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Google-Mutter Alphabet enttäuscht die Wall Street – Gewinn verfehlt Erwartungen

Alphabet profitiert von Googles wachsendem Werbegeschäft. Eine Schwäche beim Gewinn sorgt jedoch für Verunsicherung – und für Kursverluste.
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Google-Mutter: Alphabet verfehlt Gewinnerwartungen Quelle: dpa
Google

Der Google-Mutterkonzern Alphabet ist mit seinen Quartalszahlen unter den Gewinn-Erwartungen der Analysten geblieben.

(Foto: dpa)

San Francisco Hohe Ausgaben für Traffic-Zukäufe für die Suchmaschine, den Ausbau des Cloud-Computing-Geschäfts und höhere Personalkosten haben im abgelaufenen dritten Quartal die Bruttomargen bei der Google-Muttergesellschaft Alphabet geschmälert.

Der bereinigte Gewinn sank auf 10,12 Dollar pro Aktie gegenüber 13,06 im Vorjahr. Auch wenn man einen positiven steuerlichen Einmaleffekt des Vorjahres herausrechnet, lag der Vorjahresgewinn mit 11,86 Dollar noch deutlich höher. Der Nettogewinn betrug aktuell 7,06 Milliarden Dollar und lag damit weit unter den 9,19 Milliarden Dollar des Vorjahres. Das sind Zahlen, die Alphabet-Anleger nicht gewohnt sind.

Der Umsatz der Holding stieg im Vorjahresvergleich um 20 Prozent, nur leicht stärker als von Analysten erwartet, auf 40,49 Milliarden Dollar. Die Wall Street reagierte verunsichert: Waren Alphabet-Aktien im normalen Handel noch mit Plus zwei Prozent kräftig gestiegen, gingen nachbörslich praktisch alle Gewinne wieder verloren.

Die operative Marge fiel laut Alphabet auf 23 Prozent nach 26 Prozent im Vorjahr. Hier machen sich verstärkte Investitionen in Cloudcomputing-Center und in Dienste wie Künstliche Intelligenz bemerkbar, sowie ein Anstieg der Mitarbeiterzahl im Jahresvergleich um rund 20.000. Alleine im Septemberquartal kam es zu 6450 Neueinstellungen.

„Wir investieren weiter mit Augenmaß in die Expansion unserer Wachstumsfelder und in neue Mitarbeiter“, so Alphabet-Finanzchefin Ruth Porat. Eine große, negative Rolle habe auch eine Einigung mit Frankreich im Steuerstreit gespielt, die eine Milliarde Dollar gekostet habe.

Das stärkste Umsatzwachstum wurde mit plus 19 Prozent auf 28,65 Milliarden Dollar erneut auf den Google-eigenen Webseiten und Diensten mit Anzeigen erzielt, wozu auch Angebote wie Youtube oder der App-Store Google Play zählen. Letztere werden aber nicht im Detail ausgewiesen. Das gesamte Google-Netzwerk setzte mit Werbung 33,9 Milliarden Dollar um, plus 17 Prozent.

An andere Webseiten oder Apps werden sogenannte Traffic Acquisition Costs (TAC) gezahlt, damit diese Nutzer auf Angebote wie Google Maps oder die Suchmaschine weiterleiten. Google kann dann bezahlte Werbung für diese Nutzer platzieren. Im Quartal summierten sich die Zahlungen auf 7,49 Milliarden Dollar, ein Plus von 14 Prozent, das ist 22 Prozent der gesamten Werbeumsätze und ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr.

Eine Enttäuschung waren die „bezahlten Klicks“ auf Werbung. Auf Googles eigenen Angeboten stiegen sie zum Vorjahr nur um ein Prozent, vor einem Jahr waren es noch Plus 18 Prozent. Unter „andere Umsätze“ fallen bei Google unter anderem das Cloud-Geschäft und die Hardware – zum Beispiel Smartphones. Hier werden 6,4 Milliarden Dollar Umsatz gemeldet, nach 4,6 Milliarden im Jahr zuvor.

Kein Kommentar zu möglichem Fitbit-Kauf

Die Cloud gilt als wichtigstes Wachstumsfeld im Konzern und muss unter dem neuen Chef Thomas Kurian zu Amazon und Microsoft aufholen. Ein schweres Unterfangen: Gerade erst hat Rivale Microsoft einen zehn Milliarden Dollar schweren Auftrag, verteilt auf zehn Jahre, vom Pentagon bekommen, und vergrößert damit den Abstand zu Google auf Platz drei wieder. Google-CEO Sundar Pichai nannte im Analystengespräch als Wachstumstreiber ausdrücklich die Suche auf Mobilgeräten, Youtube und Cloud-Computing.

Wenig Erhellendes gibt es zu Alphabets riskanten und teuren Wetten auf die Zukunft wie Waymo, das an selbstfahrenden Autos arbeitet. Das „Other Bets“, andere Wetten, genannte Segment generierte 155 Millionen Dollar Umsatz, es lief aber auch ein operativer Verlust von 941 Millionen Dollar auf.

Gerüchte, Alphabet habe ein Angebot für den angeschlagenen Fitness-Tracker und Smartwatch-Anbieter Fitbit abgegeben, wurden am Montag auch auf Nachfragen nicht kommentiert. Ein Kauf von Fitbit würde nur noch offiziell bestätigen, was insgeheim schon jeder weiß. Googles Auftritt bei Smartwatches mit dem eigenen Betriebssystem Android Wear beziehungsweise WearOS ist krachend gescheitert. Der Markt gehört jetzt Apple. Samsung verwendet längst sein eigenes Betriebssystem für seine Smartwatches, Google Partner Fossil kommt nur auf einstellige Marktanteile.

Mit Fitbit könnte Google sein Android-Betriebssystem für Uhren hinter sich lassen und einen Neueinstieg in den Bereich Fitness und Gesundheitswesen wagen. Dieser Bereich droht ebenfalls immer stärker bei Apple monopolisiert zu werden. Deswegen steht auch Fitbit unter hohem Druck. Die Preissenkung der Apple Watch der dritten Generation auf 199 Dollar greift jetzt Fitbits Spitzenprodukt direkt an, das nun preislich nur noch gleichauf liegt.

Ein Neuanfang bei Wearables ist dringend geboten. Wenn die Apple Watch sich weiter vom iPhone emanzipiert, also selbstständig wird, wird sie auch für Besitzer von Android-Smartphones als Alternative interessant. Dann wäre der Markt endgültig für Sundar Pichai verloren.

Mehr: Cloud-Dienste sind überwiegend in der Hand ausländischer Konzerne. Lesen Sie hier, wie der Wirtschaftsminister versucht, die Dominanz nun mit einer europäischen Cloud aufzubrechen.

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