Google Scribe Schreibhilfe für Diktatoren

Mit „Scribe“ will Google das Schreiben beschleunigen. Das Programm schlägt vor, wie Worte und Sätze weitergehen könnten. Eine Technik mit Potenzial – zum Beispiel für Diktatoren.
  • Tina Klopp
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Diktator Hynkel (Charles Chaplin im Film "Der große Diktator") hätte vielleicht seine Freude an Google Scribe. Foto: dpa Quelle: picture alliance / obsdpa

Diktator Hynkel (Charles Chaplin im Film "Der große Diktator") hätte vielleicht seine Freude an Google Scribe. Foto: dpa

HAMBURG. „Word“ macht das manchmal, und es irritiert: Wenn der Benutzer anfängt, bestimmte Worte zu tippen, poppt im Dokument ein kleines gelbes Fenster auf und das Programm schlägt vor, wie das Wort zu Ende gehen könnte. Meistens handelt es sich um Namen. Aber ob deshalb schon jemals ein Mensch schneller mit einem Text fertig geworden ist – fraglich.

Jetzt also kommt Google Scribe. Und macht die gelbe-Kasten-Idee zum generalisierten Schreibprinzip. Wer in das Fenster der bislang nur in englischer Sprache verfügbaren Betaversion etwas tippt, erhält bei jedem Buchstaben gleich mehrere Vorschläge, wie das Wort oder sogar eine ganze Phrase weiter gehen könnten. Die Eingaben beruhen – da Google nicht denken sondern nur rechnen kann –, auf statistischen Häufigkeiten. Auf welchen genau?

Google selbst sagt dazu nur, man ziehe „Informationen aus dem, was Sie bislang in einem Dokument geschrieben haben und bietet verwandte Wörter oder Phrasen an. Um Tastenanschläge zu sparen, bietet Google zudem korrekte und populäre Phrasen an“. Ob und wie die eigene Auswahl gespeichert wird, um die Ergebnisse noch passgenauer zu machen, wird nicht erwähnt.

Gut möglich, dass Google auch etwas mehr über den Menschen hinter der Tastatur weiß, und die Vorschläge nicht nur aus dem Gesamttextmeer des Internets fischt. Fängt man nun mit I am... an und lässt das Programm fortfahren, entstehen ziemlich viele Quatschsätze. Immerhin weiß Scribe aber: I want to be ... an editor.

Wie schon bei der Suchwortvorschlagsfunktion Suggest erfährt man so indirekt, was das Netz so denkt. „Homosexualität“ zum Beispiel sei wahlweise „ein Gräuel“, „angeboren“, „Sünde“, „Wahl“ oder „Krankheit“. In dieser Reihenfolge. „Christentum ist“ indes ist für Google/das Netz „ein Kult“ oder „eine Lüge“. Und über Sex erfährt man, dass er „nicht nur nervt“, sondern auch „Bandbreite stiehlt“.

Stellt sich die Frage, wie stark Google durch Filter die Auswahl auf Dinge lenkt, die grammatikalisch korrekt oder inhaltlich erwünscht wären. Ein Beispiel: Im folgenden Satz wäre „sex“ die logische Fortsetzung angesichts der Häufigkeit des Begriffes im Netz. Doch beim Satzanfang I want se... wird anderes vorgeschlagen. Ist Google spießig? Denn Scribe macht I want see, I want serial und I want sell zum Angebot.

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