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Fusionen und Übernahmen Kreditplattform Smava übernimmt Finanzcheck – und könnte Einhorn-Status erreicht haben

Das Berliner Fintech kauft seinen Konkurrenten Finanzcheck. Das bringt die Kreditplattform wohl in die Nähe einer Milliarden-Dollar-Bewertung.
12.02.2021 - 10:30 Uhr Kommentieren
Der Mitgründer und CEO von Smava sieht für seinen digitalen Ansatz noch großes Wachstumspotenzial. Foto: Smava
Alexander Artopé

Der Mitgründer und CEO von Smava sieht für seinen digitalen Ansatz noch großes Wachstumspotenzial.

Foto: Smava

Berlin, Frankfurt Die Konsolidierung unter den jungen Fintech-Unternehmen in Deutschland nimmt Fahrt auf. Die Berliner Kreditvergleichsplattform Smava kauft einen wichtigen Wettbewerber: „Smava übernimmt Finanzcheck zu 100 Prozent und wird dadurch zur führenden Spezialplattform für Konsumentenkredite in Deutschland“, sagt Alexander Artopé, Mitgründer und CEO von Smava, dem Handelsblatt. Zwar wurde über die Konditionen des Deals Stillschweigen vereinbart, doch das Finanztechnologie-Start-up (Fintech) dürfte damit eine Bewertung nahe der prestigeträchtigen Marke von einer Milliarde Euro erreichen.

Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, zahlt Smava knapp 200 Millionen Euro für den Wettbewerber. Finanziert wird die Übernahme von den Bestandsinvestoren und dem Kreditgeber Proventus Capital Partners, zudem wird der Verkäufer Speedster Bidco, ein von der Private-Equity-Gesellschaft Hellman & Friedman kontrolliertes Unternehmen, Minderheitsinvestor von Smava. Es soll sich dabei ebenfalls laut den informierten Kreisen um eine Beteiligung von mehr als zehn Prozent handeln.

Im vergangenen Jahr haben die beiden Firmen nach Unternehmensangaben gemeinsam ein Kreditvolumen von deutlich über vier Milliarden Euro vergeben, davon entfallen 65 Prozent auf Smava. „In der Corona-Pandemie waren Kunden und Banken bei Krediten zunächst zurückhaltender“, sagt Artopé zum aktuellen Geschäft. Nachholeffekte im laufenden Jahr hält er für möglich.

Smava startete 2007 als Vergleichsportal für Kreditprodukte und machte unter anderem mit Kampfkonditionen von sich reden: 2019 etwa mit dem Negativzins-Kredit, bei dem man von geliehenen 1000 Euro nur 893,64 Euro zurückzahlen musste. Durch digitale Prozesse bietet Smava einen Überblick über 70 Kredite zwischen 1000 und 120.000 Euro von mehr als 20 Banken und Kreditvergabepartnern an. Seit dem Marktstart von Smava sollen mehr als 500.000 Konsumenten auf der Plattform Kredite verglichen und abgeschlossen haben.

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    Das Neukreditvolumen pro Jahr im Konsumentenmarkt in Deutschland wird auf 228 Milliarden Euro beziffert. CEO Artopé sieht für seinen digitalen Ansatz noch großes Wachstumspotenzial, denn der Markt sei noch jung. „Nur 15 Prozent der Kredite werden online vergeben“, sagt Artopé.

    „Wir gehen davon aus, dass sich der Online-Anteil in den nächsten fünf Jahren auf mehr als 50 Prozent steigern lässt.“ Ähnliche Anteile würden auch in Skandinavien und Großbritannien erreicht. Durch die Übernahme wolle Smava auch die Angebotspalette erweitern und die Konditionen für Kunden verbessern.

    Finanzcheck wurde 2011 in Hamburg gegründet und verfolgt einen bankenübergreifenden Beratungsansatz. Das Unternehmen gehörte zeitweise zum Internetportalbetreiber Scout24. Ende 2019 wurde Finanzcheck zusammen mit der Gebrauchtwagenplattform Autoscout24 für 2,9 Milliarden Euro an Hellman & Friedman verkauft. Über die Plattform wurden unter anderem Kredite für den Autokauf vermittelt. Smava kooperiert seinerseits in diesem Geschäft mit dem Portal Mobile.de.

    Börsengang dürfte sich verzögern

    Der Gründer und CEO von Finanzcheck, Moritz Thiele, sowie Andreas Kupke, Chef für das operative Geschäft, werden nach Abschluss der Transaktion von ihren Posten zurücktreten. Der Kaufvertrag wurde am Donnerstag unterschrieben, die Transaktion soll Ende Februar abgeschlossen sein.

    Zu einem möglichen Börsengang wollte sich Alexander Artopé, der künftig CEO der fusionierten Firmen sein wird, nicht äußern. Investmentbanken in Frankfurt gehen davon aus, dass die Finanzcheck-Übernahme den IPO eher bis zum Jahr 2022 hinauszögert.

    Die Bestandsinvestoren, zu denen Earlybird, Vitruvian Partners, Verdane Capital und Runa Capital zählen, haben bisher insgesamt 159 Millionen US-Dollar in Smava investiert. Diese Summe zuzüglich der Transaktionssumme ist ein starkes Indiz, dass das Fintech die Bewertung von einer Milliarde Dollar und damit den Einhorn-Status erreicht haben könnte. In den vergangenen fünf Jahren benötigten Start-ups in Deutschland im Schnitt 250 Millionen Dollar, um die Schwelle zu übertreten.

    Laut Earlybird-Partner Christian Nagel werden Fintechs wie Smava immer mehr zum Problem für die traditionellen Banken: „Aus unserer Sicht verlieren die Banken immer mehr die Kundenschnittstelle, weil sie nicht transparent, spezialisiert und schnell genug sind“, sagt er. „Bei Smava merkt der Kunde praktisch nicht mehr, von welcher Bank er den Kredit bekommt – er hat seinen Ansprechpartner bei Smava, der auch den Papierkram weitgehend für ihn erledigt“

    Anstoß für die Gründung von Smava sei 2007 die Intransparenz im Markt gewesen, die Artopé beobachtet habe. Die Kreditmärkte seien „für den Kunden überhaupt nicht fair gestaltet“ gewesen, sagt er. Kunden hätten Schwierigkeiten, eine Vergleichbarkeit der Angebote herzustellen, und dadurch einen Informationsnachteil.

    Weil viele Menschen nicht wüssten, wie ein Kredit berechnet wird, spielten Smavas Kreditberater eine wichtige Rolle. „Wenn ein Kunde bei der Kreditwahl danebenlangt, kostet das schnell 1000 Euro“, sagt der CEO. Für Speedster war Macquarie Capital beratend tätig, für Smava die US-Großbank Citi.

    Mehr: Die neuen Einhörner: Was deutsche Tech-Start-ups so stark macht.

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