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Halbleiterindustrie Größter Chip-Deal aller Zeiten: Wie es mit der Übernahme von Arm durch Nvidia weitergeht

40 Milliarden Dollar soll der Deal kosten – aber immer mehr Wettbewerbshüter lehnen die riesige Transaktion ab. Nvidia-Gründer Jensen Huang läuft inzwischen die Zeit davon.
03.12.2021 - 16:35 Uhr Kommentieren
Nvidia: So geht es mit der geplanten Übernahme von Arm weiter Quelle: Reuters
Nvidia-Chef Jensen Huang

Der Gründer des wertvollsten Chipkonzerns der Welt will weiter um den Arm-Deal kämpfen.

(Foto: Reuters)

München Es ist ein Deal der Superlative: Für 40 Milliarden Dollar will der US-Konzern Nvidia den britischen Chipdesigner Arm schlucken. Das kündigte Nvidia voriges Jahr im September an. Ob Nvidia-Chef Jensen Huang das Vorhaben aber jemals umsetzen kann, ist ungewiss.

Die größte Übernahme aller Zeiten in der Chipindustrie stößt weltweit auf immer stärkeren Widerstand von Politik und Behörden. Nun hat auch die amerikanische Wettbewerbsbehörde FTC angekündigt, gegen die Akquisition vorzugehen. Ist die gewaltige Transaktion überhaupt noch zu retten?

Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was stört die amerikanischen Wettbewerbshüter?

Die Federal Trade Commission (FTC) will die Übernahme mit einer Klage zu Fall bringen. Der Deal würde den Wettbewerb in der Halbleiterbranche behindern, argumentiert die Behörde. „Wir wollen verhindern, dass ein Chip-Konglomerat die Innovationspipeline für Technologien der nächsten Generation erstickt“, sagte Holly Vedova, Direktorin des Bureau of Competition der Kommission, in einer Erklärung vom Donnerstagabend.

Was ist das Besondere an Arm?

Das Unternehmen stellt keine Chips her, sondern lebt von Lizenzeinnahmen für seine Designs. Mitunter wird die Firma daher als „die Schweiz der Halbleiterindustrie“ bezeichnet. Mit jedem verkauften Smartphone verdient die Firma aus Cambridge ein paar Dollar. Mehr noch: Das Unternehmen hat es geschafft, von einem Profi für stromsparende Mobilchips in andere Bereiche vorzustoßen. So ersetzte Apple zuletzt seinen langjährigen Lieferanten Intel in seinen Computern durch eigene Halbleiter, die auf Designs von Arm beruhen.

Der Deal würde die Kräfteverhältnisse in der Halbleiterindustrie deutlich verschieben. Viele Chiphersteller und IT-Konzerne, die bisher auf die Technologie von Arm zurückgreifen, wären künftig abhängig von einem Wettbewerber, also Nvidia. Zahllose Unternehmen sind auf Lizenzen von Arm angewiesen und fürchten, dass die Briten ihre Neutralität Schritt für Schritt einbüßen könnten. Derzeit gehört Arm dem japanischen Investor Softbank.

Was verspricht sich Nvidia von der Übernahme?

Arm sei eine der „großartigsten Technologiefirmen, die die Welt je gesehen hat“, sagte Nvidia-Gründer Jensen Huang, als er die Übernahme verkündete. Ziel sei es, gemeinsam auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz zu wachsen. Auf einem Feld, auf dem die Computerleistung künftig statt in Rechenzentren direkt in vielen Milliarden Geräten erbracht werde. Dafür ist die Technik von Arm wie geschaffen.

Nvidia ist mit Grafikprozessoren für PCs, Notebooks und Server bekannt geworden. Seit diese Produkte bei Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz eine immer wichtigere Rolle spielen, ist Nvidia zu einem Star der Branche aufgestiegen. Mit Arm würde Nvidia nun auch bei Prozessoren für Mobiltelefone, Autos und Supercomputer eine entscheidende Rolle spielen. Prozessoren sind die Gehirne eines jeden Rechners.

Welche Bedenken hegen die Wettbewerbsbehörden weltweit?

Die zuständige britische Behörde CMA sprach im Sommer von „signifikanten Wettbewerbsbedenken“ und will den Deal daher genau unter die Lupe nehmen. Anfang November hat die britische Digitalministerin Nadine Dorries zudem eine vertiefte Prüfung der Transaktion angeordnet, um möglichen Auswirkungen auf die nationale Sicherheit auf den Grund zu gehen. Die Europäische Union hat ebenfalls Bedenken. Man befürchte, dass der Zusammenschluss „zu höheren Preisen, einer geringeren Auswahl und weniger Innovation in der Halbleiterindustrie führen könnte“.

Wie sehen die Reaktionen an den Börsen aus?

Die Investoren sind begeistert von Nvidia, egal ob der Deal zustande kommt oder nicht. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um rund 150 Prozent geklettert. Die Firma aus dem Silicon Valley ist der mit Abstand wertvollste Chipkonzern weltweit. „Wir sind seit einiger Zeit überzeugt, dass es unwahrscheinlich ist, dass dieser Deal genehmigt wird“, sagt Matt Bryson, Analyst von Wedbush Securities. „Wir glauben auch, dass die Investment-Community weitgehend der gleichen Meinung ist.“

Wie geht es jetzt weiter?

Von Anfang an kalkulierte Nvidia-Chef Huang anderthalb Jahre ein, um die Transaktion abzuschließen. Ihm bliebe also nur noch bis ins Frühjahr Zeit, die Behörden zu überzeugen. Schon häufig hat der Unternehmer betont, am freien Lizenzmodell von Arm festzuhalten. Ans Aufgeben denkt der 58-Jährige trotz des Zeitdrucks offenbar noch nicht.

Die Übernahme werde den Wettbewerb ankurbeln, so der Konzern in einer Reaktion auf die FTC-Entscheidung. Nvidia werde in Forschung und Entwicklung von Arm investieren und den technischen Fortschritt vorantreiben. Davon würden alle Lizenznehmer der Briten profitieren.

Noch hat sich Huang nicht geäußert, ob sich die selbst gesetzte Frist verlängern lässt. Aber klar ist: Verkäufer Softbank wird auf die Einnahmen nicht ewig warten. Ein Börsengang von Arm wäre eine Alternative, um die Beteiligung zu Geld zu machen.

Mehr: Kein Ende des Booms in der Chipindustrie in Sicht – die Lieferengpässe bleiben

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