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Google-Standortdaten So hat sich das Verhalten der Deutschen durch Corona verändert

Standortdaten von Google zeigen, wo das öffentliche Leben in Deutschland am stärksten runtergefahren wurde – und wie es in anderen Ländern aussieht.
03.04.2020 - 20:10 Uhr Kommentieren
Die Bewohner der deutschen Hauptstadt haben ihre Aufenthaltszeit in Parks um 63 Prozent reduziert. Quelle: dpa
Passantin in Berlin

Die Bewohner der deutschen Hauptstadt haben ihre Aufenthaltszeit in Parks um 63 Prozent reduziert.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Meetings im Büro werden abgesagt, aber Menschen treffen sich zum Angrillen: Eine der emotionalsten Debatten der letzten Wochen dreht sich um die Frage, ob Eltern und Kinder noch auf dem Spielplatz zusammenkommen dürfen, während die Wirtschaft im Kampf gegen Corona zum Erliegen kommt. Gesammelte Standortdaten von Google-Nutzern zeigen jetzt: Ausgangsbeschränkungen wirken.

Die Deutschen hielten sich Ende März nur noch halb so viel auf öffentlichen Plätzen auf wie noch im Februar – und das trotz steigender Temperaturen. Am diszipliniertesten waren die Berliner, die ihre Aufenthaltszeit in Parks um 63 Prozent reduziert haben. Die Bremer nehmen Corona dagegen locker: Hier ging die Aufenthaltszeit in Grünanlagen nur um 22 Prozent zurück.

Politiker weltweit ringen derzeit um die richtigen Regeln in der Coronakrise. Wie stark lässt sich das öffentliche Leben einschränken und die Wirtschaft runterfahren, um eine Verbreitung des Virus zu stoppen? Wie gut befolgen die Bürger Ausgangsbeschränkungen? Und wie könnten sich Menschenansammlungen durch neue Regeln für Öffnungszeiten bei Supermärkten verhindern lassen?

Auf der Suche nach Antworten haben sich viele Behörden auch an Google gewendet. Wohl kaum eine Institution weiß so viel über die Bewegungsprofile von Milliarden Menschen weltweit. Erstmals gibt der Internetkonzern nun Einblick in die Verhaltensänderungen, die er in 131 Ländern beobachtet hat. Für seinen Kartendienst Maps wertet Google fortlaufend Bewegungsdaten von Nutzern aus, die ihren Standortverlauf freigeben.

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Standort erkennen

    Erste Ausschläge schon durch Karneval

    In der öffentlichen Diskussion entsteht schnell der Eindruck, dass mittlerweile fast jeder von Zuhause arbeitet. Tatsächlich zeigen die Google-Daten aber: Die Deutschen verbrachten Ende März knapp 40 Prozent weniger Zeit an ihrem Arbeitsplatz als im Januar und Februar. Zum Vergleich: In Italien waren es 63 Prozent weniger.

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    Da die Trenddaten schon das Verhalten Mitte Februar widerspiegeln, zeigen sie für Nordrhein-Westfalen und Bayern Ausschläge, die bereits viel diskutiert wurden: An Karneval gingen in NRW fast ebenso wenig Menschen zur Arbeit wie Ende März – hätte man diese Feierlichkeiten abgesagt, hätte sich die Verbreitung des Virus möglicherweise deutlich verlangsamen lassen.

    Ähnliches gilt für die Faschingsferien in Bayern, die viele Menschen traditionell zum Skifahren nutzen – in Bayern sind, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl, die meisten Infizierten gemeldet worden.

    Berliner meiden Geschäfte besonders

    Entgegen der Wahrnehmung, dass Menschen in der Coronazeit viel mehr einkaufen und öfter in den Supermarkt gehen, zeigen die Google-Daten einen anderen Trend: Die Deutschen verbrachten Ende März 51 Prozent weniger Zeit im Supermarkt und in Drogerien, und sogar 77 Prozent weniger Zeit in Kaufhäusern, Restaurants und an Orten der Freizeitgestaltung.

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    Am stärksten war die Verhaltensänderung in Berlin zu beobachten, wo sich der Rückgang sogar auf 55 beziehungsweise 83 Prozent beläuft. Auch wenn Google darauf hinweist, dass die verschiedenen Standortkategorien in den Staaten unterschiedlich definiert sein können, ist ein Blick auf andere Länder interessant.

    In den USA reduzierte sich die Aufenthaltszeit im Supermarkt bis Ende März nur um 22 Prozent und in Shoppingzentren und Restaurant um 47 Prozent, wobei die Aufenthaltszeiten am Arbeitsplatz fast genauso stark zurückgingen wie in Deutschland.

    US-Präsident Donald Trump versucht, die Wirtschaft solange wie möglich am Laufen zu halten und wird dafür auch stark kritisiert. In Italien stand im gleichen Zeitraum praktisch alles still: Die Menschen hielten sich im Vergleich zur Vorkrisenzeit um 85 Prozent weniger in Supermärkten auf, und sogar um 94 Prozent weniger bei anderen Händlern.

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    Für Deutschland heißt das, dass weniger Bewegung im öffentlichen Raum eindeutig noch möglich ist. Die Trenddaten sollen Behörden dabei helfen, kritische Entscheidungen im Zusammenhang mit Covid-19 zu treffen, teilt der Konzern mit. „Wir haben von Vertretern des öffentlichen Gesundheitswesens gehört, dass diese Art von aggregierten, anonymisierten Daten hilfreich sein kann“, schreiben die Google-Managerinnen Jen Fitzpatrick und Karen DeSalvo in einem am Freitag veröffentlichten Blog-Beitrag.

    In den kommenden Wochen sollen „wo möglich“ Trends auf regionaler Ebene mitgeteilt werden. Momentan ist das laut Google aus Datenschutzgründen nicht möglich.

    Es müsse sichergestellt werden, dass auch in Verbindung mit anderen Datensätzen keine Rückschlüsse auf einzelne Nutzer zu ziehen sind. Für die Mobilitätsberichte werden lediglich Daten von Nutzern aufbereitet, die aktiv ihren Standortverlauf freigegeben haben.

    Mehr: Europäische Wissenschaftler und Technologieexperten haben eine europaweite Plattform für Corona-Tracking-Apps gebaut.

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