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Galileo Deutsches Raumfahrtunternehmen OHB verliert überraschend wichtigen Auftrag für Satellitensystem

Harter Rückschlag für OHB: Der Bremer Konzern baut nach zehn Jahren keine Satelliten für die europäische GPS-Alternative Galileo mehr. Die Rüstungskonzerne Airbus und Thales erhalten den Auftrag.
19.01.2021 - 16:26 Uhr Kommentieren
OHB verliert mit dem Auftrag Umsatz und Prestige. Quelle: Ulrich Baumgarten/Getty Images
Bau eines Galileo-Satelliten in Bremen

OHB verliert mit dem Auftrag Umsatz und Prestige.

(Foto: Ulrich Baumgarten/Getty Images)

Brüssel, Hamburg Der führende deutsche Satellitenbauer OHB verliert seinen prestigeträchtigsten Großauftrag: Die Bremer unterliegen im Bieterwettbewerb um die zweite Generation der europäischen GPS-Alternative Galileo. OHB hatte in den vergangenen zehn Jahren alle bisherigen Satelliten des Navigationssystems gebaut. Die Entscheidung der EU-Kommission ist zugunsten der Rüstungskonzerne Airbus und Thales gefallen. Das erfuhr das Handelsblatt am Dienstag aus Kreisen der Kommission. Über die Gründe, den Zuschlag Airbus und Thales zu geben, wurde nichts bekannt.

Die Niederlage für OHB kommt überraschend. Das Unternehmen aus Bremen galt bislang als wahrscheinlichster Kandidat für den Auftrag. Dieser liegt nach Angaben von Insidern in Brüssel im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Die OHB-Aktie hatte in den vergangenen Tagen bereits bemerkenswert zugelegt. Innerhalb von gut einer Woche stieg der Kurs um zehn Euro auf rund 49 Euro. Als Grund gelten neben Spekulationen um einen ungenannten Satelliten-Großkunden auch die großzügigen Budgetpläne der europäischen Weltraumagentur Esa. Durch die Brüsseler Entscheidung dürfte der Aktie nun ein Rückschlag drohen.

Für OHB ist Galileo bislang nicht nur ein Umsatzbringer, sondern auch ein Prestigeauftrag. Der Zuschlag hatte 2010 den Aufstieg des börsennotierten Familienunternehmens in die erste Liga der europäischen Raumfahrtzulieferer, die ganze Großvorhaben stemmen können, markiert. 22 OHB-Satelliten sind für Galileo bereits im All, zwölf weitere bereits fertiggestellt oder kurz vor der Endmontage. Damit stammen alle Satelliten der ersten Stufe von OHB.

Ein Unternehmenssprecher sagte, OHB habe noch keine Kenntnis über den Ausgang des Wettbewerbs. Die offizielle Entscheidung werde noch erwartet.

Die ersten Satelliten der neuen Generation sollen bereits 2024 ins All gebracht werden. Quelle: dpa
Galileo-Satellit

Die ersten Satelliten der neuen Generation sollen bereits 2024 ins All gebracht werden.

(Foto: dpa)

Die Kommission wird dem Vernehmen nach ihre Entscheidung gegen den deutschen Anbieter voraussichtlich erst Ende Januar bekanntgeben. Bei der Entscheidung zugunsten von Airbus und Thales haben allerdings keine nationalen Gründe den Ausschlag gegeben. Entscheidend sei die Bewertung durch eine Jury unter dem Dach der Esa, berichten Insider in Brüssel. Bei der Weltraumagentur fungiert der frühere Präsident der TU Darmstadt, Johann-Dietrich Wörner, seit fünf Jahren als Generaldirektor.

Die formelle Entscheidung hat am Ende die EU-Kommission unter Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton vorgenommen. Es sei eine klare Entscheidung unter den drei Wettbewerbern gewesen, hieß es in Kommissionskreisen. Eine offizielle Bestätigung seitens der EU-Exekutive gab es am Dienstag allerdings noch nicht.

120 OHB-Mitarbeiter haben an Projekt gearbeitet

Die ersten Satelliten der neuen Generation sollen bereits 2024 ins All gebracht werden. Breton gilt als Treiber einer europäischen Raumfahrtpolitik, um die Position in der Digitalwirtschaft im weltweiten Wettbewerb zu verbessern.

Der Verlust des wichtigen Projekts dürfte für OHB eine herbe Enttäuschung werden. Wegen der für die Branche großen Stückzahl kann das Unternehmen die Erdtrabanten am Standort Bremen inzwischen fast wie in Serie produzieren. 120 der 1100 Mitarbeiter am Stammsitz beschäftigen sich nur mit dem Projekt. 1,3 Milliarden Euro Auftragsvolumen kamen über die Jahre zusammen.

Bislang zeigte sich der Satellitenhersteller stets optimistisch, erneut den Zuschlag für Galileo zu erhalten – auch wegen des in den vergangenen Jahren aufgebauten Know-hows bei dem Projekt. „Kombiniert mit unseren Ideen, den erarbeiteten Konzepten und der Absicht, auch weiterhin entscheidend zu Galileo beitragen zu wollen, können wir mit Sicherheit wieder ein attraktives Angebot abgeben“, sagte etwa OHB-Vorstand Wolfgang Paetsch vor zwei Jahren über die Bewerbung.

Auch im Geschäftsbericht 2019 hieß es: „OHB ist mit dem großen Erfolg der bisherigen Lose und den intensiven Vorbereitungsarbeiten für die nächste Generation nach Einschätzung des Vorstands sehr gut positioniert.“ Das Unternehmen erwartete demnach Aufträge aus dem Programm, die zu „überdurchschnittlichen Auftragseingängen“ führen sollten.

Offenbar überzeugte das Argument der Erfahrung die Esa jedoch für die geplante völlig neu konzipierte Tranche der Galileo-Satelliten nicht.

OHB kann den Rückschlag jedoch teilweise auffangen. Die Bremer haben in den vergangenen Jahren den Zuschlag für weitere Esa-Projekte erhalten – zuletzt im vergangenen Sommer für Satelliten zur CO2-Messung im Rahmen des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Dabei geht es um ein Auftragsvolumen von 445 Millionen Euro.

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Auch bei Programmen wie der Asteroidenabwehr Hera, der Suche nach Exoplaneten im Programm Plato und bei Wettersatelliten ist OHB dabei. Ansonsten produziert OHB auch für private Auftraggeber und gehört mit seiner Augsburger Rocket Factory zu den deutschen Hoffnungsträgern für die neue Generation von kleinen Nutzraketen, den Micro-Launchern.

OHB kann in Zukunft auf weitere Esa-Aufträge hoffen. Ende des vergangenen Jahres hatte die Europäische Raumfahrtagentur den Auftrag für eine rund sieben Millionen Euro teure Machbarkeitsstudie für ein drittes großes europäisches Satellitenprogramm an ein Konsortium europäischer Raumfahrtunternehmen initiiert, zu denen nach Unternehmensangaben auch OHB gehört.

Die EU plane, eine Flotte Tausender kleiner Satelliten zu entwickeln, um flächendeckendes Internet aus dem All anbieten zu können, berichtete OHB zuletzt. Aus der Sicht von EU-Kommissar Breton ist das Vorhaben, eine eigene Satellitenkonstellation im niedrigen Orbit aufzubauen, insbesondere für Telekommunikation, Luftfahrt, Landwirtschaft oder die Industrie 4.0 mit dem Internet der Dinge sehr wichtig.

OHB kam 2019 auf eine Milliarde Euro Umsatz. Der Konzern beschäftigt 3000 Mitarbeiter. 1985 starteten der bereits verstorbene Firmengründer Manfred Fuchs und seine Frau Christa das Raumfahrtgeschäft in Bremen – und formten es zum ersten privaten deutschen börsennotierten Satellitenhersteller. Inzwischen führt das Geschäft ihr Sohn Marco Fuchs, Christa Fuchs ist Aufsichtsrätin.

Mehr: OHB – Die Billigrakete vom Fließband

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