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Geschäft mit der Architektur-IT Software plant den Freedom Tower

Die Informationstechnologie sorgt in vielen Wirtschaftszweigen für eine stetig steigende Produktivität – an der Baubranche ging diese Entwicklung bisher zum großen Teil vorbei. Anbieter von Spezialsoftware wie Nemetschek, Graphisoft oder Autodesk wollen das Geschäft mit der Bau-IT jetzt endlich vorantreiben – neue Lösungen und spektakuläre Referenzprojekte sollen dabei helfen.
  • Alexander Freisberg
Ein Computermodell des in New York geplanten Freedom Towers. Foto: dpa

Ein Computermodell des in New York geplanten Freedom Towers. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. „Eigentlich werden Bauprojekte noch genau so realisiert wie vor hundert Jahren, und das, obwohl die Anforderungen an Sicherheit, Umweltverträglichkeit oder Materialauswahl ständig steigen“, sagt Phil Bernstein, Architekturprofessor an der US-Universität Yale. Zwar bearbeiteten Architekten ihre Pläne heute am Computer, doch die Entstehung eines Gebäudes basiere meist noch auf einer Unmenge von Papierausdrucken – in den seltensten Fällen seien die verschiedenen Bau- und Planungsstadien elektronisch vernetzt.

Glaubt man Bernstein, er arbeitet zugleich im Management bei Autodesk, dann ist das Effizienzpotenzial in der Baubranche enorm: Fast ein Drittel der durchschnittlichen Baukosten würden durch Ineffizienzen, fehlerhafte Pläne und Missverständnisse in der Kommunikation zwischen den Beteiligten eines Bauvorhabens verursacht. Insgesamt produziere der Bau eines Gebäudes, das 100 Millionen Dollar kostet, durchschnittlich rund 150 000 verschiedene Papier-Dokumente. Unzählige Pläne werden, so Bernstein, zwischen Architekten, Statikern, Bauleitern und Bauherren per Kurier hin- und hergeschickt – „das sind antiquierte Arbeitsabläufe, die oft schwerwiegende Fehler zur Folge haben“.

Um Fehler und ausufernde Kosten bei komplexen Bauvorhaben zu verhindern, setzen die Anbieter von Spezialsoftware auf zwei Trends: Zum einen sollen „Digital Building Models“ Papierpläne ersetzen. Ein Computerprogramm vereint dabei dreidimensionale Ansichten, herkömmliche zweidimensionale Pläne und technische Informationen über Elektrik- und Wassernetze auf einer elektronischen Plattform. Verändert der Architekt ein Detail in der 3-D-Ansicht auf dem Monitor, dann geht diese Änderung gleichzeitig in die Bauzeichnung und den Technikplan über. Jede Änderung wird dabei automatisch dokumentiert. So lässt sich nachvollziehen, wer wann mit welchem Ergebnis an einem Entwurf gearbeitet hat.

Der zweite Trend bei der Bau-IT heißt Kollaboration: „Ob Architekt, Bauingenieur, Bauherr, Facility- oder Immobilienmanager: Jeder wird die Informationen des anderen an jedem Ort und zu jeder Zeit in seine Arbeit integrieren und so weit effizienter zum Ziel kommen als jemals zuvor“, formuliert der Bausoftware-Anbieter Nemetschek seine Vision vom Bauen der Zukunft. Die Kurierübermittlung von Papierausdrucken sei damit überholt. Je komplexer ein Projekt ist und je mehr Menschen im Bauprozess beteiligt sind, desto mehr Zeit und Geld lässt sich mit einer Kollaborations-Software sparen, argumentieren die Anbieter.

Architekt David Childs stellt den Freedom Tower in New York vor. Foto: dpa

Architekt David Childs stellt den Freedom Tower in New York vor. Foto: dpa

Um die seit Generationen an zweidimensionale Pläne gewohnte Branche von den Vorteilen moderner Bau-IT zu überzeugen, setzen die Softwareentwickler auf eindrucksvolle Referenzen. Autodesk kann mit dem wohl prominentesten Projekt werben: Das weltweit tätige Architekturbüro Skidmore, Owings & Merill (SOM) nutzt das Autodesk-System Revit bei der Konstruktion des Freedom Towers – dem spektakulären Neubau auf dem Gelände des ehemaligen World Trade Centers in New York.

„Wir experimentieren schon lange mit IT-gestützten Design, aber erst jetzt, da die Preise für Hardware sinken und die Leistungsfähigkeit der Systeme gestiegen ist, wird der Umstieg richtig interessant“, sagt Paul Seletsky, Digital Design Director bei SOM in New York. Der Freedom Tower gilt als das zurzeit herausforderndste Bauprojekt weltweit: Die Bauherren, Behörden und auch die Öffentlichkeit haben enorme Erwartungen an die Gestaltung und die Sicherheit, darüber hinaus gibt es ehrgeizige Vorgaben, was den Energieverbrauch des Gebäudes betrifft, die Nachhaltigkeit bei den Baumaterialien, das Raumklima, die Windeigenschaften und den effizienten Wassereinsatz.

„In dieser Situation haben uns vor allem die Simulationsmöglichkeiten des neuen IT-Systems geholfen“, sagt Seletsky. „Mit dem Digital Building Model können wir etwa das Tageslicht und das Raumklima in den einzelnen Räumen schon vor Baubeginn simulieren und gegebenenfalls ändern.“ Und er macht noch auf einen anderen Vorteil der Software aufmerksam: Die 3-D-Darstellung auf dem Bildschirm sei für Kunden viel verständlicher als die herkömmlichen Baupläne.

Trotz dieser Pluspunkte rechnet Seletsky nach eigenen Angaben nicht mit einer raschen Revolution in den Architekturbüros: „Der modernen IT gehört die Zukunft, sie sorgt allerdings für einen großen kulturellen Umbruch, der nur behutsam umgesetzt werden kann.“

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