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Gründerszene Der Start-up-Verband wagt den Neustart – die erste Panne inklusive

Prominente aus der Gründerszene wollen dem Bundesverband Deutsche Start-ups zu neuer Durchschlagskraft verhelfen – allerdings ohne teure Experimente.
17.12.2019 - 16:55 Uhr Kommentieren
Der Bundesverband Deutsche Start-ups will in eine neue Ära starten. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Christian Miele

Der Bundesverband Deutsche Start-ups will in eine neue Ära starten.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Düsseldorf Mit Christian Miele als neuem Vorsitzenden und zahlreichen bekannten Gründern und Investoren in den Führungsgremien will der Bundesverband Deutsche Start-ups in eine neue Ära starten. Bei der Mitgliederversammlung in Berlin wurde am Mittwoch das von dem Start-Up-Investor aufgestellte Team und eine neue Satzung bestätigt. Sie soll die Stimme des Verbands in Deutschland stärken und ermöglicht eine größere Führungsriege.

Miele hat sich direkt bei seinen Vorgängern bedankt: „Florian Nöll, Sascha Schubert und der bisherige Vorstand haben eine tolle Aufbauarbeit geleistet“, sagte er dem Handelsblatt. In Zukunft soll sich der Verband stärker fokussieren, zunächst vor allem auf die Themen Zukunftsfonds und Mitarbeiterbeteiligung.

Die neuen Stimmen im Verband sind stark. Viele erfolgreiche Persönlichkeiten aus der Szene übernehmen nun offizielle Posten in Vorstand, Beirat, Präsidium und Kuratorium. Gründer, Business-Angels und Investoren sind dabei – mit Namen, die auch international bekannt sind: etwa Auto1-Gründer Hakan Koc, Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer, Private-Equity-Mann René Obermann und Multiaufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner. Dabei ist bemerkenswert: Als der Verband vor sieben Jahren gegründet wurde, hielten ihn viele aus der Szene noch für unnötig. Nun ist das Gegenteil der Fall.

Miele ist als Start-up-Investor und Partner beim Berliner Risikokapitalgeber Eventures gut in der Szene vernetzt. Neben vielen neuen Gesichtern sind aber auch ein paar der alten Verbandsvertreter in seinem Team.

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    Dem Neustart sind allerdings schwierige Monate vorausgegangen, auch weil der alte Vorstand viel ausprobiert hat und manche Ideen nicht aufgegangen sind. „Wir haben uns mindestens zweimal gut verkalkuliert“, sagte Thomas Bachem selbstkritisch. Der Verbandsmitgründer und nun ehemalige Vorstand wird künftig als Kuratoriumsmitglied tätig sein.

    Wenig Besucher auf Veranstaltungen

    Für Budget-Löcher haben Veranstaltungen gesorgt, die wenig Besucher fanden. Auch die Idee einer Plattform, auf der sich Start-ups und Konzerne vernetzen sollten, ist nicht aufgegangen. Die richtigen Konsequenzen aus solchen Fehlplanungen hat laut Bachem aber noch der alte Vorstand getroffen. „Wir haben uns von Mitarbeitern aus dem Veranstaltungsteam getrennt, denn die Kosten waren im Wesentlichen Personalkosten“, sagte Bachem.

    Die Arbeit der letzten Woche sei „schweißtreibend“ und „kein schöner Prozess“ gewesen. Aber die Situation seit Bachem zufolge weit entfernt von einer Existenzbedrohung.

    Trotzdem soll es in dieser Situation intern auch mal gekracht haben. Über Meinungsverschiedenheiten will aber niemand mehr sprechen. Am Ende steht die Einsicht, dass es für Gründer schon genug Veranstaltungen gibt. Die Expertise im Eventbereich hätten andere.

    Auch Mieles Vorgänger als Vorsitzender, Florian Nöll, räumt Fehlplanungen ein. „Der Verband wurde wie ein Start-up geführt, nur kann ein Verein kein Wagniskapital aufnehmen“, erklärte Nöll. Der Vorstand habe sich dennoch für einen Wachstumskurs entschieden und für zehn Prozent des Jahresbudgets Fremdkapital aufgenommen.

    Das müsse jetzt zurückgezahlt werden – nicht einfach bei einem Verein, der keine sprudelnden Einnahmen hat oder auf einen Exit zuarbeiten kann. „Ich weiß nicht, ob ich es wieder so machen würde. Aber unser Vorstand war auf Wachstum getrimmt“, sagte Nöll.

    Früher gab es keine Ansprechpartner in der Politik

    Insgesamt zieht er ein positives Fazit unter seine sieben Jahre bei dem Verband, auch wenn manche Beobachter eine Fokussierung wie Miele sie nun anstrebt, vermisst haben. „Ich glaube nicht, dass wir in den Anfangsjahren fokussierter hätten arbeiten können“, ist Nöll überzeugt.  „Tatsächlich haben wir in den aktuellen Parteiprogrammen mehr Punkte auf die Agenda gebracht, als wir uns vorgenommen hatten.“ Dabei habe es in den Parteien kaum Ansprechpartner für die Start-up-typischen Digitalthemen gegeben, als er die Arbeit aufgenommen habe.

    Vier Mal habe Nöll das sogenannte Anti-Angel-Gesetz verhindert, das die Besteuerung von zehn Prozent auf den Verkauf von Firmenanteilen hätte bringen können und das für Start-ups aus seiner Sicht eine große Belastung geworden wäre. Auch bei der Finanzierung habe das bisherige Team gute Vorarbeit geleistet: „Für den Zukunftsfonds habe ich Christian Miele quasi einen Abholschein auf den Tisch gelegt“, sagte Nöll.

    Gemeint ist eine Kapitalsammelstelle, an der Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium arbeiten. Ein neues Konzept soll ermöglichen, dass Staat und Privatinvestoren Geld in Risikokapitalgeber stecken, die wiederum in Start-ups investieren können.

    Die neue, mehr als 30-köpfige Führungsriege soll sich die wachsende Arbeit im Verband auch besser aufteilen und noch präsenter sein. „Wenn sich jeder von uns einen Abend im Monat Zeit nimmt, nehmen wir jeden Abend ein Dinner mit“, rechnet Miele vor.

    Die Finanzplanung für 2020/2021 hat der alte Vorstand gemeinsam mit Christian Miele beschlossen. Nöll ist zuversichtlich, dass der Verein wieder aus der Schuldenzone kommt. 2020 erwartet der Verband Mitgliedsbeiträge von mehr als einer Million Euro.

    Eine kleine Panne gab es dann allerdings doch schon zum fulminanten Neustart: Die Satzung lässt nur Führungsgremien mit insgesamt 30 Köpfen inklusive des geschäftsführenden Vorstands zu. In Mieles Team befinden sich allerdings 38 Menschen, die sich in offiziellen Ämtern engagieren wollen. Bevor es richtig losgehen kann, muss der Verband noch einmal umstrukturieren.

    Mehr: Wie Investor Christian Miele den Bundesverband Deutsche Start-ups neu aufstellen will.

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