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Foto-Plattform Kinder als neue Facebook-Zielgruppe: US-Justizminister fordern Aus für „Instagram for Kids“

Das soziale Netzwerk bastelt an einer eigenen Fotoplattform für Kinder unter 13 Jahren. Gegner berufen sich auf besorgniserregende Studien.
14.05.2021 - 16:07 Uhr Kommentieren
Offiziell dürfen unter 13-Jährige kein eigenes Konto eröffnen – doch die Sicherheitsschranke lässt sich leicht umgehen. Quelle: Reuters
Instagram-App

Offiziell dürfen unter 13-Jährige kein eigenes Konto eröffnen – doch die Sicherheitsschranke lässt sich leicht umgehen.

(Foto: Reuters)

San Francisco Die Justizminister von 44 Bundesstaaten und Territorien in den USA haben Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem offenen Brief aufgefordert, seine Pläne für ein „Instagram for Kids“ fallen zu lassen. Das weltgrößte soziale Netzwerk, dem auch die Fotoplattform Instagram gehört, arbeitet derzeit an einer Version für Kinder unter 13 Jahren.

„Die Nutzung sozialer Netzwerke kann schädlich sein für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern, die zu jung sind, um mit den Herausforderungen umzugehen, die mit einem solchen Nutzerkonto einhergehen“, schreiben die unterzeichnenden Justizminister. Zudem habe Facebook in der Vergangenheit mehrfach dabei versagt, das Wohlergehen von Kindern auf seinen Plattformen zu schützen.

Bei einer Kongressanhörung im März hatte Zuckerberg Gerüchte bestätigt, dass seine Firma derzeit an „Instagram for Kids“ arbeite, auch wenn man erst „ganz am Anfang“ stehe. Offiziell dürfen unter 13-Jährige kein eigenes Konto bei Instagram und Facebook eröffnen. Doch diese Sicherheitsschranke lässt sich spielend leicht umgehen, denn einen Nachweis für das angegebene Geburtsdatum muss man nicht einreichen.

„Wir befürchten, dass Kinder unter 13 Jahren die Sicherheitseinstellungen umgehen, aber wir hoffen, dass sie das nicht mehr tun werden, wenn es ein separates Angebot für sie gibt“, sagte Zuckerberg. Gleichzeitig teilte Facebook jüngst mit, dass bald Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen dabei helfen sollten, das tatsächliche Alter von Nutzern zu verifizieren.

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    Bereits seit 2017 hat der Konzern aus Menlo Park mit „Facebook Messenger Kids“ ein eigenes Produkt für Heranwachsende im Portfolio. Mit diesem können Minderjährige mit Kontakten, die die Eltern vorab gutgeheißen haben, chatten oder per Video telefonieren. Bei der besagten Kongressanhörung sagte Zuckerberg, dass auch er seine fünfjährige Tochter Messenger Kids nutzen lasse, damit sie mit ihren Cousins reden könne.

    Auf die Nachfrage, wieso so junge Kinder bereits soziale Netzwerke nutzen sollten, sagte Zuckerberg leicht irritiert: „Herr Abgeordneter – wir helfen den Kindern, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben und Inhalte im Internet zu finden. Und das ist doch grundsätzlich etwas Positives.“

    In den Wochen danach kritisierten Demokraten die Pläne, nun hat eine Gruppe aus Justizministern nachgelegt. „Es gibt unzählige andere und sicherere Möglichkeiten für junge Kinder, mit ihren Verwandten und Freunden in Kontakt zu treten“, heißt es in dem Schreiben, das Zuckerberg am Montag zugestellt wurde.

    Auslöser für Depressionen und Suizidgedanken

    Die Justizminister zitieren unter anderem eine Studie im „Canadian Medical Association Journal“ aus dem Jahr 2020, die eine Verbindung zwischen der Nutzung sozialer Netzwerke und „zunehmendem psychischem Stress, selbstverletzendem Verhalten und Suizidgedanken unter Jugendlichen“ zeigt.

    Die Auswirkungen scheinen besonders groß bei Mädchen zu sein: Die Autoren verweisen darauf, dass sich in den USA zwischen 2008 und 2015 die Suizidversuche unter weiblichen Teenagern verdoppelt hätten; im selben Zeitraum habe auch die Nutzung von Smartphones und sozialen Netzwerken markant zugenommen.

    Eine andere Studie aus dem Jahr 2016 zeigt, dass generell das Betrachten von „Selfies“ zu einem reduzierten Selbstbewusstsein und einer geringeren Zufriedenheit mit dem Leben führt. Bei Teenagern, bei denen die Entwicklung des Gehirns noch nicht abgeschlossen ist und die auch ohne soziale Netzwerke oft unter Selbstzweifeln leiden, sind diese Effekte offenbar besonders ausgeprägt.

    Auf ähnliche Ergebnisse stieß auch die Firma Bark, die das Onlineverhalten von 5,4 Millionen Kindern untersucht. In dem neuen Bericht von 2020 stuft sie Instagram in verschiedenen Rankings als besorgniserregend ein, weil es Suizidgedanken, Depressionen und Zweifel am eigenen Körper wecke. Auch andere, bei Jugendlichen beliebte Plattformen wie Snapchat und Tiktok schneiden in diesen Kategorien schlecht ab.

    „Wir helfen den Kindern, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben und Inhalte im Internet zu finden.“ Quelle: AP
    Mark Zuckerberg bei einer Kongressanhörung im März

    „Wir helfen den Kindern, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben und Inhalte im Internet zu finden.“

    (Foto: AP)

    Kritiker verweisen zudem darauf, dass die sozialen Netzwerke nie für Kinder gebaut wurden – schließlich begann Youtube einst als Dating-Plattform, Facebook als Netzwerk für Studenten, und Instagram entsprang der Leidenschaft der Gründer für Bourbon. Auch deswegen hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Internetkonzerne bereits 2018 dazu aufgefordert, Plattformen zu entwickeln, die kindergerecht sind. Das könnten die Konzerne als Gegenargument nutzen, um Projekte wie „Instagram for Kids“ zu verteidigen.

    Alarmierend ist jedoch eine jüngst veröffentlichte Untersuchung der Firma Thorn, die Kinder gegen sexuellen Missbrauch im Internet schützt: Obwohl das Mindestalter auf allen Plattformen offiziell 13 Jahre sein muss, nutzen unter den Neun- bis Zwölfjährigen 45 Prozent täglich Facebook, 40 Prozent täglich Instagram und Snapchat und stolze 78 Prozent täglich Youtube.

    Alarmierend oft werden die Kinder dort von Erwachsenen mit sexuellen Absichten kontaktiert: 25 Prozent der Neun- bis 17-Jährigen gaben an, dass sie schon einmal von jemandem mit sexuellem Anliegen kontaktiert worden seien, der älter als 18 Jahre zu sein schien.

    Facebook ist nicht das einzige soziale Netzwerk, das junge Kinder als Zielgruppe entdeckt hat. Auch Googles Videoplattform hat mit „Youtube Kids“ seit 2015 ein eigenes Produkt für Minderjährige auf dem Markt. Der Unterschied zur üblichen Version besteht darin, dass Eltern dort bestimmte Videos verbieten beziehungsweise nur einzelne Kanäle gutheißen können.

    Konzerne wollen loyale Kunden heranziehen

    Gleichzeitig sind die Zugangsbarrieren für Youtube aber grundsätzlich niedriger als für andere soziale Netzwerke, weil ein Kind die Website einfach im Browser aufrufen kann und sich nicht erst in ein Konto einwählen muss.

    Junge Kinder sind für die Internetkonzerne als Zielgruppe attraktiv, weil diese so bereits in jungem Alter deren Nutzungsgewohnheiten prägen können und idealerweise loyale Kunden heranziehen. Als Zielgruppe für Werbung kommen die unter 13-Jährigen hingegen nicht infrage: Das Bundesgesetz Children’s Online Privacy Protection Act schützt die Privatsphäre von Kindern im Internet und untersagt es Firmen, die Daten von unter 13-Jährigen zu sammeln oder ihnen personalisierte Werbung zu zeigen.

    Der Abgeordnete Bill Johnson aus Ohio verglich die sozialen Netzwerke in ihrer Schädlichkeit für Kinder mit Tabakfirmen: „Big Tech gibt unseren Kindern im Grunde genommen eine angezündete Zigarette und hofft, dass sie für den Rest ihres Lebens dabeibleiben werden.“

    Tatsächlich sind Kinder als Zielgruppe von Konzernen ein altbekanntes Phänomen. „Bei Disney nannten wir es 'Von der Wiege bis zum Gehstock'“, sagte der frühere Disney-Manager KC Estenson gegenüber der „Washington Post“. Wenn sich ein kleines Kind in die Marke Disney verliebe und man es schaffe, diese Begeisterung aufrechtzuerhalten, dann habe man eine lebenslange Bindung geschaffen.

    Der Unterschied zu sozialen Netzwerken ist jedoch, dass diese eine direkte Vergleichbarkeit mit Gleichaltrigen schaffen und so – anders als bei Mickey Mouse – womöglich das eigene Selbstwertgefühl dezimieren.

    Zudem befürchten Experten, dass junge Kinder über soziale Netzwerke zu einer leichten Beute für Pädophile werden. Sie raten, dass Eltern darauf achten sollten, dass nur vorher autorisierte Personen mit den Kindern kommunizieren können und dass Nachrichten nicht innerhalb weniger Stunden verschwinden, wie es etwa bei Snapchat oder „Instagram Stories“ der Fall ist, sodass sie diese auch später noch lesen können.

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