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Glenn Fogel im Interview Booking.com-Chef über strengere EU-Regeln: „Das wäre ein Riesenfehler“

Der CEO des Buchungsportals wehrt sich gegen den Eindruck, zu viel Marktmacht zu besitzen. Strikte Vorgaben für einen bestimmten Tech-Riesen befürwortet er.
11.11.2020 - 16:25 Uhr Kommentieren
Der CEO von Booking.com hat große Sorgen, dass seinem Unternehmen bald harte Auflagen durch EU-Regulierer drohen. Quelle: Amin Akhtar/laif
Glenn D. Fogel

Der CEO von Booking.com hat große Sorgen, dass seinem Unternehmen bald harte Auflagen durch EU-Regulierer drohen.

(Foto: Amin Akhtar/laif)

Düsseldorf, Berlin Booking.com-Chef Glenn Fogel warnt davor, das größte Hotelbuchungsportal in Europa durch strenge EU-Regeln zu lähmen. „Booking.com ist eine von wenigen Erfolgsgeschichten aus Europa“, sagt er im Interview mit dem Handelsblatt.

Wenn die EU-Kommission das Unternehmen als besonders zu regulierende Plattform einstufe, wäre dies „ein Riesenfehler“, sagt Fogel. Das würde „Booking.com leider daran hindern, neue Angebote für Reisende und Hoteliers zu entwickeln“.

Die Brüsseler Behörde wird in wenigen Wochen Vorschläge für einen „Digital Markets Act“ vorlegen, der spezielle Verhaltensregeln für marktmächtige Plattformen vorsehen dürfte. Sollte Booking.com als ein solcher „Gatekeeper“ eingestuft werden, dürfte das Unternehmen Hotels wohl nicht mehr vorschreiben, ihren Kunden etwa über die eigene Webseite Sonderkonditionen anzubieten.

Für den Suchmaschinenkonzern Google hält der Amerikaner hingegen strengere Regeln für angemessen. „Auf Google sollten die Regulatoren definitiv genau schauen“, sagte er. „Es sieht absolut danach aus, dass sie ihre Dominanz bei der Internetsuche nutzen, um mit unfairen Methoden in andere Felder vorzudringen.“

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    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Fogel, die EU-Kommission plant strengere Regeln für die Digitalwirtschaft. Was erwartet Sie?
    Was wir über die mögliche neue Regulierung aus Brüssel hören, beunruhigt uns sehr. Wir haben nichts gegen gute Regeln wie in der Datenschutz-Grundverordnung – sie können den Märkten helfen. Aber schlechte Regeln können sehr viel Schaden anrichten.

    Die Vorgaben aus Brüssel zielen vor allem auf mächtige Plattformen, die Regeln für andere Unternehmen setzen und Nutzerströme im Internet lenken können. Befürchten Sie, dass die Kommission Booking.com als einen solchen „Gatekeeper“ einstuft?
    Es wäre ein Riesenfehler, das zu tun! Booking.com ist eine von wenigen Erfolgsgeschichten aus Europa. Wenn wir hier eine Tech-Industrie aufbauen wollen, brauchen wir große Unternehmen, die Talente ausbilden. Das ist entscheidend für den Wettbewerb mit den USA und China.

    Wie europäisch ist Booking denn überhaupt? Die Holding sitzt ja in den USA, ebenso wie Sie selbst.
    Das ist aber auch alles, was an uns nicht europäisch ist. Wir bezahlen fast alle unsere Steuern in Europa, die meisten Mitarbeiter arbeiten in Amsterdam, Großbritannien oder Berlin. Und auch die meisten Kunden kommen aus Europa.

    „Die Auswahl ist riesig“

    Booking.com ist Marktführer in Europa bei der Onlinebuchung von Hotels. Warum sollten Sie also nicht als Gatekeeper eingestuft werden?
    Unabhängige Studien zeigen, dass die Hotels nur 13 Prozent ihres Umsatzes über uns machen. 

    Wenn man nur die Onlinebuchung betrachtet, stellt sich Ihre Marktmacht aber schon ganz anders dar.
    Warum unterscheiden Sie, wie jemand bucht?

    Junge Menschen wachsen damit auf, alles über ihr Smartphone und das Netz zu organisieren. Der Trend wird sich verstärken.
    Okay. Wer etwa „Hotels in Paris“ bei Google eintippt, findet Hunderte Seiten mit Angeboten. Oder sagen wir, Sie nehmen für die Buchung Ihr Handy: Sie können eine App nutzen oder auf die Hotel-Webseite gehen und dort auf „anrufen“ klicken. Sie können inzwischen auch über Facebook ein Zimmer buchen. Die Auswahl ist riesig.

    Auch die Hoteliers sind Ihre Kunden. Was ist mit denen?
    Auch sie haben viele Möglichkeiten, ihre Zimmer anzubieten. Mehr als die Hälfte der Zimmer verkaufen sie direkt. Daneben können sie diese bei uns und anderen Plattformen anbieten oder über Reiseveranstalter wie Tui.

    Dennoch können Sie ihnen vorschreiben, dass sie ihre Zimmer selbst nicht günstiger anbieten dürfen als bei Ihnen auf der Seite. Das will die EU künftig bei mächtigen Unternehmen verhindern.
    Wenn es anders wäre, würden die Leute bei uns das schönste Hotel aussuchen und dann dort anrufen und fragen: Ich habe ihr Zimmer für 100 Euro gesehen. Können Sie es mir billiger geben? Und wir bekämen nichts dafür, dass wir ihre Kunden auf mehr als 40 Sprachen anwerben und sie auf Google bewerben.

    „Auf Google sollten die Regulatoren genau schauen“

    Trotzdem ist es doch Marktmacht, wenn Sie diese Regeln durchsetzen können, oder?
    Wir können doch gar niemanden zwingen. Manche Hotels verlassen unsere Plattform, weil ihnen die Konditionen nicht gefallen.

    Wenn Booking kein Gatekeeper ist, wer dann?
    Ein solches Unternehmen sollte erstens mit einem Großteil der Menschen interagieren. Zweitens sollte es Hindernisse für andere Unternehmen geben, den Markt zu betreten. Die wichtigste Frage aber sollte sein, ob Nutzer Alternativen haben. 

    Also nur Konzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon?
    Auf Google sollten die Regulatoren definitiv genau schauen. Welchen Marktanteil haben sie, 80 oder 90 Prozent? Wir haben 13, das ist ein kleiner Unterschied. Und es sieht absolut danach aus, dass sie ihre Dominanz bei der Internetsuche nutzen, um mit unfairen Methoden in andere Felder vorzudringen. Dann sind Regeln richtig. Aber ich möchte eigentlich lieber über mein Unternehmen sprechen.

    Also: Was ganz konkret würden die geplanten EU-Vorgaben für Booking bedeuten?
    Sie würden Booking.com leider daran hindern, neue Angebote für Reisende und Hoteliers zu entwickeln. Wenn es solche Regeln schon vor Jahren gegeben hätte, hätten wir keine eigene App entwickeln können. Wir hätten erst einmal mit dem Regulierer diskutieren müssen, ob wir dieses neue Feld überhaupt besetzen dürfen. 

    Und heute?
    Heute geht es etwa darum, ob wir Paketangebote von Hotels und Ausflügen anbieten dürften. Unsere Hauptkonkurrenten verkaufen solche Pakete bereits, aber wir müssten erst mit dem Regulierer diskutieren. Das würde uns unheimlich aufhalten, während unsere Wettbewerber voranpreschen. Wollen wir etwa, dass Expedia der eine große Anbieter wird?

    Mehr: Vor dieser „schwarzen Liste“ haben Google, Amazon, Apple und Facebook Angst

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