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Halbleiterbranche Mega-Chipdeal wird noch teurer: AMD schluckt Xilinx für 35 Milliarden Dollar

AMD will Intel die Stirn bieten und übernimmt den Konkurrenten Xilinx. Nach dem Milliardendeal wollen die Chiphersteller weltweit expandieren.
27.10.2020 Update: 27.10.2020 - 13:41 Uhr Kommentieren
Der Chiphersteller gewinnt an Marktmacht. Quelle: Reuters
AMD-Chefin Lisa Su

Der Chiphersteller gewinnt an Marktmacht.

(Foto: Reuters)

München Mitten in der Coronakrise steht der nächste große Deal in der Chipbranche an: AMD schluckt für 35 Milliarden Dollar den Konkurrenten Xilinx. Das teilte der US-Konzern an diesem Dienstag mit. Die Transaktion soll als Aktientausch über die Bühne gehen und bis Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Es ist bereits die dritte riesige Übernahme innerhalb weniger Monate. Erst Mitte September hat der US-Konzern Nvidia verkündet, den britischen Chipdesigner Arm für 40 Milliarden Dollar zu schlucken. Im Sommer war bekannt geworden, dass der US-Anbieter Analog Devices den heimischen Rivalen Maxim Integrated Products für knapp 21 Milliarden Dollar kaufen will.

Über den Zukauf von AMD war seit Wochen spekuliert worden. Die Kalifornier zahlen jetzt allerdings 35 Milliarden Dollar und damit fünf Milliarden mehr, als in Medienberichten zunächst angenommen wurde.

„Der Kauf von Xilinx ist der nächste Schritt, um der bevorzugte Partner der größten und wichtigsten Technologiefirmen der Welt zu werden“, sagte AMD-Chefin Lisa Su. Der Zusammenschluss werde sich für alle Beteiligten auszahlen, einschließlich der Aktionäre, versprach die Managerin. Im Zuge der Übernahme wolle AMD die Kosten binnen 18 Monaten um rund 300 Millionen Dollar pro Jahr senken.

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    Es ist kein Zufall, dass die Halbleiterfirmen jetzt auf Einkaufstour gehen: Sie sind bislang vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen. In den vergangenen Wochen hat eine ganze Reihe von Herstellern Ergebnisse vorgelegt, die über den eigenen Prognosen lagen. Auch AMD geht es glänzend: Im dritten Quartal ist der Umsatz um mehr als die Hälfte in die Höhe geschossen. Der Gewinn hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht.

    Der Münchener Hersteller hat dieses Frühjahr den US-Konkurrenten Cypress für neun Milliarden Euro übernommen. Es war die größte Akquisition der Firmengeschichte. Quelle: obs
    Chipproduktion bei Infineon

    Der Münchener Hersteller hat dieses Frühjahr den US-Konkurrenten Cypress für neun Milliarden Euro übernommen. Es war die größte Akquisition der Firmengeschichte.

    (Foto: obs)

    Insgesamt kaufen die Chipfirmen seit Jahren in großem Stil zu. Nur in diesem Frühjahr, als das Coronavirus die Welt in den Lockdown zwang, hielten sich die Konzernchefs zurück. Die Hersteller versuchen mit den Übernahmen, ihre Produktpalette zu erweitern.

    Damit wollen sie schneller wachsen und sich gegen Krisen absichern. Der Finanzdienst Bloomberg geht davon aus, dass die Chipfirmen dieses Jahr weltweit rund 100 Milliarden Dollar für Übernahmen in die Hand nehmen werden, so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr.

    Schub für Geschäft mit Rechenzentren

    Zuletzt machte auch Infineon mit. Der Dax-Konzern bekam im Frühjahr nach langem Warten die Erlaubnis der Wettbewerbshüter, den US-Konkurrenten Cypress für neun Milliarden Euro zu übernehmen. „Mit Cypress haben wir jetzt ein deutlich breiteres Produktportfolio. Das macht uns zusätzlich resilienter“, sagte Produktionsvorstand Jochen Hanebeck dem Handelsblatt. Die Münchener bemühen sich, nicht mehr nur einzelne Chips, sondern ganze Systeme anzubieten.

    AMD bekommt durch die Übernahme im Geschäft mit Rechenzentren einen Schub. Das ist jener Bereich, der für AMDs schärfsten Konkurrenten, den Weltmarktführer Intel, am wichtigsten ist. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Computers. Intel dominiert auf diesem Feld, AMD und der US-Konzern Nvidia konnten in den vergangenen Jahren aber aufholen. AMD dringt mit dem Kauf von Xilinx zudem in den Markt für Telekommunikationschips vor, der gerade vom Aufbau der 5G-Mobilfunknetze profitiert.

    Xilinx stellt sogenannte FPGAs her. Das sind Bauelemente, deren Funktion per Software auch dann noch verändert werden kann, wenn sie bereits in einem Gerät eingebaut wurden. Auf diesem Feld hat sich Intel vor fünf Jahren mit dem Kauf von Altera verstärkt. Der Preis damals: knapp 17 Milliarden Dollar.

    Eine Aktie von Xilinx kostete vor zweieinhalb Wochen, bevor die ersten Meldungen über den bevorstehenden Kauf veröffentlicht wurden, an der Börse in New York 106 Dollar. Insgesamt war der Konzern damit 26 Milliarden Dollar wert. Nun legt AMD 143 Dollar für eine Xilinx-Aktie auf den Tisch. Das entspricht einem Aufschlag von gut einem Drittel.

    AMD macht dem weltgrößten Chiphersteller immer stärker Konkurrenz. Vergangene Woche legte Intel schwache Quartalszahlen vor und verlor an der Börse zehn Prozent an Wert. Quelle: dpa
    Intel

    AMD macht dem weltgrößten Chiphersteller immer stärker Konkurrenz. Vergangene Woche legte Intel schwache Quartalszahlen vor und verlor an der Börse zehn Prozent an Wert.

    (Foto: dpa)

    Das wäre deutlich mehr, als Analog im Sommer für Maxim geboten hat. AMD ist an der Börse mit knapp 100 Milliarden Dollar fast dreimal so viel wert wie Xilinx. Der ewige Rivale Intel bringt es auf 190 Milliarden Dollar. Der Weltmarktführer hat vergangene Woche auf dem Parkett nach schwachen Quartalszahlen rund zehn Prozent an Wert verloren.

    Dass AMD überhaupt eine solche Akquisition stemmen kann, ist Lisa Su zu verdanken. Der Konzern aus Kalifornien stand kurz vor dem Bankrott, als die in Taiwan geborene Elektroingenieurin 2014 die Führung übernahm. Inzwischen nutzen wieder zahlreiche PC- und Laptop-Produzenten die Prozessoren von AMD. Mit dem Kauf von Xilinx wird AMD auch stärker Netzwerkrechner bestücken. Angesichts des zunehmenden Datenverkehrs werden die sogenannten Server immer wichtiger.

    AMD profitiert vom starken Kursplus

    Es ist kein Zufall, dass AMD die Xilinx-Anteilseigner rein mit Aktien bezahlt. Die flüssigen Mittel würden lange nicht ausreichen. So machen es auch die Wettbewerber: Analog bietet den Maxim-Aktionären ausschließlich eigene Papiere an, Nvidia nimmt zusätzlich auch Cash in die Hand.

    Mit Aktien zu bezahlen ist für AMD auch deshalb interessant, weil der eigene Kurs in jüngster Zeit stark gestiegen ist. So kommt AMD dieses Jahr auf ein Plus von rund 70 Prozent. Xilinx dagegen war, bevor die ersten Kaufgerüchte aufkamen, nur um acht Prozent geklettert. AMD-Aktionäre werden künftig 74 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen halten, Anteilseigner von Xilinx etwa 26 Prozent.

    Mehr: Bei welchen Chipaktien Analysten noch Potenzial sehen

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