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Grabmal 2.0 Vom Grab auf das Smartphone

QR-Code kennen wir vor allem aus der Werbung oder von Bahn-Tickets. Doch mittlerweile tauchen die schwarz-weißen Pixelmuster auch an Orten auf, wo wir sie nicht unbedingt erwarten - zum Beispiel auf Friedhöfen.
30.10.2014 - 09:26 Uhr Kommentieren
  • dpa
Am Grab der DDR-Bürgerrechtsaktivistin Bärbel Bohley auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin ist eine QR-Code-Plakette angebracht. Quelle: dpa

Am Grab der DDR-Bürgerrechtsaktivistin Bärbel Bohley auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin ist eine QR-Code-Plakette angebracht.

(Foto: dpa)

Stuttgart Man kennt sie von Bahn-Tickets oder aus der Werbung – doch langsam tauchen sie sogar auf Friedhöfen auf: QR-Codes, diese schwarz-weißen Pixelmuster für den schnellen Weg mit dem Smartphone ins Internet. Mal auf angeschraubten Messingplatten, mal eingraviert auf dem Grabstein oder auf einer Stele davor.

Immer mehr Städte erlauben das in ihren Friedhofssatzungen. Wer den QR-Code mit einer App auf seinem Smartphone einliest, erhält aus dem Internet mehr Infos über den Toten als auf einen Grabstein passen. Möglich sind auch Weiterleitungen auf Kondolenzseiten.

Am Grabstein für die einstige DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley (1945-2010) auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin etwa ist eine solche QR-Code-Plakette angebracht. Nutzer werden auf eine Internetseite gelotst, wo sie unter anderem Lebensdaten und eine Bildergalerie einsehen können.

Letzte Ausfahrt: Friedhof
Denn der Name des Unternehmens ist Programm: „Cruisin Caskets“, das könnte man mit „herumfahrende Särge“ übersetzen.
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Der Name ist Programm: „Cruisin Caskets“, das könnte man mit „herumfahrende Särge“ übersetzen. Und nichts anderes sind die Traumautos des US-Unternehmens letztlich.

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Särge für den „Highway to Heaven“ - Nächste Ausfahrt: Friedhof
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Platz nehmen kann man darin nicht und außerdem fehlt allen Fahrzeugen ein wichtiges Bauteil: der Motor. Den brauchen die „Autos“ auch nicht, denn die skurrilen Vehikel sind nur für eine einzige Reise gedacht: die letzte.

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Wenn ein eingefleischter Auto-Enthusiast sein Herz an ein bestimmtes Fahrzeug verloren hat, kann er in diesem Gefährt auch seine allerletzte Reise antreten.
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Die getönten Scheiben verbergen nur das Innere. Öffnet man den Deckel, blickt man in einen gepolsterten Innenraum, in dem man, wie in einem traditionellen Sarg, liegend bestattet wird.

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Wer gefallen an den schmucken Fahrzeugen findet, aber noch nicht daran denkt, sich mit seinem Ableben auseinanderzusetzen, kann die Modelle auch zweckentfremden.
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Dem Kunden sind bei der Auswahl keine geschmacklichen Grenzen gesetzt: Jedes Fahrzeugmodell kann gewählt werden und auch bei der Farbe, den Materialien und der Innenausstattung gibt es für den Käufer, wie bei einem echten Autokauf, kaum Grenzen.

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Die getönten Scheiben verbergen nur das Innere.
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Das „Einstiegsmodell“ beginnt bei 5.500 Dollar. Aber wie im Autohaus gibt es auch hier Möglichkeiten, den Grundpreis in die Höhe zu treiben, zum Beispiel mit Chromfelgen oder Zierteilen aus Gold.

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„Für unsere Autos würden Sie sterben”, heißt der Werbespruch.
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„Für unsere Autos würden Sie sterben”, heißt der Werbespruch des Unternehmens. Wer sich aber noch nicht mit seinem Ableben auseinandersetzen möchte, kann die Modelle auch zweckentfremden. So lässt sich laut Hersteller auch eine Kühlbox in das Fahrzeug stellen. Wer sein Bier also künftig etwa in einem „Gran Torino“ in der Garage kalt halten will, wird hier ebenfalls fündig.

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Auch am Grab der im April in Afghanistan erschossenen deutschen Kriegsfotografin Anja Niedringhaus in Höxter ist eine Stele mit dem Code aufgestellt. Er führt direkt auf die ursprünglich noch von ihr selbst angelegte Homepage, die im Auftrag der Familie weitergeführt wird.

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Standort erkennen

    Letztlich müsse jeder selbst entscheiden – oder die Angehörigen –, ob er sowas mache, sagt Volker Schirner, der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts in Stuttgart. Man lege den Leuten da keine Steine in den Weg. Die Stadt prüfe derzeit, inwieweit Gräber von Prominenten mit QR-Codes versehen werden – zur „modernen Wissensvermittlung“, so seine Formulierung. „Wir befürworten das.“

    Der Stuttgarter Bestatter Marc Ramsaier, der die Codes als Dienstleistung anbietet, räumt ein, dass die Nachfrage noch nicht so groß ist. „Noch ist es Zukunftsmusik“, sagt er. Das „Grabmal 2.0“ werde sich wohl erst mit der Zeit durchsetzen. Es passe zum Trend, im Internet zu trauern, auf entsprechenden Trauer- und Gedenkseiten. Die Entwicklung schreite aber sehr langsam voran. Im Internet eine Kerze „anzuzünden“ oder an einem Grab zu stehen - das seien eben völlig unterschiedliche Dinge.

    „Man muss auch bedenken“, erklärt Ramsaier, „die Hinterbliebenen kommen in einer extremen Stresssituation zu uns, in der sie in kurzer Zeit ganz viele Entscheidungen treffen müssen – zu Fragen, mit denen sie in der Regel bisher gar nicht konfrontiert waren.“ Und das in einer Lage, in der sie eigentlich gar nicht geschäftsfähig seien. Der QR-Code als zusätzliches Angebot habe da sicher keine Priorität.

    Neue Form der Trauer
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