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Halbleiterhersteller So wirkt sich der Handelsstreit zwischen USA und China auf Infineon aus

Ein Viertel des Umsatzes erzielen die Bayern in China. Das US-Embargo gegen Huawei-Produkte stellt Infineon vor große Herausforderungen.
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Der Halbleiterhersteller muss entscheiden, welche Produkte noch an den chinesischen Technologiekonzern Huawei geliefert werden dürfen – und welche nicht. Quelle: Reuters
Infineon

Der Halbleiterhersteller muss entscheiden, welche Produkte noch an den chinesischen Technologiekonzern Huawei geliefert werden dürfen – und welche nicht.

(Foto: Reuters)

München Es gehört normalerweise nicht zu den Aufgaben des Vorstands von Infineon, Listen zu führen. In diesen Tagen ist das anders. Da wird aus einer Excel-Tabelle auf einmal eine hochpolitische Angelegenheit. Denn das Topmanagement des Halbleiterherstellers muss entscheiden, welche Produkte noch an den chinesischen Technologiekonzern Huawei geliefert werden dürfen – und welche nicht.

Dazu haben Experten des Münchener Dax-Konzerns entsprechende Listen erstellt, eine sogenannte „White List“ mit unbedenklichen Chips und eine „Black List“ mit Bauteilen, die den Chinesen keinesfalls zur Verfügung gestellt werden können. Richtig gefordert ist der Vorstand jedoch in Graubereichen, also bei jenen Produkten, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen.

„Das ist eine sperrige Sache“, sagt Vorstandschef Reinhard Ploss. Denn nicht immer ist ganz klar, ob ein Chip nun geistiges Eigentum aus Amerika enthält und damit unter das von Präsident Donald Trump verhängte Embargo fällt. Ploss beteuert jedenfalls, dass sich Infineon strikt an die Regeln halte, vielleicht sogar noch mehr als US-Firmen selbst. Schließlich sei nicht auszuschließen, dass ausländische Unternehmen von den amerikanischen Behörden kritischer beäugt würden als einheimische Konzerne.

Ploss hat gute Gründe, besonders sorgfältig vorzugehen. Denn der Manager ist in diesen Tagen auf das Wohlwollen der US-Regierung angewiesen. Anfang des Monats hat Ploss verkündet, dass er den Rivalen Cypress aus dem Silicon Valley schlucken will. Der Kaufpreis: neun Milliarden Euro.

Das geht aber nur mit dem Plazet des Committee on Foreign Investment in the United States. Die Amerikaner haben vor drei Jahren bereits den Kauf des US-Chipherstellers Wolfspeed durch Infineon verboten.

„Wir sind nur bedingt betroffen“

Ploss kann aber auch die Chinesen allgemein und Huawei im Besonderen nicht düpieren. Einerseits ist wichtig, dass auch die Beamten der State Administration for Market Regulation der Volksrepublik die Übernahme nicht vereiteln. Andererseits sind die Kunden in dem riesigen Reich enorm wichtig für Infineon.

Ein Viertel des Umsatzes erzielen die Bayern in China, es ist das mit Abstand bedeutendste Land weltweit. Das Geschäft dort wächst seit Jahren kräftig, und die Aussichten sind hervorragend. Ploss will insbesondere vom staatlich geförderten Boom der Elektrofahrzeuge profitieren.

Bislang hielten sich die finanziellen Folgen des Handelsstreits für Infineon in Grenzen, so Ploss: „Wir sind nur bedingt betroffen.“ Die Umsatzausfälle würden praktisch nicht ins Gewicht fallen. Huawei ist einer der wichtigen Kunden weltweit und bezieht schon seit Jahren Halbleiter von Infineon. Dem Finanzinformationsdienst Bloomberg zufolge erzielt Infineon mit dem Netzwerk- und Smartphonehersteller 1,3 Prozent vom Umsatz. Das entspricht etwa 100 Millionen Euro im Jahr.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist für Infineon gleichwohl kritisch. Denn das Geschäft läuft ohnehin schlechter als erwartet. „Der Boom ist erst mal vorbei, wir gehen derzeit nicht von einer kurzfristigen Erholung der Nachfrage aus“, sagte Ploss Anfang Mai, als er die jüngsten Zahlen präsentierte. Zweimal schon musste er in diesem Geschäftsjahr die Prognose korrigieren.

Ursprünglich hatte Ploss ein Umsatzplus von elf Prozent in Aussicht gestellt, nun rechnet er nur noch mit fünf Prozent. Auch bei der Profitabilität hakt es. Der Konzern spürt vor allem, dass die Chinesen weniger neue Autos kaufen. Die Autohersteller sind die wichtigsten Kunden. Hinzu kommen hohe Lagerbestände und Absatzprobleme bei Energie- und Mobilfunkanbietern.

Mehr: China und Japan führt der Chipriese Infineon als separate Regionen. Dabei verspricht sich Konzernchef Ploss ganz woanders noch deutlich mehr Wachstum.

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