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Food-Tech Nach den Küchenprofis nun Privatköche: Lieferketten-Start-up Choco sammelt 100 Millionen Euro ein

Das Berliner Start-up für Restaurant-Großbestellungen wird nun mit 600 Millionen Dollar bewertet. Jetzt erweitert es seinen Markt – und hat noch kaum Konkurrenz.
19.07.2021 - 18:30 Uhr Kommentieren
Ziel des Unternehmens ist es, das Bestellmanagement sowie die Lieferkette und die Kommunikation zwischen Lieferanten und Restaurants zu digitalisieren. Quelle: Choco – Saskia Uppenkamp
Choco-Team

Ziel des Unternehmens ist es, das Bestellmanagement sowie die Lieferkette und die Kommunikation zwischen Lieferanten und Restaurants zu digitalisieren.

(Foto: Choco – Saskia Uppenkamp)

Düsseldorf Fünf Forellen, 30 Kilogramm Brokkoli und 15 Säcke Kartoffeln – eine Bestellung, die etwas groß scheint für den durchschnittlichen Haushalt. Doch Lebensmittellieferungen sind mittlerweile nicht nur für Vielbeschäftigte im Homeoffice interessant. Auch für Gastronomen gibt es eine eigene App, um Großbestellungen für die Küche mit ein paar Klicks zu tätigen.

Choco ist eine App für Restaurants, Bars, Bäckereien und Supermärkte, in der Waren bei verschiedensten Lieferanten gebündelt nachbestellt werden können. Das soll die Prozesse in Restaurants und Gaststätten effizienter gestalten.

Daniel Khachab und seine Co-Gründer Julian Hammer und Rogerio da Silva Yokomizo erfahren für ihre Bestell-App auch ähnlich viel Aufmerksamkeit von Investoren wie bekannte Lebensmittelliefer-Apps wie Gorillas und Flink. Kürzlich hat das Start-up in einer neuen Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro eingesammelt und wird nun mit 600 Millionen Euro bewertet – zwei Jahre nach der Gründung.

Mehr als 15.000 Restaurants nutzen die Bestell-App, darunter etwa das Hofbräuhaus, Royal Donuts, die Cafékette Haferkater, das Luxushotel Le Bristol in Paris, das The Daisy in New York und das Barrio Chicago. Hinzu kommen mehr als 10.000 Lieferanten.

Betriebe können in Choco alle Lebensmittelbestellungen auf einmal eingeben. Diese werden dann an die jeweiligen Lieferanten weitergegeben. „Was sonst mehr als eine Stunde Arbeit kosten kann, da Gastronomen oft mehrere Lieferanten hintereinander anrufen müssen, dauert bei uns ein paar Minuten“, erzählt Khachab.

Bekannte Investoren beteiligen sich

Vor allem das vergangene Jahr hat der Gastronomie einen digitalen Schub versetzt. Das Liefergeschäft über Apps wie Lieferando und Wolt ist für viele Betriebe überlebensnotwendig geworden. Digitale Speisekarten, Gästeregistrierung über das Handy – jetzt sollen auch die internen Prozesse in Gastbetrieben von Papier und Stift hin zu Apps für Nahrungsmittelbestellungen und Lagerlogistik wechseln.

Laut Choco ist die Nachfrage im letzten Jahr stark angestiegen, das App-Transaktionsvolumen habe sich vervierfacht. Das Ziel: die Nahrungsmittelkette komplett zu digitalisieren. „Das ist eben einer der weltweit größten Märkte, die es gibt – und wir bedienen ihn“, sagt Khachab.

Unter den neuen Investoren finden sich Venture-Capital-Fonds aus New York wie Left Lane Capital und Inside, die das Investment angeführt haben. Beide Firmen konzentrieren sich auf schnell wachsende Tech-Unternehmen mit Fokus auf Verbraucher. Weitere Kapitalgeber, die erneut eine Finanzierung nachgelegt haben, kennt man von Gorillas und Flink: Coatue und Atlantic Food Labs.

Harley Miller, der Gründer von Left Lane Capital, kann sich sogar vorstellen, dass Choco „eines der größten Technologieunternehmen im Lebensmittelbereich aller Zeiten“ werden könnte. Er hat Erfahrung mit Food-Tech-Unternehmen aus Deutschland, mit Left Lane hat er bereits in Delivery Hero und Hellofresh investiert.

„Wenn die Pandemie vorbei ist, werden Menschen wieder viel raus und in Restaurants gehen wollen, und Betriebe werden effizienter werden müssen denn je“, sagt Miller im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Choco ist bei Weitem der größte Anbieter für die Lieferkette zwischen Restaurants und Lieferanten, was es ihm ermöglicht, schnell zu wachsen und auch andere Produktfunktionen einzuführen.“

Derzeit ist das Start-up in fünf Ländern in Europa und in den USA aktiv. Das neue Kapital will Choco laut Khachab auch für neue Märkte in Südamerika, dem Mittleren Osten und Asien verwenden.

Screenshot der Choco App Quelle: Choco – Saskia Uppenkamp
Choco App

Screenshot der Choco App

(Foto: Choco – Saskia Uppenkamp)

Khachab selbst kommt aus dem Technologiebereich. Fünf Jahre lang hat er bei Rocket Internet gearbeitet und auf verschiedenen Kontinenten Tech-Unternehmen und Ventures mitaufgebaut. Bis er später selbst eine Sparte digitalisieren wollte und sich mit Lieferketten beschäftigte. „Heutzutage sind über 40 Prozent der Bestellungen fehlerhaft“, erklärt Khachab. „Wir können mit der digitalen Bestellung etwa 16 Tonnen Nahrungsmittel pro Tag retten.“

Mit dem frischen Geld will Choco jetzt vor allem die Technologie weiterentwickeln. Die App soll einen Finanzservice enthalten. „Die Kunden können jetzt nicht mehr nur über die App bezahlen, sondern etwa auswählen, in ein paar Wochen oder Monaten bezahlen zu können“, erklärt Khachab.

Einen ähnlichen Service gibt es auch für die Lieferanten. Wenn diese das Geld aber gleich benötigen, können sie das in der App angeben – und erhalten es von Choco. Erst kürzlich holte sich Choco dafür auch einen neuen technischen Leiter ins Team: den Ex-Uber-Manager Vikas Gupta, der bei dem Fahrdienstleister auch für Finanz-Services zuständig war.

Der Markt ist (noch) nicht so hart umkämpft

Im Gegensatz zu Gorillas, Flink, Flaschenpost und Co. bedient Choco einen Markt, der (noch) nicht hart umkämpft ist. Doch auch andere Start-ups, die die Gastronomie digitalisieren wollen, gewinnen an Aufmerksamkeit. Erst vergangene Woche erhielt Simply Delivery ein erstes Investment über zehn Millionen US-Dollar.

Das Berliner Start-up liefert eine Cloud-Software für Restaurantketten. Über diese bietet es Prozesse wie Essensbestellungen an sowie interne Lösungen zu Marketing, Personalplanung, Lagerhaltung und Beschaffung. Simply Delivery hat etwa McDonald’s, burgerme und L’Osteria als Partner. Das Geschäft ist laut eigenen Angaben profitabel, verzeichnet ein Brutto-Marktvolumen von 1,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Choco fokussiert sich rein auf die Nahrungsmittelkette – und ist noch nicht profitabel. Man sei in den zwei Jahren seit der Gründung aber rasant gewachsen, sagt Daniel Khachab, auch in der Pandemie. „Wir haben die gesamte Coronazeit antizyklisch gewirtschaftet und immer weiter investiert“, erklärt er. Bis 2026 will der Co-Gründer dann profitabel sein.

In der Zeit, in der die Restaurants im Lockdown geschlossen waren, überlegten sich die Gründer ein neues Geschäftsmodell. „Wir haben umdisponiert zu einem Endkundengeschäft“, erklärt Khachab. „Weil die Lieferanten viele Waren nicht mehr verkaufen konnten, konnten Privatkunden direkt Nahrungsmittel bei ihnen bestellen.“

Ein zusätzlicher Superschnell-Lieferdienst für zu Hause wird aus Choco aber nicht. Das Endkundengeschäft hätte nur zur Überbrückung der Coronazeit gedient. Den Gewinn daraus hat er mit seinen Mitgründern an Restaurants und Lieferanten gespendet, wie Khachab sagt.

Mehr: Auf in die Zukunft: Das sind Deutschlands aktuelle und künftige Einhörner.

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