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Formatkrieg schadet Anbietern und Verbrauchern Finger weg von HD-DVD- oder Blu-ray-Geräten

In der Unterhaltungselektronik-Branche tobt erneut ein Formatkrieg. Es wird heftig über das Nachfolgeformat der DVD-Scheiben gestritten - zum Leidwesen der Inhaltsanbieter und möglichen Käufer. In dieser Situation kann der Rat nur heißen: Finger weg vom Kauf von neuen Geräten, deren technische Zukunft ungewiss ist.
  • Rudi Kulzer
Prototyp eines HD-DVD-Players von Toshiba. Foto: dpa

Prototyp eines HD-DVD-Players von Toshiba. Foto: dpa

MÜNCHEN. Die technischen Auseinandersetzungen um die Formate HD-DVD und Blu-ray Disc werden schon seit geraumer Zeit geführt. Doch seit der Consumer Electronic Show (CES), die Anfang Januar in Las Vegas stattfand, hat die Diskussion weiter an Schärfe gewonnen. Sie spielt auch auf der Cebit, die in Hannover ihre Pforten geöffnet hat, eine Rolle. Der wichtigste Grund für die Verschärfung des Formatkrieges: In den kommenden Monaten sollen die ersten Scheiben in den beiden Formaten (vor allem in den USA) in den Handel kommen. Auch für Europa gibt es erste Vermarktungspläne.

Zunächst einige technische Erklärungen: Die Blu-ray Disc von Sony wird in der Unterhaltungselektronik zusammen mit der HD-DVD von Toshiba (ehemals AOD - Advanced Optical Disc) als Nachfolger der DVD gehandelt. Der Auslöser für beide Entwicklungen war, dass die Branche mit dem wachsenden Aufkommen von hochauflösenden Fernsehen und Filmen (High Definition = HD) auch ein verbessertes Format für die DVD-Scheiben braucht.

Am 19.Februar 2002 hat zunächst das Lager der "Blu-ray Disc" unter Führung von Sony bekannt gegeben, dass man sich auf einen gemeinsamen Standard für die DVD mit einer Lasertechnik im blau-violeten Spektrumsbereich geeinigt habe. Zu dieser Gruppe gehören neben Sony die Firmen Pioneer, Sharp, LG Electronics, Hitachi Panasonic, Philips Thomson (RCA) und Samsung. Mitte August 2002 folgten dann Toshiba und NEC mit eigenen Ideen zum blauen Laser in Form der HD-DVD.

Wie nicht anders zu erwarten war, basieren zwar beide Vorschläge auf dem blauen Laser, doch die verwendete Disk und das Datenformat unterscheiden sich. Beide Lager beanspruchen jedoch - wie schon vor 20 Jahren beim Streit zwischen VHS, Betamax und Video 2000 - den alleinigen Anspruch auf die würdige DVD-Nachfolge für sich. Sollte es die Industrie nicht schaffen, sich auf einen Standard zu einigen - danach sieht es zur Zeit nicht aus - dürften die Erfolgsaussichten einer raschen Vermarktung, die von der Branche dringend benötigt wird, deutlich sinken.

Der Prototyp eines Blue-Ray-Players. Foto ap

Der Prototyp eines Blue-Ray-Players. Foto ap

Erinnerungen an den Video-Krieg

Nach Beobachtung von Fachleuten hatte die Blu-ray-Fraktion bis zum Herbst vergangenen Jahres mit einer besseren Technik die Nase vorne. Doch das hat sich geändert. Nun erinnert die Situation an die Zeit, als das VHS-Format von JVC das qualitativ höherwertige Betamax von Sony am Markt ausstechen konnte. Obwohl damals von der Presse mit Lob überhäuft versagte Betamax bei den Verbrauchern. Der Hauptgrund dafür lag daran, dass Betamax-Rekorder anfangs nur maximal eine Stunde aufnehmen konnten. Das war genug für Arbeitsbänder in Studios, aber viel zu wenig, wenn Verbraucher Spielfilme mitschneiden wollten. Dieses Problem zu beseitigen gelang den VHS-Entwicklern. Sie bauten das Magnetband einfach in eine größere Kassette ein. Die war zwar ausgesprochen klobig, bot aber vom Start weg Kapazitäten von zwei bis drei Stunden. Als Sonys Format endlich aufholte, waren die Videotheken längst voller VHS-Bänder. Das Format Betamax überlebte nur als Betacam für professionelle Videoproduktion.

In diesem Zusammenhang war immer wieder die Rede davon, VHS habe sich durchgesetzt, weil es dafür mehr "schlüpfrige Filme" gab. Das ist aber wohl eher eine Legende, die nicht zu beweisen ist. Auch heute wird beim Formatkrieg wieder diskutiert, welche Rolle die Porno-Industrie bei der Markdurchsetzung spielen könnte. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang aber vielmehr, dass sich Microsoft und Intel im Herbst vergangenen Jahres dafür entschieden haben, mit Toshibas HD-DVD-Technik zu arbeiten. So soll das für Herbst angekündigte Windows Vista ausdrücklich HD DVD unterstützen und für die hauseigene Spielkonsole Xbox ein externes HD-DVD-Laufwerk angeboten werden.

Ob die HD DVD der Blu-ray Disc technologisch über- oder unterlegen ist, ist nicht entscheidend. Am Ende wird siegen und damit den Standard vorgeben, wer zuerst jene kritische Masse erreicht, die das Konkurrenzformat zum Nischenprodukt werden lässt. Betrachtet man die Übersicht im Anhang, zeigt sich, dass die Chancen für HD-DVD deutlich gestiegen sind, da die Preis-Leistung-Struktur dieses Lagers einen rascheren Durchsatz verspricht.

GEPLANTE MARKTEINFÜHRUNG
AnbieterProdukt
23. März 2006

Toshiba

Zwei Player HD-DVD
23. März 2006

Time Warner

erste Titel in HD.DVD
März 2006

NEC

HD-DVD Laufwerke
April 2006

Samsung

Blu-ray Player
28.Mai 2006Sony-MGM und Lions Gareerste Titel Blu-ray Disc
Mai 2006

NEC

HD-DVD Kombi Gerät
Mai 2006PioneerBlu-ray Player
13. Juni 2006

Sony

zweite Titelwelle Blu-ray
Juli 2006

NEC

HD-DVD Brenner
Quelle: Angaben der Unternehmen auf der CES in Las Vegas im Januar 2006

Wie sehr beide Lager unter Druck sind, zeigen die Aussagen, dass die Hersteller der Laufwerke für HD DVD und Blu-ray-Disc trotz unvollständigem Kopierschutz-Standard AACS (Advanced Access Content System) ihre Geräte bereits in den nächsten Monaten auf den Markt bringen wollen. Die ersten Geräte sollen dann eine Interimslizenz bekommen. Dadurch können die Laufwerke mit den nötigen AACS-Schlüsseln ausgerüstet werden, bevor die Spezifikation abgeschlossen ist. AACS wird auf Drängen der Filmstudios in Hollywood in alle Laufwerke eingebaut. Ohne AACS wird man keine hochaufgelösten kommerziellen Filme abspielen können.

ECKDATEN DER POTENZIELLEN DVD-NACHFOLGER
HD-DVDBlu-ray Disc
Aufzeichnungskapazität


(dual layer)
30 Gigabyte50 Gigabyte
Aufzeichnungskapazität (single layer)15 Gigabyte25 Gigabyte
Abspielzeit (dual layer)8 Stunden bei 8 Megabit pro Sekunde7,5 Stunden bei 12 Megabit pro Sekunde
Abspielzeit (single layer)4 Stunden bei 8 Megabit pro Sekunde3,8 Stunden bei 12 Megabit pro Sekunde
Kosten für Player *499 $

(Toshiba

HD-A1), 799 $

(Toshiba

HD-XA1)
1000 $ bis 1800 $
Unterstützte SpielekonsolenXbox

(Microsoft)

Playstation 3

(Sony)

Anbieter aus der Unterhaltungselektronik

Sanyo

,

Toshiba

Hitachi

,

JVC

, Mitsubishi, Panasonic, Philips, Pioneer,

Samsung

,

Sanyo

,

Sharp

,

Sony

, TDK
Anbieter aus der Computerindustrie

HP

,

Intel

,

Microsoft

, LG,

NEC

,

Toshiba

Dell

,

HP

,

Apple

, LG
Unterstützende FilmstudiosParamount, Universal Studios, Warner BrotherDisney,

Lions Gate

, Paramount, Sony/MGM, 20th Century-Fox, Warner Brother
* zur Zeit werden erst in den USA Geräte vertrieben
Quelle: New York Times und eigene Recherchen
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