Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Hallo Magenta Der Sprachassistent der Telekom soll Amazon herausfordern – Experten bemängeln Datenschutz

Seite 2 von 2:

„Telekom hätte mit besserem Beispiel vorangehen können“

Der Hamburger Datenschützer Caspar kritisiert das Vorgehen der Telekom. Bei der menschlichen Auswertung von automatischen Sprachassistenzsystemen dürfte der Telekom-Ansatz zu kurz greifen. „Hier ist aus meiner Sicht eine informierte Einwilligung im Rahmen des Opt-in-Prinzips erforderlich“, sagt Caspar. „Mit der Erfüllung eines Vertrags zu argumentieren ist problematisch, da die Vertragserfüllung gegenüber dem Kunden eben nicht die manuelle Auswertung von dessen Sprachnachrichten erfordert.“

Um aufgeklärt einzuwilligen, müsse der Kunde „transparent“ darüber informiert werden, dass die Sprachdaten gespeichert und ausgewertet würden und dass ein „nicht unerhebliches Risiko von Fehlaktivierungen in seinem Umfeld“ bestehe.

Das gelte auch mit Blick auf dritte Personen, erläutert der Datenschützer. „Insgesamt weisen die Sprachassistenzsysteme derzeit eine Reihe von datenschutzrechtlichen Fragen auf“, fügt Caspar hinzu. „Es bedarf hier möglichst schnell europaweiter Standards, die Orientierung bieten und auf alle Anbieter anwendbar sind.“

Auch Verbraucherschützer Romberg kritisiert: „Nach den zahlreichen Skandalen und den mangelhaften Informationen anderer Anbieter von smarten Assistenten hätte die Telekom hier mit besserem Beispiel vorangehen können und ein Opt-in für die Analyse der Sprachbefehle einschalten können.“
Der smarte Lautsprecher ist einer der ambitioniertesten Versuche von europäischen Großkonzernen, Datenschutz zu einem Wettbewerbsvorteil zu machen. Die Hoffnung gibt es schon seit Jahren in der Politik und der Wirtschaft. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die seit 2018 in Kraft ist, sollte die Möglichkeiten verstärken. Doch es scheint Unternehmen nicht leichtzufallen, das Versprechen von hohem Datenschutz auch in einen Geschäftserfolg zu übersetzen.

„Nach den zahlreichen Skandalen und den mangelhaften Informationen anderer Anbieter von smarten Assistenten hätte die Telekom hier mit besserem Beispiel vorangehen können und ein Opt-in für die Analyse der Sprachbefehle einschalten können.“ Quelle: cc-by-sa Andrea Katheder
Verbraucherschützer Dennis Romberg

„Nach den zahlreichen Skandalen und den mangelhaften Informationen anderer Anbieter von smarten Assistenten hätte die Telekom hier mit besserem Beispiel vorangehen können und ein Opt-in für die Analyse der Sprachbefehle einschalten können.“

(Foto: cc-by-sa Andrea Katheder)

Beispiel Messenger: Gleich mehrere Firmen traten an, den US-Dienst WhatsApp herauszufordern. Mit hohem Datenschutz und einer besonderen Verschlüsselung versuchte etwa der Schweizer Dienst Threema zu punkten. Der verschlüsselte Messenger Signal warb sogar damit, dass er vom US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden empfohlen wurde.

Dennoch blieben beide Dienste bislang Nischenprodukte. Ein Messenger hat nur Sinn, wenn auch viele Freunde den Dienst einsetzen. WhatsApp hat die Marktmacht. Dagegen kommt ein Neueinsteiger nur schwer an.

Datenschutz als Wettbewerbsvorteil

Zudem scheinen Nutzer zwar bereit zu sein, für einen höheren Datenschutz auch Einschränkungen oder höhere Kosten in Kauf zu nehmen. Doch diese Bereitschaft hat Grenzen.

Bietet ein Dienst hohen Komfort und viele Funktionen, wird er auch genutzt, selbst wenn es Bedenken in Bezug auf Datenschutz gibt. „Der große Erfolg der Produkte von Amazon bis WhatsApp zeigt, dass besonders ausgeprägter Datenschutz offenbar aus Sicht vieler Nutzer nicht so bedeutsam ist, wie es zuweilen propagiert wird“, sagt der Beauftragte für digitale Wirtschaft und Start-ups im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Jarzombek (CDU). „Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist es wichtig, dass der Staat die Regelungen zum Datenschutz korrekt und nachvollziehbar durchsetzt.“ 

Nach Einschätzung des Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber kann ein starker Datenschutz Wettbewerbsvorteile für Unternehmen bringen. Das Thema berge ein „nicht unerhebliches Potenzial“, das auch wirtschaftlich ein Erfolgsfaktor sein könne.

„Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sogar große amerikanische IT-Unternehmen erhebliche Summen in Werbekampagnen investieren, die gerade die Datenschutzfeatures ihrer Produkte herausstellen“, sagte Kelber dem Handelsblatt. Mit Blick auf den europäischen Markt rechnet der Datenschützer damit, „dass es sicherlich in Zukunft eine noch größere Nachfrage nach datenschutzfreundlichen Produkten und Dienstleistungen geben wird“.

Kelber begründete dies mit dem insgesamt gestiegenen Datenschutzbewusstsein in der Bevölkerung sowie dem Umstand, dass sich die DSGVO mittlerweile „zu einer Benchmark für neue Datenschutzgesetze auf der ganzen Welt entwickelt“ habe.

Ähnlich sieht es der Hamburger Datenschützer Caspar. „Die Datenschutzkonformität von Produkten sollte gerade auf dem europäischen Markt Anbietern Wettbewerbsvorteile sichern“, sagte Caspar dem Handelsblatt. Das gelte insbesondere für automatische Sprachassistenzsysteme, deren Einsatz „erhebliche Risiken“ für die Privatsphäre schaffe. „Es ist bereits problematisch, dass immer noch Anbieter auf dem Markt sind, die hier nicht auf eine informierte Einwilligung der Nutzer setzen“, erläutert Caspar.

„Das ist eine erstklassige Chance für Anbieter von datenschutzkonformen Lösungen, sich auf dem europäischen Markt gegenüber datenschutzrechtlich zweifelhaften technischen Lösungen abzuheben.“ Caspar rät daher: „Europäische Anbieter sollten diese Strategie konsequent verfolgen und das Vertrauen der Menschen in ihre Produkte und Dienstleistungen stärken.“

Der Telekom und Orange könnte das gelingen. Dafür müssten sie bei ihren smarten Lautsprechern allerdings noch nachbessern. Sonst halten sie die Kunden nur für wenig besser als Amazon und Google in Sachen Datenschutz.

Mehr: Aus smarten Geräten können leicht smarte Wanzen werden: Forschern ist es gelungen, Geräte von Google und Amazon so zu manipulieren, dass sie Nutzer unbemerkt abhören konnten.

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Hallo Magenta - Der Sprachassistent der Telekom soll Amazon herausfordern – Experten bemängeln Datenschutz

0 Kommentare zu "Hallo Magenta: Der Sprachassistent der Telekom soll Amazon herausfordern – Experten bemängeln Datenschutz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.