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Gympass Dieses Start-up will Sportmuffel weltweit per App ins Fitnessstudio bringen

Cesar Carvalho vernetzt Personalchefs, Mitarbeiter und Fitnesscenter weltweit. Der Brasilianer will einen globalen Konzern ohne Headquarter schaffen.
Update: 11.09.2019 - 16:25 Uhr Kommentieren
Gympass wurde als Plattform für Fitnessstudios zum brasilianischen Einhorn. Quelle: E+/Getty Images
Workout im Fitnessstudio

Gympass wurde als Plattform für Fitnessstudios zum brasilianischen Einhorn.

(Foto: E+/Getty Images)

São Paulo Cesar Carvalhos Geschichte beginnt nicht gleich mit einem Erfolg: 2012 nutzt der Betriebswirt seine Ferien von einem MBA-Studium in den USA, um in Brasilien Gympass zu gründen. Die Idee dahinter: Vielreisende Sportbegeisterte sollen in möglichst vielen Fitnesscentern trainieren können, ohne jedes Mal Verträge abschließen zu müssen.

Als Praktikant bei der Unternehmensberatung McKinsey in Brasilien war Carvalho zuvor ständig unterwegs und sammelte ein halbes Dutzend Mitgliedschaften an, die er kaum nutzte. Sein Plan war es, ein virtuelles Netzwerk zu erschaffen, in dem unterschiedliche Sport-, Fitness- und Wellnesseinrichtungen zu finden sind. Gympass sollte die Plattform für bestehende Studios am Markt sein.

Carvalhos Geschäftsidee überzeugte schließlich, und es gab Startkapital. Die App hatte bald ein paar Tausend Nutzer. Die steigendenden Nutzerzahlen verleiteten den Betriebswirt dazu, sein MBA-Studium zu schmeißen und bei McKinsey zu kündigen.

Doch dann stagnierte das Wachstum seines Start-ups plötzlich. „Wir versuchten, neun Monate nach dem Start jede Schraube anzuziehen, um das Modell zu verbessern“, erinnert sich Carvalho. „Doch wir merkten: Da bewegt sich nicht viel.“

Die Wende kam durch eine Anfrage eines Managers der Unternehmensberatung PwC, der Gympass bereits nutzte. Er wollte allen 5000 Mitarbeitern in Brasilien einen Fitness-Pass anbieten. „Von einem auf den anderen Tag verdreifachten wir unseren Umsatz“, sagt Carvalho, der ursprünglich aus dem bergigen Bundesstaat Minas Gerais kommt.

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Den Rest des Jahres 2013 stellten Carvalho und seine zwei Partner das Geschäftsmodell auf eine B2B-Strategie um. Damit sprach Gympass also Unternehmen als prinzipielle Kunden an. Im ursprünglichen Businessplan war das nicht vorgesehen.

2014 versiebenfachte sich der Umsatz. 2015 startete Carvalho in Madrid die erste Niederlassung in Europa. Aktuell können Nutzer in 14 Länder von Gympass Gebrauch machen. Der jung verheiratete Carvalho zog dabei „wie ein Nomade“ erst nach Madrid, verbrachte ein halbes Jahr in München, um schließlich in New York zu landen.

Der inzwischen zweifache Familienvater wird wieder weiterziehen, denn er wolle kein Headquarter haben.

Kein Börsengang geplant

Die Expansion auf drei Kontinenten kann sich Carvalho leisten, weil er von Anfang an Investoren wie General Atlantic und Valor überzeugt hat. Dieses Jahr bekam der Gympass-Gründer 300 Millionen US-Dollar von Investoren um den japanischen Fonds Softbank. Die Investoren glauben ihm, dass er einen der ganz großen Player in der globalen Fitnessbranche aufbauen wird.

„Es gibt wenig Start-ups, die von Beginn an so erfolgreich internationalisiert vorgingen wie Gympass“, sagt Marcelo Claure, CEO der Softbank Group International. Ein Börsengang sei Carvalho zufolge in den nächsten zehn Jahren nicht geplant. Er räumt aber ein, dass man irgendwann für die Investoren Liquidität schaffen müsse.

Derzeit buchen 2000 Unternehmen seine Plattform, zahlen eine Gebühr und bieten ihren Mitarbeitern Zugang zu Sportaktivitäten. In Deutschland gehören zu den Großkunden Unternehmen wie etwa der Sportartikelhersteller Puma oder der Versicherungskonzern Allianz.

Darüber hinaus finden sich der Konsumgüterhersteller Unilever und die Santander Bank unter den Kunden. Weltweit sind 47.000 Fitnessstudios für die App akkreditiert. In Brasilien sind das 60 Prozent aller Fitnessstudios, in Europa zwischen 25 und 30 Prozent und in den USA bisher 15 Prozent.

Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen können zwischen fünf verschiedenen Plänen wählen, die in Deutschland etwa zwischen 20 und 150 Euro kosten. Sie melden sich selbst über die Gympass-App an. Der Arbeitgeber bekommt nicht mit, wer von den Angestellten das Angebot nutzt. Carvalho weiß, wie sensibel solche Daten bei der Bewertung von Mitarbeitern sein können.

Den Angestellten seiner Kunden bietet Gympass erleichterten Zugang zu Sportmöglichkeiten. 80 Prozent der Nutzer haben vorher kaum Sport gemacht. Im Schnitt mache ein Fünftel der Belegschaft mit, und die Unternehmen bekommen gesündere Mitarbeiter. „Das führt zu niedrigeren Fehlzeiten, weniger Überstunden und damit niedrigeren Lohnkosten“, sagt der Gympass-Gründer. „Jeder Personalchef sollte uns kennen.“

Auf der anderen Seite bekommen die akkreditierten Fitnessstudios neue Kunden. „Wir verringern deren Fixkosten durch höhere Auslastung“, sagt der Brasilianer. Der Umsatz von Gympass wiederum speist sich aus zwei Quellen: durch die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Hype um Gesundheit förderlich

Gympass hilft der Umstand, dass Bewegungsmangel zunehmend als Gesundheitsproblem der Menschheit gesehen wird. Sitzen ist das neue Rauchen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat letztes Jahr einen Aktionsplan verabschiedet, um die körperliche Inaktivität bis 2025 um zehn Prozent zu senken. Sie will so das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes, Demenz und Krebs senken.

Nach der WHO-Definition liegt Bewegungsmangel vor, wenn Menschen sich weniger als 150 Minuten in der Woche bewegen. In Deutschland sind das 42 Prozent der Bevölkerung. Der Anteil der Sportmuffel steigt rasant: zwischen 2001 und 2016 um 15 Prozent. In Brasilien und Deutschland wächst der Bewegungsmangel am schnellsten.

Carvalho will mit Gympass Menschen auf Trab bringen. „Unsere Mission ist, dass 80 Prozent der Bevölkerung sich an unseren Standorten mehr bewegen.“ Potenzielle Kunden gibt es genug: Weltweit bewegen sich laut WHO 1,4 Milliarden Menschen zu wenig.

Mehr: Lesen Sie hier einen weiteren Teil unserer Einhorn-Serie. Darktrace ist eines der am schnellsten wachsenden Einhörner Großbritanniens.

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