ups zu identifizieren.

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Standort erkennen

    „Wir würden auch gar nicht die besten Leute dafür bekommen, weil die lieber für die Venture-Capital-Fonds arbeiten“, sagt der Klöckner-Chef. Die Investition in den Paua-Fonds habe in der Situation einen Zugang nicht nur zu den Start-ups im Portfolio, sondern auch zu weiteren Gründern gebracht. Inzwischen nutze Klöckner Paua außerdem, um die Geschäftsmodelle von Start-ups für potenzielle eigene Investitionen abzuklopfen.

    Erfahrene Ingenieure gründen

    Für Paua kam das Engagement der Duisburger zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich beschloss der Kapitalgeber Anfang 2014, sich auf Software-als-Service-Modelle und Geschäftskunden-Gründungen zu konzentrieren. Das sechsköpfige Team hat bislang in über 30 Start-ups investiert. „Der Trend hat sich weg von marketinggetriebenen Endverbraucher-Modellen hin zu technologielastigen Geschäftsmodellen entwickelt. Das ist ein gutes Zeichen für den Standort Deutschland“, sagt Paua-Chef Christian Buchenau. „Jetzt fangen auch Ingenieure an zu gründen, die 20 Jahre Industrieerfahrung haben.“

    Der Investor will nun bis Februar einen neuen Fonds mit 70 bis 80 Millionen Euro füllen. Dabei will Buchenau neben Family Offices, Business-Angels und anderen Anlegern verstärkt auf Unternehmen als Partner setzen. Ihnen verspricht er Einblicke in die Start-up-Szene und neue Technologien. „Wir sind die Augen und Ohren der Unternehmenspartner in Berlin“, sagt Buchenau. „Dabei ist die Branche fast egal: Jeder hat inzwischen Anknüpfungspunkte ans Digitale.“ Mit knapp zehn Unternehmen sei Paua derzeit in Gesprächen, darunter Axa und Klöckner.

    Bei der Verknüpfung zwischen Konzernen und Start-ups tut sich in Deutschland viel. Gründer-Campusse wie Factory Berlin oder der von Viessmann initiierte Maschinenraum bündeln die Szene in der Hauptstadt. Regional kommen Initiativen wie die Bielefelder Founders Foundation dazu. Die Technologiezentren der Hochschulen suchen verstärkt Partner in der Industrie, allen voran das UnternehmerTUM in München. Dazu kommen Förderinitiativen von staatlichen und privaten Trägern wie der im Bau befindliche Digitalpavillon Hammerbrooklyn in Hamburg. Viele Konzerne haben daneben eigene Start-up-Einheiten und -Fonds gegründet.

    Axa hat Paua auch bei seinem Innovation Campus als Partner. Dabei wolle der Versicherer gleichfalls abseitige Geschäftsmodelle ausprobieren, sagt Deutschlandchef Vollert. So gehört etwa der E-Roller-Anbieter Tier zu den Investments. Der Versicherer erhalte dadurch nicht nur Einblick in die Anforderungen neuer Mobilitätsmodelle, sondern auch Kontakt zu neuen Kundengruppen.

    Das bringe konkrete Erfolge, etwa über die Axa-App Wayguard: „Anders als andere Versicherer gewinnen wir junge Kunden hinzu“, sagt Vollert. Paua habe etwa einige Unternehmen für Digital Health im Portfolio, mit denen Axa zusammenarbeiten kann. Paua helfe zudem mit dem Netzwerk auch, wenn Axa Leute für Digitaljobs suche. Schließlich investiere Axa stark in datengetriebene Geschäftsmodelle. Bestandteil der Innovationsstrategie sei, mit neuen Partnern zu arbeiten.

    Überrenditen sind notwendig

    Trotzdem erwarte der Versicherer von dem Fonds auch ordentliche Rendite. „Es ist nicht einfach, die Überrenditen zu erzielen, die diese risikoreiche Asset-Klasse rechtfertigen“, sagt Vollert. Doch mit Rühl ist er sich einig, ihre unterschiedlichen Anforderungen an den Risikokapitalgeber gehen nicht zulasten der Rendite. Im Gegenteil könnten die Konzerne etwa als Pilotkunden für Portfolio-Start-ups agieren oder Partner aus ihrem Netzwerk vermitteln – und so die Erfolgswahrscheinlichkeit der Start-ups heben.

    „Es fehlt nicht an Geld oder Talent in Deutschland. Das Problem bei B2B-Geschäftsmodellen ist, dass der Vertrieb an die Unternehmen für Start-ups oft zu lange dauert“, sagt Buchenau. Daher helfe es, direkte Kontakte zu den Konzernen als Investoren aufzubauen – und so Kooperationen auch direkt über die Vorstandsebene angehen zu können. „Unsere Firmen kämpfen vor allem darum, in den ersten Monaten nach Produktstart fünf bis acht Unternehmen als Kunden zu finden“, sagt Buchenau. Da könne der Fonds als Mittler agieren. Bei den Investitionsentscheidungen agiere Paua jedoch autonom und informiere die Investoren nachträglich in monatlichen Telefonkonferenzen.

    Das Geschäft mit der Gründerfinanzierung ist risikoreich, in der Branche stehen Fonds mit hohen Renditen anderen mit Verlusten gegenüber. Die Axa-Beteiligung Zeitgold etwa hat sich gerade von einem Großteil ihrer bislang 120 Mitarbeiter getrennt und will das Geschäftsmodell mit Buchhaltungssoftware überprüfen. Ein Vorteil des Investments über Paua: Solche Rückschläge fallen für die Konzerne so weniger stark ins Gewicht als bei einem Direkteinstieg.

    Zugleich könne Paua Start-ups sichten und für ein mögliches Anschlussinvestment von Klöckner oder Axa vorsortieren, erläutern die Vorstandschefs. Paua ist dabei nicht der einzige Partner. Klöckner ist in sechs Fonds investiert, darunter UVC vom Münchener Start-up-Netz UnternehmerTUM. Axa kooperiert etwa mit Capnamic, das auch ein Büro am Axa-Standort Köln hat. „Mit Partnerschaften sind wir schneller. Damit bleiben wir auch zukünftig erfolgreich und wettbewerbsfähig“, sagt Vollert.

    Klöckner akquiriert neue Technologien

    Für den Versicherer Axa bedeutet das Risiko der Anlageklasse dennoch: Er darf schon regulativ nur einen begrenzten Anteil der Kundengelder in Gründungskapital stecken. Vollert wünscht sich allerdings größere Spielräume: „Wir brauchen alternative Anlageformen, um gute Renditen für unsere Kunden erzielen zu können“, sagt er. Dabei müsse der Versicherer jedoch international anlegen – also auch etwa in die großen US-Fonds, die wiederum verstärkt nach Europa schauen – zumindest bis zur Coronakrise.

    „Bis zum Frühjahr hatten wir wöchentlich Besuch von US-Fonds im Büro“, sagt Buchenau. Telefonate könnten diesen Kontakt nicht ersetzen. „Für exzellente Start-ups finden wir dennoch Geldgeber in den USA – etwa für Wandelbots“, sagt er. In den Dresdener Anbieter von Steuerungssoftware für Roboter hat zuletzt unter anderem Microsoft investiert.

    Auch Klöckner will weiter in Gründer investieren – trotz Coronakrise und Personalabbaus. Es gehe dabei nicht mehr darum, Start-up-Methoden wie agiles Arbeiten kennen zu lernen, sondern um konkrete Technologien, etwa zur besseren Auslastung von Maschinen. „Es mag sein, dass es an einigen Stellen dafür momentan weniger Verständnis gibt, aber das wird uns nicht davon abbringen“, sagt Rühl.

    Das Erbe des Vorstandschefs, dessen Vertrag noch bis zum kommenden Frühjahr läuft, wird die Digitalisierung sein: Mit 42 Prozent Digitalgeschäft liege der Anteil bei Klöckner über demjenigen der Konkurrenz, sagt er. Klöckner solle zur Digitalplattform mit hohem Automatisierungsgrad werden, hofft er.

    Allerdings hatte Rühl vor fünf Jahren sogar einen Anteil von mindestens 50 Prozent für 2020 als Ziel ausgerufen. Es bleibt also noch Luft nach oben. Auch dabei soll die Erfahrung aus der Start-up-Welt helfen: Rühl will die vom Konzern gegründete offene Handelsplattform XOM unabhängiger machen und dafür auch Investitionspartner suchen. Wie bei einem klassischen Start-up.

    Mehr: Start-ups arbeiten immer besser mit der klassischen Industrie zusammen

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