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Games-Branche Bund fördert Computerspielebranche langfristig

Der Haushaltsausschuss hat die Games-Förderung über 2020 hinaus festgeschrieben. Damit reagiert die Politik auf Forderungen nach mehr Planbarkeit.
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Der Bundesverkehrsminister hatte auf der Spielemesse Gamescom versprochen, die Spieleförderung doch noch im Haushaltsplan unterzubringen. Quelle: dpa
Andreas Scheuer

Der Bundesverkehrsminister hatte auf der Spielemesse Gamescom versprochen, die Spieleförderung doch noch im Haushaltsplan unterzubringen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Entwicklung von Computerspielen aus Deutschland soll nun doch weiter aus Bundesmitteln gefördert werden. Die Spielebranche bekommt 2020 erneut 50 Millionen Euro. Der Posten hatte überraschend im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr gefehlt, nachdem die Spielebranche in diesem Jahr erstmals eine Förderung erhalten hatte. Verkehrs- und Finanzministerium hatten sich dafür gegenseitig die Schuld gegeben. Nun hat der Haushaltsausschuss am Donnerstag die Vorentscheidung korrigiert und die Fortsetzung sogar bis 2023 beschlossen.

„Da eine Fortschreibung nicht im Entwurf der Regierung berücksichtigt wurde, haben wir nun dafür gesorgt, dass die Branche auch weiterhin von uns diese wichtige Förderung erhält und damit als Motor der Kreativindustrie – wirtschaftlich wie künstlerisch – weiter wächst“, sagte der CDU-Politiker Rüdiger Kruse, der Hauptberichterstatter für Verkehr und digitale Infrastruktur im Haushaltsausschuss ist.

Mit dem Geld sollen deutsche Spieleunternehmen endlich vom Boom der Gamesbranche profitieren. Nach Zahlen des Branchenverbands Game ist der Umsatz mit Spielesoftware in Deutschland 2018 um neun Prozent auf rund 4,4 Milliarden Euro gewachsen, der Anteil deutscher Produktionen aber ebenso gesunken wie die Zahl der Beschäftigten, die Spiele hierzulande entwickeln und vertreiben.

Ein Standortnachteil ist die Finanzierungssituation: „Wir haben seit Sommer mehrere Hundert Spiele evaluiert, deutsche Produktionen sind im Schnitt um ein Drittel teurer“, sagt Oliver Redelfs vom privaten Investor Game Seer Venture Partners. „Nur durch ein staatliches Fördersystem aus Regional- und Bundesförderung sind deutsche Produktionen von ihren Entwicklungskosten überhaupt international konkurrenzfähig.“  

Der Bund will seinen Anteil nun beitragen. Befürworter der Spielebranche versprechen sich aber auch positive Effekte für andere Sektoren. „Diese Branche holt und bindet Kreative an den Standort Deutschland“, sagte Kruse dem Handelsblatt.

Dieser „kreative Pool“ habe auch Strahlkraft über die Branche hinaus: „Der ,spielerische' Ansatz innerhalb der Digitalwirtschaft liefert ständig neue Impulse für klassische Unternehmen. Entwicklungen aus der Games-Branche finden immer öfter Einzug in unsere Hightech-Welt“, sagte Kruse. So hat sich etwa in Berlin bereits eine Art Hub für Spielehersteller und -publisher gebildet.

Der Plan sieht sowohl für 2020 als auch für die Folgejahre bis einschließlich 2023 jeweils 50 Millionen Euro Spieleförderung vor und soll der Branche die geforderte Planungssicherheit bieten. Klar ist aber: Das allein wird zur internationalen Konkurrenzfähigkeit nicht reichen. Die deutsche Spielebranche besteht vor allem aus kleinen Unternehmen mit geringen Rücklagen. „Bereits kleine Fehlplanungen oder ausbleibende Aufträge könnten die Unternehmen massiv gefährden“, sagte Oliver Redelfs dem Handelsblatt. „Mehr als sechs Monate hat fast keine Firma Luft, eine Durststrecke zu überstehen“.

Auch private Finanzierung ist rar

Landesfördermittel gibt es zwar in den meisten Bundesländern, aber noch nicht flächendeckend. Bei den privaten Investoren sieht es mau aus: „Wagniskapitalgeber und Family Offices halten sich aus dem Markt bewusst raus, da sie keine valide Risikoanalyse machen können und die Erfolgsaussichten eines Spiels sich schwierig darstellen lassen“, sagt Redelfs. Ohne Eigenmittel wiederum ist es kaum möglich, Förderung zu bekommen.

Im besten Fall läuft es so wie bei Ceres Games, das kurz vor Vertragsabschluss mit Game Seer für die Produktion einer rundenbasierten Rollenspielreihe steht. Gründer Peter Ohlmann hat für „Realms Beyond“ über eine Kickstarter Kampagne 120.000 Euro Eigenmittel eingesammelt, Ende März von der Regionalförderung FFF Bayern eine Produktionsförderung bekommen und nun die Zusage über privates Kapital. „Ohne diese Kombination wäre die erforderliche Summe für eine relevante Spieleproduktion mit der erforderlichen Produktqualität für die internationale Wahrnehmung nicht zusammengekommen“, sagt Redelfs.

Ohlmann hat allerdings auch einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Entwicklern: Er hat an der bekannten Siedler-Reihe des Spieleriesen Blue Byte mitgearbeitet und schon eine relevante Produktion vorzuweisen.

Von der Bundesförderung wird voraussichtlich vor allem der Mittelbau der Spieleentwickler profitieren und einige wenige größere Produktionen.

Die Durchsetzung der Spieleförderung im parlamentarischen Verfahren will nun jede Partei für sich verbuchen. Politiker der Opposition von Grünen und FDP ebenso wie Haushaltspolitiker der Regierungsparteien. Ein Antrag der Grünen auf Fortführung der Förderung war vor zwei Wochen noch im Haushaltsausschuss gescheitert. „Der Kollege Kahrs von der SPD und ich waren uns immer einig, dass wir die Games-Förderung wollen“, sagte nun Rüdiger Kruse von der CDU.

Wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass die Mittel im Haushalt 2020 fehlten, ist umstritten. Aus dem Finanzministerium hieß es, das zuständige Verkehrsministerium habe die Förderung nicht priorisiert. Verkehrs- und Infrastrukturminister Andreas Scheuer versicherte dem empörten Publikum der Spielemesse Gamescom in Köln im August: „In jeder meiner Prioritätenlisten, die ich im Ministerium zu vertreten habe, steht die Gamesförderung mit 50 Millionen im Haushalt 2020 an erster Stelle, aber ich stelle nicht allein den Haushalt auf.“

Mehr: Die Industrie kann von der Entwicklung der Computerspiele profitieren. Sie muss aber auch dazu bereit sein.

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