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Führungswechsel Google-Gründer geben Sundar Pichai alle Macht bei Alphabet

Führungswechsel bei der Google-Mutter Alphabet: Die Gründer gehen und Shootingstar Sundar Pichai soll jetzt die Aufholjagd auf Apple und Microsoft forcieren.
04.12.2019 - 02:31 Uhr Kommentieren
Google-Chef Sundar Pichai übernimmt den Vorstandschef-Posten beim Mutterkonzern Alphabet. Quelle: AP
Sundar Pichai

Google-Chef Sundar Pichai übernimmt den Vorstandschef-Posten beim Mutterkonzern Alphabet.

(Foto: AP)

San Francisco Dramatische Veränderungen bei einem der größten Tech-Konzerne der Welt: Larry Page tritt als Vorstandschef der Google-Mutter Alphabet zurück. An seiner Stelle wird jetzt Sundar Pichai nicht nur wie bisher Google, sondern auch die Holding führen. Das teilten die beiden Gründer von Google, Page und Sergey Brin, in einem Blogpost am Dienstag mit.

„Jetzt, wo die Holding (Alphabet) gut etabliert ist und Google und die anderen Unternehmen effektiv arbeiten, ist es nur natürlich, die Managementstruktur zu vereinfachen“, so die Gründer. „Wir waren nie Menschen, die an ihren Managementrollen festgehalten haben, wenn es bessere Möglichkeiten gibt, das Unternehmen zu führen.“

Page und Brin werden im Aufsichtsrat von Alphabet weiter aktiv sein und sich „regelmäßig“ mit Pichai besprechen, heißt es. Brin war bislang Präsident bei Alphabet und wird diesen Posten ebenfalls aufgeben.

Seit 2019 kaum noch in der Zentrale

Die Stabübergabe kommt nicht ganz unerwartet, aber überraschend zu diesem Zeitpunkt. Die beiden 46-jährigen Milliardäre Page und Brin, die zusammen auf ein Vermögen in Aktien von mehr als 100 Milliarden Dollar kommen, hatten sich nach der Holding-Gründung 2015 immer mehr zurückgezogen. Seit Anfang 2019 hatten sie sich kaum noch in der Zentrale in Mountain View sehen lassen, zuletzt nur noch zum wöchentlichen Mitarbeitertreffen am Freitag, berichten Insider. Jetzt geben zwei der mächtigsten Menschen der Welt ihre Macht freiwillig praktisch vollständig ab.

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    Mit der Reorganisation werden der Online-Suchmaschinen- und Werbegigant Google und sein CEO wieder an die oberste Stelle des Unternehmens zurückgebracht. Google ist mit Abstand das größte Unternehmen von Alphabet und erzielte, mit der Videoplattform Youtube und dem Smartphone-Betriebssystem Android, den Großteil des Quartalsumsatzes von 40,5 Milliarden Dollar und praktisch alleine den jüngsten Quartalsgewinn von 7,07 Milliarden Dollar.

    Die Gründer werden im Aufsichtsrat von Alphabet weiter aktiv sein und sich „regelmäßig“ mit Pichai besprechen. Quelle: Reuters
    Larry Page und Sergey Brin (v.l., Archivbild)

    Die Gründer werden im Aufsichtsrat von Alphabet weiter aktiv sein und sich „regelmäßig“ mit Pichai besprechen.

    (Foto: Reuters)

    Pichai ist jetzt neben Microsoft-Chef Satya Nadella der zweite CEO mit indischen Wurzeln, der eines der Top fünf Börsenunternehmen der Welt führt. Dennoch ist die Veränderung bei Alphabet nicht vergleichbar mit dem Führungswechsel bei Microsoft, als Nadella die Führung von Steve Balmer übernahm.

    Analysten erwarten keinen radikalen Richtungswechsel

    Nadella verwandelte Microsoft von einem Software-Verkäufer in ein „Mobile first – Cloud first“-Unternehmen. Pichai muss nicht, wie Nadella bei Microsoft, ein erkennbar aus der Bahn geworfenes Unternehmen mit Produktproblemen grundüberholen. In einer eigenen E-Mail – neben dem Statement der Gründer – versicherte Pichai den Mitarbeitern am Dienstag, dass sich weder „die Struktur von Alphabet noch das Tagesgeschäft erkennbar ändern werden“.

    Die meisten Aktien-Analysten an der Wall Street sehen in ersten Statements den Wechsel ähnlich. Sie erwarten keinen gravierenden Umbau oder Richtungswechsel des Unternehmens. Nachbörslich stieg die Aktie zeitweilig um mehr als ein Prozent an. Seit Jahresbeginn hat sie gut 24 Prozent zugelegt.

    Aber Google hat noch erheblichen Nachholbedarf, vor allem angesichts der starken Erholung Microsofts aus dem belanglosen Börsenmittelfeld zum zeitweise wertvollsten Unternehmen der Welt mit mehr als einer Billion Dollar Börsenbewertung. Googles Börsenbewertung zum Handelsschluss am Dienstag lag bei 892 Milliarden Dollar. Microsoft kam auf 1,13 Billionen Dollar und lag damit fast gleichauf mit Apple (1,17 Billionen).

    Apple greift jetzt aggressiv mit seinem Online-Videodienst Apple TV+ Googles Youtube an. Trotz hoher Investitionen in die eigene Smartphone-Marke „Pixel“ hat Google zudem nie auch nur ansatzweise zu Apples iPhone aufschließen können. Das haben Unternehmen wie Samsung oder Huawei übernommen.

    Das größte Problem ist jedoch der Rückstand im Wachstumsbereich der IT-Industrie, dem Cloud Computing. Google kommt hier nur auf den dritten Platz weltweit. Laut den Marktforschern von Canalys ist der Markt für Cloud-Infrastruktur im dritten Quartal weltweit um 37 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar gewachsen.

    Beim Cloud Computing muss Google aufholen

    Marktführer Amazon (AWS) wuchs dabei um 35 Prozent, wurde aber ausgebremst von Microsoft, der Nummer zwei, mit 59 Prozent und dem, noch abgeschlagenen, Dritten Google mit plus 69 Prozent. Pichais Aufgabe ist es nun, in einem Gewaltakt wenigstens Microsoft als Nummer zwei abzulösen und die Cloud als dringend benötigtes zweites Standbein neben der Online-Werbung zu etablieren.

    Außerdem wird er sich jetzt als Gesicht von Alphabet mit den Altlasten von Page und Brin und neuen Problemen identifizieren müssen: Die Belegschaft ist in Aufruhr wegen ungeliebter Cloudgeschäfte mit dem Verteidigungsministerium, Skandale um zweifelhafte Deals mit Ex-Angestellten, die wegen interner Verfehlungen gehen mussten, und üppige Abschiedspakete von den Gründern führten zu einem wütendem „Walkout“, einer Arbeitsniederlegung, an der weltweit fast 20.000 Mitarbeiter teilnahmen.

    Daneben fiel Google unangenehm mit mittlerweile eingestellten Plänen auf, eine zensierte Version der Suchmaschine nur für den chinesischen Markt zu entwickeln. Die Videotochter Youtube muss sich immer wieder vorwerfen lassen, bei Themen wie Kindesmissbrauch und radikalen Inhalten nicht konsequent genug vorzugehen.

    Der Senkrechtstarter Pichai, erst seit 2004 bei Google, ist nun auch direkter Ansprechpartner für Staaten und Regierungen auf allen Ebenen, wobei es immer wieder um Datenschutz und auch Wettbewerbs-, Monopolfragen und Steuerprobleme geht. Google soll seine Marktmacht missbraucht und Wettbewerber benachteiligt haben. Das Klima für Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon wird weltweit immer rauer. Pichai muss Google jetzt alleine durch die schwere See steuern.

    Mehr: 41 Preisvergleichsdienste werfen Google wettbewerbsschädigendes Verhalten vor. Sie drängen auf eine erneute Prüfung einer EU-Kartellentscheidung.

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