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Führungswechsel Sundar Pichai übernimmt zu einem kritischen Zeitpunkt die Kontrolle bei Google

Der Abgang der Gründer kommt für Google in einer angespannten Situation. Längst hat sich der Konzern verändert: Die Praxis, Probleme intern zu regeln, stößt an ihre Grenzen.
04.12.2019 Update: 04.12.2019 - 17:31 Uhr Kommentieren
Seit der Manager 2004 in das Unternehmen kam, ist ihm ein schneller Aufstieg gelungen. Quelle: AFP
Sundar Pichai

Seit der Manager 2004 in das Unternehmen kam, ist ihm ein schneller Aufstieg gelungen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf, San Francisco Geräuschloser kann ein Führungswechsel kaum ablaufen. Google-Chef Sundar Pichai übernimmt künftig auch die Führung der Alphabet-Holding. Das haben die Gründer Larry Page und Sergey Brin am Dienstag in einem Blogeintrag mitgeteilt – sie treten damit von ihren Positionen als Vorstandschef und Präsident des Konzerns zurück. „Wir waren nie Menschen, die an Managementpositionen gehangen hätten, wenn es einen besseren Weg gibt, das Unternehmen zu führen“, schreiben sie.

Der „bessere Weg“ sieht aus ihrer Sicht so aus, dass Pichai auch Ansprechpartner für die anderen Alphabet-Unternehmen wird, etwa Waymo, das selbstfahrende Autos entwickelt, und Calico, das auf Biotechnologie spezialisiert ist. Google ist mit der Suchmaschine und dem Werbegeschäft ohnehin mit Abstand das größte, bekannteste und wirtschaftlich wichtigste Unternehmen der 2015 eingerichteten Gruppe.

Die Gründer ordnen die vergangenen Jahre rückblickend daher als eine Übergangsphase ein: „Jetzt, wo die Holding gut etabliert ist und Google und die anderen Unternehmen effektiv arbeiten, ist es nur natürlich, die Managementstruktur zu vereinfachen“, schreiben sie.

Die Entscheidung fällt in einer angespannten Situation für das Unternehmen. Das Geschäft läuft zwar ausgezeichnet, der Aktienkurs steht fast auf dem Allzeithoch, wofür Pichai als Chef von Google maßgeblich verantwortlich ist.

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    Allerdings üben Politiker und Wettbewerbshüter von außen Druck auf den Konzern aus, während von innen die Kritik der Mitarbeiter zuletzt immer lauter geworden ist – das ist für den Internetkonzern, der für seine Start-up-Kultur bekannt ist, sehr ungewöhnlich.

    Das Vertrauen in die Führung hat unter anderem gelitten, seit eine Zusammenarbeit mit dem Pentagon bekannt wurde – Algorithmen von Google sollten in Drohnenprojekten zum Einsatz kommen. Der Internetkonzern hatte bisher den Ruf als Unternehmen, bei dem Mitarbeiter intern Kritik üben dürfen, doch mittlerweile dringen vermehrt Sorgen um diese Kultur an die Öffentlichkeit.

    Als einschneidend wurden etwa die neuen Regeln für die kulturstiftende Mitarbeiterversammlung TGIF empfunden, die Pichai kürzlich mitgeteilt hat. Bisher durfte jeder Mitarbeiter dort jede Woche unzensiert Fragen an das Management richten. Künftig soll es das Treffen nur noch monatlich geben, und Fragen sollen nur noch zu vorgegebenen Themen zugelassen sein. Google ist ein normaler Großkonzern geworden.

    Pichai selbst will an die großen Linien seiner Vorgänger anknüpfen. Er sei begeistert von Alphabets langfristiger Fokussierung, „große Herausforderungen mit Technologie anzugehen“, schrieb er auf Twitter: „Dank Larry und Sergey haben wir eine zeitlose Mission, bleibende Werte und eine Kultur von Zusammenarbeit und Forschung – eine starke Basis, auf der wir weiter aufbauen werden.“

    Nach den Geschehnissen der letzten Wochen werden einige Mitarbeiter das mit Stirnrunzeln lesen. Fast zeitgleich mit der offiziellen Bekanntgabe der Personalie teilten vier vergangene Woche entlassene Angestellte mit, bei der US-Arbeitsschutzbehörde Klage einzureichen. Google wirft ihnen Verstöße gegen Datensicherheit vor.

    Die Ingenieure hingegen sehen sich für ihr Engagement bei der Selbstorganisation von Mitarbeitern bestraft. In einem offenen Brief erklärten sie: „Wir sind aufgestanden, um unseren Kollegen zu helfen, sich zu organisieren, um für einen sichereren, faireren und ethischeren Arbeitsplatz einzutreten.“ Erstmals hatten Mitarbeiter weltweit vor einem Jahr öffentlich angeprangert, dass Kollegen in schwierigen Lebenssituationen nicht gut genug geschützt würden.

    Neues Verfahren der EU

    Die offene Kultur einerseits und die gute Bezahlung andererseits haben lange dafür gesorgt, dass Mitarbeiter Probleme nicht nach außen trugen, sondern mit internen Übereinkünften zufrieden waren. Doch das System scheint an seine Grenzen gekommen zu sein, seit auch die Kritik von außen nicht mehr abebbt. Wettbewerbshüter in Europa und den USA strengen eine Untersuchung nach der anderen an.

    In der vergangenen Woche gab die EU-Kommission neue Ermittlungen bekannt, dieses Mal geht es um die Sammlung und Verwendung von Daten. Firmen, mit denen das Unternehmen kooperiert, wurden um Auskunft über Absprachen gebeten.

    Die immer neuen Verfahren und Strafen werden bei den Mitarbeitern kritisch gesehen. „Es herrscht definitiv das Gefühl, betrogen zu werden“, sagte eine ehemalige Mitarbeiterin dem Handelsblatt.

    Einige Beobachter vermuten, dass die beiden Gründer fliehen – vor den Mitarbeitern, vor Wettbewerbsuntersuchungen oder vor Ermittlungen zu Verwerfungen in Führungsgremien. Fakt ist, dass sie sich schon länger zurückgezogen haben: Zuletzt seien die beiden nur noch beim Mitarbeiter-Wochenausklang in der Zentrale in Mountain View gesehen worden, heißt es intern. Auch an Konferenzen mit Investoren hat sich Alphabet-Chef Page nicht mehr beteiligt. Es gilt als typisch für Google, dass Änderungen erst dann offiziell bekundet werden, wenn sie de facto bereits umgesetzt sind.

    Ob sich mit dem offiziellen Abtritt wirklich etwas ändert, ist deshalb umstritten. Denn Page und Brin werden künftig weiter im Aufsichtsrat von Alphabet aktiv sein und wollen Pichai regelmäßig als Berater zur Seite stehen.
    Die Aktionäre zeigten sich unbeeindruckt. Nach der Ankündigung Dienstagnachmittag legte der Kurs nachbörslich leicht zu.

    Der Personalwechsel sei nicht überraschend, da Pichai in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle gespielt habe, sagte Gene Munster vom Risikokapitalgeber Loup Ventures dem TV-Sender CNBC. Google sei zudem in einer neuen Phase: Es gehe darum, das Unternehmen in einer komplexen politischen und regulatorischen Lage zu navigieren.

    Eine Konsolidierung der Macht erwartet Kevin Rippey von Evercore ISI. Bislang sei Alphabet durch eine gewisse Fragmentierung der organisatorischen Struktur und teils auch der strategischen Vision gekennzeichnet, sagte der Analyst gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Auch wenn die beiden Gründer weiterhin die Mehrheit der Stimmaktien halten, könnten Entscheidungen künftig schneller fallen.

    Mehr: Larry Page und Sergey Brin ziehen sich aus der Führung des Google-Mutterkonzerns zurück. Präsent waren sie dort ohnehin schon lange nicht mehr.

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