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Fusion mit Sprint T-Mobile will Amerikas Mobilfunkmarkt verändern – und geht dafür ein Risiko ein

Selbst wenn die Telekom-Tochter alle Hindernisse ausräumen kann, ist der Deal mit dem Justizministerium riskant. Denn T-Mobile muss dabei helfen, einen neuen Konkurrenten aufzubauen.
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Beide Mobilfunkunternehmen sind aktuell der dritt- und der viertgrößte Anbieter auf dem US-amerikanischen Markt. Quelle: Reuters
T-Mobile und Sprint

Beide Mobilfunkunternehmen sind aktuell der dritt- und der viertgrößte Anbieter auf dem US-amerikanischen Markt.

(Foto: Reuters)

New York, Düsseldorf Erleichtert und gut gelaunt kam John Legere zur Analystenkonferenz. Der Chef von T-Mobile USA trägt – wie immer – ein T-Shirt in der Konzernfarbe Magenta, dazu der silberne Batman-Ring an der linken Hand. „Es hat länger gedauert, als einige erwartet haben“, räumte er ein. „Doch das heutige Ergebnis ist ein Gewinn für alle Seiten.“

Am Freitag einigte sich T-Mobile nach langem Ringen mit dem US-Justizministerium. Die Telekom-Tochter darf den Wettbewerber Sprint übernehmen, muss dafür aber große Zugeständnisse machen und weitere juristische Hürden überwinden, bevor das ambitionierte Projekt endlich Wirklichkeit werden kann.

Legere ist nach der Vereinbarung einen großen Schritt weiter. Doch selbst wenn alles nach Plan läuft, steht T-Mobile vor einem schwierigen Spagat: Mit dem Justizministerium hat das Unternehmen eine kuriose Struktur ausgehandelt. T-Mobile und Sprint müssen nicht nur Unternehmensteile abgeben, sondern auch dabei helfen, einen neuen Wettbewerber aufzubauen.

Der Satellitenbetreiber Dish übernimmt für mehrere Milliarden Dollar Prepaid-Kunden und Frequenzen von T-Mobile und Sprint, als eine Art Starthilfe. Auch darf Dish sieben Jahre lang das gesamte Netz des neuen T-Mobile-Konzerns mitnutzen, ebenso wie eine Reihe von Funktürmen. Auch in Hunderten T-Mobile-Läden sollen Dish-Kunden bedient werden dürfen.

Dish hat zwar in den vergangenen Jahren bei Auktionen Spektrum im Wert von 21 Milliarden Dollar ersteigert. Doch das Unternehmen bietet derzeit Satellitenfernsehen und einen TV-Streaming-Dienst an und ist ein kompletter Neuling im Mobilfunk.

Vierter Wettbewerber soll entstehen

Den Wettbewerbshütern war es wichtig, dass ein starker vierter Wettbewerber im Markt entsteht, um den Verbrauchern genügend Auswahlmöglichkeiten zu lassen und steigende Preise möglichst zu verhindern. Bislang ist T-Mobile die Nummer drei und Sprint die Nummer vier, hinter Verizon und AT&T. Sollten T-Mobile und Sprint wie geplant fusionieren, dann hätten 95 Prozent der amerikanischen Handybesitzer nur noch drei Anbieter zur Auswahl.

„Dish hat eine große Chance, ein glaubwürdiger vierter Mobilfunkanbieter zu werden. Das wird jedoch nicht zu Lasten unserer Ambitionen geschehen“, sagte Leger am Freitag. Doch mit dem Deal begibt sich T-Mobile auf eine Gratwanderung. Sie muss dabei helfen, den neuen Konkurrenten aufzubauen, doch er darf nicht zu stark werden. Gleichzeitig muss der Zusammenschluss mit Sprint gelingen. Jeffries-Analyst Ulrich Rathe hält die Ausführung für eine „riesige Herausforderung“, wie er in einer aktuellen Analyse an seine Kunden schrieb.

Bis es zur Ausführung kommt, muss T-Mobile jedoch noch eine wichtige juristische Hürde nehmen. Die 14 Bundesstaaten, die Klage gegen den Zusammenschluss eingereicht hatten, wollen an ihrem Widerstand festhalten, wie sie am Freitag ebenfalls mitteilten. Die Gruppe demokratischer Staaten wird angeführt von den Generalstaatsanwälten aus New York und Kalifornien. „Dieser Deal ist schlecht für die Verbraucher“, kritisierte die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James.

Sie geht davon aus, dass die Preise steigen werden. Besonders einkommensschwache Mobilfunkkunden würden darunter leiden. „Dass die Regierung einfach so einen vierten Wettbewerber zusammenschustert, reicht nicht, um die negativen Effekte wieder wett zu machen.“ Sie bezweifele zudem, dass es Dish schaffen werde, den anderen Unternehmen ernsthaft Konkurrenz zu machen.

Unterstützung bekamen die Staaten auch aus der Politik. Die demokratische Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren kritisierte auf Twitter: „Diese Fusion wird Tausende Jobs kosten, die Löhne senken und den Wettbewerb in einer Branche senken, die ihn dringend nötig hat.“

Leger gab sich zuversichtlich, eine Lösung für die Bundesstaaten zu finden. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir finden, was nötig ist, um ihre Unterstützung zu bekommen“, so Legere. T-Mobile hat sich bereits zu einer Reihe von Zugeständnissen bereit erklärt, darunter Job-Garantien und die Einrichtung von neuen Call-Centern, was zusätzliche Stellen schaffen würde.

Der Prozessbeginn ist derzeit für Anfang Oktober vorgesehen, könnte sich jedoch noch einmal auf Dezember verschieben, falls sich die Parteien nicht doch noch außergerichtlich einigen.

Mehr: Die Fusion der US-Tochter T-Mobile mit Sprint ist ein wichtiges Ziel für Telekom-Chef Timotheus Höttges. Damit will er sich ein Denkmal setzen.

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