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Giovanni Fili und Henrik Lindström Ein ungleiches Duo will das klassische Aufladen von Elektrogeräten überflüssig machen

Die Exeger-Gründer haben eine Solarfolie entwickelt, die etwa Kopfhörer und Fernbedienungen durch Licht wieder aufladen kann. Ein erstes Produkt kommt bald auf den Markt.
16.06.2021 - 04:08 Uhr Kommentieren
Die Chancen auf den Europäischen Erfinderpreis 2021 stehen nicht schlecht. Quelle: Exeger
Firmengründer Giovanni Fili (l.) und Henrik Lindström

Die Chancen auf den Europäischen Erfinderpreis 2021 stehen nicht schlecht.

(Foto: Exeger)

Stockholm Ein bisschen wirken sie wie Yin und Yang – Gegensätze, die sich anziehen. Der eine adrett gekleidet, ein bisschen Bella Italia. Der andere im Sport-Outfit, mit Boxershorts, T-Shirt und Adiletten. Der eine sprudelt vor Enthusiasmus und ist von der revolutionären Idee überzeugt. Der andere liefert fast schüchtern die wissenschaftlichen Details.

Giovanni Fili und Henrik Lindström haben aber eines gemeinsam: Die beiden Gründer des schwedischen Solarzellen-Unternehmens Exeger ergänzen sich perfekt. Nun haben sie die Hoffnung, dass sie am Donnerstagabend den Europäischen Erfinderpreis des Europäischen Patentamts erhalten.

An Selbstbewusstsein mangelt es Giovanni Fili zumindest nicht. „Es ist der Start einer Revolution“, sagt der Gründer und Chef von Exeger über das Produkt, das er gemeinsam mit Entwicklungschef Lindström vorangetrieben hat. Es soll das Leben mit mobilen Geräten von Grund auf verändern. „Aufladen gehört der Vergangenheit an“, betont der 45-Jährige.

Fili und Lindström (54) haben eine Solarfolie entwickelt – die Powerfoyle –, die als Energiequelle für selbstaufladende Geräte wie Kopfhörer, Helme, Fahrradlampen und viele andere Heimelektronikgeräte dienen kann. Das Besondere: Alle Solarzellen enthalten eine lichtabsorbierende Schicht, die Licht in Elektrizität umwandelt.

„Alle Solarzellen beinhalten auch einen Stromkollektor, der den Strom von der lichtabsorbierenden Schicht auffängt“, erklärt der Chemiker Lindström. „Normalerweise sitzt dieser Stromkollektor auf der Vorderseite der Solarzelle und beschattet sie dadurch. Wir haben diesen auf die Rückseite verlegt.“

Durch diese neue Technologie war es möglich, ein anderes – laut den beiden Gründern „besseres“ – Material für die lichtabsorbierende Schicht zu verwenden. Dieses neue Material besteht aus Nanopartikeln. Mehr wollen die Entwickler nicht verraten.

Fili betont, dass die entwickelte Solarzelle außerdem extrem flexibel ist und den Strom um bis zu eintausend Mal besser leiten kann als herkömmliche Solarzellen. Ein weiterer Vorteil: Die neuartigen, sehr dünnen Solarzellen sind kostengünstig und liefern auch dann noch Strom, wenn Teile der Zelle im Schatten liegen. „Das heißt: Auch wenn auf einen Teil Schatten fällt, produziert der Rest der Zelle unvermindert Strom“, erklärt Lindström.

Das erste Produkt ist ein Kopfhörer für 199 Euro

Das ungleiche Duo sieht für die neuartigen Solarzellen einen Milliardenmarkt. Tatsächlich besitzen heute Milliarden Menschen wiederaufladbare Geräte, die in regelmäßigen Abständen an ein Ladegerät angeschlossen werden müssen. Integriert man die neuartigen Solarzellen in die Geräte, könnte der Prozess des Aufladens der Vergangenheit angehören. „Warum muss man bei einer TV-Fernbedienung die Batterien wechseln, wenn sie doch durch die Zimmerbeleuchtung aufgeladen werden kann?“, fragt sich Fili.

Ein erstes Produkt mit den Exeger-Zellen kommt in Kürze auf den Markt. Es ist ein Kopfhörer der schwedischen Marke Urbanista, die die Solarzelle in den Bügel integriert hat. Die superdünnen Solarzellen können kostengünstig hergestellt werden, betonen beide Entwickler, sodass der Kopfhörer rund 199 Euro kosten wird.

Bis Jahresende kündigen die beiden Entwickler vier weitere Produkte mit den Exeger-Zellen an. Eines davon ist ein Fahrradhelm, der ein integriertes Rücklicht besitzt. Mit „zig weiteren Unternehmen“ sei man in finalen Verhandlungen, betont Fili. „Unser Ziel ist es, dass bis 2030 eine Milliarde Menschen Produkte mit unseren Zellen anwenden.“ Die meisten Geräte sollen in dem Bereich der Heimelektronik eingesetzt werden.

Softbank gehört zu den größten Investoren

Exeger hat bereits jetzt namhafte Investoren gewinnen können. Unter anderem gehört der japanische Tech-Konzern Softbank dazu, der 4,3 Prozent an dem Unternehmen hält. Auch der schwedische Pensionsfonds AMF und der finnische Energiekonzern Fortum zählen zu den Eignern. Größter Aktionär ist Gründer Fili mit etwa neun Prozent. Auch Lindström ist beteiligt.

Die Analysten von Redeye sprechen von einer „bahnbrechenden Technologie“ und „großem weltweitem Wachstumspotenzial“ – auch wenn das Unternehmen bislang keinen Gewinn ausweisen konnte. Vor einem Monat sicherte sich Exeger 38 Millionen Dollar von schwedischen Banken und dem Europäischen Investitionsfonds EIF für den Bau einer zweiten Solarzellenfabrik in Stockholm. D

erzeit produzieren Lindström und Fili zusammen mit rund 190 Mitarbeitern in einer Halle der Königlich Technischen Universität KTH in der schwedischen Hauptstadt. Sie erinnert an eine Druckerei. Farbe, Form und Oberflächenstruktur könnten leicht den Kundenwünschen angepasst werden, bestätigt Entwicklungschef Lindström. Die zweite Fertigungsstätte soll bis 2023 in der Nähe errichtet werden und dann laut Fili „Europas größte Solarzellenfabrik“ sein.

Möglicher Börsengang soll genauer geprüft werden

Auch ein Börsengang zählt zu den möglichen Optionen. „Wir untersuchen das ständig. Wir sagen nicht kategorisch ‚Nein‘“, sagt Fili. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Unternehmen wie unseres an der Börse gut aufgehoben wäre.“ In etwa zwei Jahren, wenn auch die neue Fabrik die Produktion aufgenommen hat, werde man darüber intensiver sprechen.

Angefangen hat die Geschichte von Exeger bereits vor zwölf Jahren. Damals entwickelten die Freunde Fili und Lindström die Idee der neuartigen Solarzelle. „Wir wollten eine Zukunft schaffen, in der das vorhandene Licht alle Geräte versorgt, die für uns wichtig sind“, erklärt Fili.

Der Sohn eines italienischen Vaters und einer schwedischen Mutter verdiente nach seinem Wirtschaftsstudium nach eigenen Angaben im Immobilienbereich „viel Geld“, das er in neue Unternehmen investierte. Lindström, Sohn einer deutschen Mutter und eines schwedischen Vaters, absolvierte hingegen eine akademische Karriere mit Stationen in Japan, Irland und Schweden, bevor er zu Exeger stieß.

Die Chancen, dass die Solarzelle mit dem Europäischen Erfinderpreis 2021 ausgezeichnet wird, stehen nicht schlecht. In der Kategorie „Kleine und mittlere Unternehmen“ müssen sich Lindström und Fili gegen zwei Mitbewerber durchsetzen. Doch auch für den Fall, dass es nichts wird mit dem Preis, sehen sich die beiden Hobbyköche bereits als Gewinner. Allein zu den drei auserwählten Unternehmen aus ganz Europa zu gehören, sei bereits ein Sieg.

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