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Führungswechsel bei SAP „Wie ein Wirbelsturm“ – Jennifer Morgan ist die erste Dax-Chefin

Nach dem überraschenden Rücktritt von Bill McDermott wird die Amerikanerin erste Dax-Chefin. Wo sie und ihr Co-CEO Christian Klein bei SAP gleich gefordert sind.
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SAP: Jennifer Morgan ist die erste Dax-Chefin Quelle: SAP / Lukas Lowack
Jennifer Morgan

Die Managerin ist die erste Frau in der Geschichte des deutschen Aktienindex, die einen Dax-Konzern führt.

(Foto: SAP / Lukas Lowack)

Düsseldorf Der Karrieresprung kam plötzlich: Am Donnerstag erfuhren Jennifer Morgan und Christian Klein, dass sie gemeinsam die Führung von SAP übernehmen sollen – und zwar ab sofort. Der bisherige Vorstandschef Bill McDermott hatte sich entschlossen, seinen bis 2021 laufenden Vertrag nicht zu verlängern und seinen Posten verlassen.

Es habe intern eine Nachfolgeregelung für den Fall gegeben, dass McDermott nicht mehr weitermacht, sagte Morgan dem Handelsblatt in einem gemeinsamen Interview mit ihrem Kollegen. „Der Zeitpunkt war etwas überraschend“, gab die 48-Jährige aber zu. Die Stunden seit der Ernennung seien „wie ein Wirbelsturm“ gewesen.

In den turbulenten Zeiten ist SAP damit gleich eine doppelte Premiere gelungen. Morgan ist die erste Frau, die einen Dax-Konzern führt. Und auch Co-CEO Christian Klein kann einen Rekord aufstellen. Mit 39 Jahren ist er der jüngste Vorstandsvorsitzende.

Morgan ist eine profilierte Managerin im Konzern. Seit 15 Jahren arbeitet sie für SAP. Die Betriebswirtin machte sich schnell nach ihrem Einstieg bei SAP 2004 im Nordamerika-Geschäft einen Namen. Sie kümmerte sich um den Umgang mit Behörden, inklusive Auftritten bei der US-Regierung und vor dem Kongress.

2017 stieg sie in den Vorstand auf und übernahm gemeinsam mit Adaire Fox-Martin die Verantwortung für den globalen Vertrieb. Und seit April leitet sie die „Cloud Business Group“, in der SAP die großen Zukäufe der vergangenen Jahre bündelt – diese Einheit ist wichtig fürs Zukunftsgeschäft. Trotz wenig Erfahrung in der Produktentwicklung steuerte sie im vergangenen halben Jahr einen für den Software-Konzern zentralen Bereich.

Ihre fachliche Kompetenz paarte sie mit einem nachdrücklichen Engagement für Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Unter ihrer Führung wurden die Gehälter in den Landesgesellschaften angeglichen. Und sie verschaffte der Organisation eine Zertifizierung für Gleichstellung.

In den USA gilt sie als gut vernetzt. Das Wirtschaftsmagazin „Fortune“ führte sie auf Platz 43 der Liste der „mächtigsten Frauen“ – und das war noch vor ihrem Aufstieg an die Vorstandsspitze von SAP.

Was künftig die Schwerpunkte ihrer Arbeit sein werden, ließ sie am Freitag zunächst offen. Zusammen mit Klein hob sie hervor, dass sie zunächst die Arbeit ihres Vorgängers McDermott fortsetzen wollen. „Was die Firma braucht, ist Kontinuität“, betonte Klein.

McDermott hinterlässt einige Baustellen

Das heißt: Das Cloud Computing, bei dem Kunden Speicher, Rechenleistung oder Software übers Netzwerk verwenden, wird weiter das zentrale Element sein. McDermott habe die Neuausrichtung vorangetrieben, lobte Aufsichtsratschef Hasso Plattner in einer Mitteilung – das werde das Wachstum auf viele Jahre befeuern.

„Die Strategie funktioniert“, sagte auch Klein – das zeigten die Zahlen fürs dritte Quartal, die der Konzern zeitgleich mit den Personalien veröffentlichte: Der Umsatz wächst kräftig, die Profitabilität ebenfalls.

Derzeit ist das Management ohnehin stark im Tagesgeschäft gefordert. „Das vierte Quartal ist das wichtigste für uns, darauf fokussieren wir uns“, sagte Klein. Die Softwarebranche ist sehr zyklisch, das gilt auch für SAP: Der Vertrieb schließt viele Verträge traditionell am Jahresende ab.

Allerdings hinterlässt McDermott Klein und Morgan einige wichtige Aufgaben. So ist um die Zufriedenheit der Kunden nicht zum Besten bestellt, wie verschiedene Umfragen zeigen – im deutschsprachigen Raum vertrauen viele Unternehmen beispielsweise der Produktstrategie von SAP nicht oder nur teilweise.

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Daher ist es keine Überraschung, dass Morgan den Kundenerfolg als eines der wichtigsten Themen nannte. „In der Welt des Cloud Computing hat der Begriff eine ganze neue Bedeutung“ – es sei heute viel leichter als früher, den Anbieter zu wechseln. „Zufriedene Kunden wollen mehr mit uns machen.“

Auch die Integration der vielen Produkte, die in den letzten Jahren über Zukäufe und Neuentwicklungen ins Portfolio kamen, steht oben auf der Agenda. Daran müssen die verschiedenen Ressorts allerdings schon jetzt gemeinsam arbeiten – schließlich sollen alle Produkte eine gemeinsame Sprache sprechen.

Nachfolger für die Vorstandsressorts der beiden Manager sollen nach derzeitigem Stand nicht ernannt werden. Morgan behält die Verantwortung für die Cloud Business Group, in der SAP mehrere große Zukäufe bündelt, Klein leitet weiter die Entwicklung der Kernanwendungen wie dem Programmpaket S/4 Hana. Allerdings dürfte die Managementebene unter dem Vorstand mehr Verantwortung übernehmen, etwa die Chefs der Tochterfirmen.

Mit Klein und Morgan treten indes zwei sehr unterschiedliche Typen an: Er ist Deutscher und hat in der Konzernzentrale in Walldorf Karriere gemacht. Morgan ist Amerikanerin und hat sich in der US-Niederlassung in Newton Square profiliert. Er beschäftigt sich intensiv mit den operativen Prozessen, sie gilt als talentierte Verkäuferin. Was sie aber eint: Beide betonen die gute Zusammenarbeit.

Für SAP ist die Doppelbesetzung auf dem Chefposten nicht ungewöhnlich. Schon Mitgründer Hasso Plattner und Henning Kagermann führten die Firma eine Zeit gemeinsam, Bill McDermott hatte einige Jahre Jim Hagemann Snabe neben sich. Immer, wenn der Konzern auf dieses Modell gesetzt habe, sei er erfolgreich gewesen sagte Klein. Er sei sich sicher, dass auch dieses Mal Kunden, Partner und die Firma selbst davon profitierten.

Mehr: Von wegen schwache Konjunktur: Die IT-Dienstleister machen in Deutschland laut einer Untersuchung gute Geschäfte. Die Firmen investieren in die Digitalisierung – und SAP-Systeme.

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