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Französischer Konzern So will IT-Dienstleister Atos profitabler in Deutschland werden

Der europäische Marktführer ist besser durch die Coronakrise gekommen als viele Konkurrenten. Der Trend zum Homeoffice könnte neue Impulse bringen.
06.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Atos hat ein breites Portfolio, auch die Supercomputer der Tochterfirma Bull zählen dazu. Quelle: Bloomberg
Supercomputer von Bull

Atos hat ein breites Portfolio, auch die Supercomputer der Tochterfirma Bull zählen dazu.

(Foto: Bloomberg)

München, Düsseldorf In der Coronakrise hat mancher Manager seine Einstellung zum Thema Homeoffice geändert. Elie Girard, Chef des größten europäischen IT-Dienstleisters Atos, gehört auch dazu: „Covid hat bisherige Ansichten über Homeoffice und mobiles Arbeiten herausgefordert. Auch bei mir“, räumt der Manager ein. „Es kann sehr effizient sein, und ich habe jetzt viel mehr direkte Kundentermine als früher, als es normal war zu reisen.“

So geht es derzeit vielen Managern – und hier liegt die Chance für Atos: „Der Homeoffice-Anteil wird sich von 20 auf 40 Prozent verdoppeln“, sagt Girard. Viele Unternehmen, auch große, seien jedoch noch mit der Umstellung beschäftigt.

Der französische Konzern, der in Europa als einer der führenden Dienstleister für digitale Arbeitsplatztechnologien gilt, verzeichnet viele neue Aufträge. „Mit vielen Kunden fangen wir bei null an, um den Arbeitsplatz auf die neue Normalität vorzubereiten“, sagt Girard. Von der zweiten Infektionswelle dürfte das Geschäft weiter profitieren.

Die krisenbedingten Einbußen fängt das indes nicht vollständig auf: Im dritten Quartal sanken die Umsätze auf vergleichbarer Basis um 3,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Die Geschäfte mit Industriekunden gingen sogar um knapp 13 Prozent zurück. Dennoch ist Girard überzeugt: „Wir waren in der Krise resilienter als viele andere Unternehmen in unserer Branche.“

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    Das Portfolio von Atos ist breit: Es umfasst klassisches IT-Outsourcing, Cloud-Dienstleistungen, Cybersecurity-Lösungen und sogar Quantencomputer.

    Beschleunigter Umzug in die Cloud

    Diese Breite hilft in der Krise. So trugen die Aktivitäten im Verteidigungsbereich und dem öffentlichen Sektor dazu bei, das Geschäft zu stabilisieren. Atos leitet zum Beispiel ein EU-Pilotprojekt zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Landwirtschaft.

    Zudem zogen die Auftragseingänge bei Atos schon wieder deutlich an. Experten erwarten einen Digitalisierungsschub in vielen Branchen. „Die Corona-Pandemie führte zwar zu Verschiebungen oder gar einem Abbruch von manchen IT-Projekten, dennoch erwarten IT-Dienstleister hinsichtlich einiger Themen eine hohe Nachfrage für das aktuelle und kommende Jahr“, berichten die Marktforscher von Lünendonk in einer aktuellen Studie.

    Auch Atos-CEO Girard ist zuversichtlich: „Mittelfristig erwarten wir einen Umsatzanstieg um fünf bis sieben Prozent im Jahr. Das ist eine sehr schöne Beschleunigung“, sagt er dem Handelsblatt. Er sehe einen immer stärkeren Schub beim Umzug in die Cloud – „vor allem bei geschäftskritischen Anwendungen“. Bislang sei es vor allem um Daten gegangen, die einfach in die Cloud verlagert werden konnten und keines besonderen Schutzes bedurften. Das ändert sich jetzt.

    „Wir waren in der Krise resilienter als viele andere Unternehmen in unserer Branche“, sagt der Manager.
    Atos-Chef Elie Girard

    „Wir waren in der Krise resilienter als viele andere Unternehmen in unserer Branche“, sagt der Manager.

    Der zweite Trend, von dem Atos profitieren will, ist die steigende Nachfrage nach mehr IT-Sicherheit: „Die Cyberattacken haben in der Coronakrise zugenommen. Dadurch ist das Bedürfnis nach Cybersecurity-Lösungen noch einmal deutlich gestiegen“, sagt Girard.

    Der Trend zum Homeoffice erhöhe die Verwundbarkeit der Firmen. Es gebe zwar viele neue Regeln, es erfordere aber eine große Disziplin der Mitarbeiter, sie auch einzuhalten. „Dafür braucht es eine kulturelle Anpassung“, ist Girard überzeugt.

    Ziel von Anbietern wie Atos sei es, Attacken mithilfe von Datenanalysten schon im Vorfeld zu unterbinden. Dies gelinge in etwa 70 Prozent der Fälle, ohne dass der Nutzer etwas davon bemerke. Und erst jüngst hat der Konzern mit SEC Consult ein Beratungsunternehmen übernommen, das die Sicherheit von IT-Systemen überprüft und Kunden bei der IT-Sicherheitsstrategie berät.

    In Deutschland zählt das französische Unternehmen seit der Übernahme des IT-Geschäfts von Siemens zu den großen Anbietern. Quelle: Reuters
    Atos-Logo

    In Deutschland zählt das französische Unternehmen seit der Übernahme des IT-Geschäfts von Siemens zu den großen Anbietern.

    (Foto: Reuters)

    Geringe Profitabilität in Deutschland

    Unter den IT-Firmen in Deutschland sieht sich Atos – auch dank der Übernahme des Siemens-Geschäfts vor bald zehn Jahren – mit einem Umsatz von zuletzt knapp 2,2 Milliarden Euro alles in allem als Nummer eins. Die Experten von Lünendonk führen die Franzosen im Unter-Segment der IT-Berater und Systemintegratoren mit zuletzt 710 Millionen Euro Umsatz auf Platz sieben.

    Mit einer operativen Umsatzrendite von acht Prozent im ersten Halbjahr gehört Atos zu den profitableren IT-Dienstleistern. Für das Gesamtjahr strebt Girard 9,0 bis 9,5 Prozent an. In Deutschland sind die Margen allerdings schlechter. „Deutschland ist ein entscheidender Markt für Atos, aber unsere Profitabilität ist hier niedriger als im Rest der Welt“, räumt Girard ein.

    Einer der Gründe: Bislang hat Atos in Deutschland ein großes Geschäft mit sogenannten Managed Services, kümmert sich also im Kundenauftrag beispielsweise um den Betrieb von Rechenzentren. Künftig sollen margenträchtigere Zukunftsthemen wie Cloud, IT-Sicherheit und Quantencomputer eine wichtigere Rolle spielen.

    Ein wichtiges Standbein für Atos ist die Partnerschaft mit Siemens, die sich besser entwickelt hat, als es wahrscheinlich sogar die beiden Partner selbst erwartet hatten. Siemens hatte 2011 seine IT-Sparte SIS an die Franzosen verkauft. Als eine Art Mitgift wurden Aufträge und gemeinsame Forschungsprojekte vereinbart.

    Es zeigte sich, dass beide Seiten von der Allianz profitieren. Das gemeinsame Auftragsvolumen summierte sich über die Jahre auf mehrere Milliarden Euro. So hat Atos bei einigen Kunden bereits Mindsphere installiert, die Siemens-Plattform für das Internet der Dinge.

    Was anfangs nur den Übergang von Siemens zu Atos erleichtern sollte, ist inzwischen eine dauerhafte Beziehung geworden. Vor wenigen Wochen verlängerten die beiden Unternehmen ihre strategische Allianz um weitere fünf Jahre.

    Geplant sind gemeinsame Geschäfte im Umfang von drei Milliarden Euro. „Wir werden auch in Zukunft die Stärken und das Know-how der beiden Unternehmen bündeln, um unseren Kunden innovative digitale Lösungen anzubieten und zusätzliche Vertriebsmöglichkeiten zu nutzen“, sagte der künftige Siemens-Chef Roland Busch.

    Allerdings könnte die einstige SIS-Übernahme nach Einschätzung von Branchenkennern auch für die niedrigeren Margen hierzulande mitverantwortlich sein. Die Zahl der Mitarbeiter sei in Deutschland im Vergleich zum Umsatz relativ hoch.

    Als Vorreiter sieht sich Atos beim Thema Quantencomputer. „Wir werden die Ersten sein, die Ende des Jahres eine industrielle Applikation vorstellen, die Quantencomputer-Technologie nutzt“, sagte Girard. Es gebe derzeit viel Verwirrung im Markt und viele Ankündigungen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. „Oft werden Begriffe nicht sauber getrennt: Qbits sind keine Spins und umgekehrt.“ Atos biete mit seiner „Quantum Learning Machine“ die einzige Lösung an, „die alle Technologien unterstützt“.

    Mehr: Atos hofft auf Cloud und Quantencomputer

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