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Hallo Magenta Der Sprachassistent der Telekom soll Amazon herausfordern – Experten bemängeln Datenschutz

Die Telekom bewirbt ihren smarten Lautsprecher mit strengeren Sicherheitsregeln. Doch nun gerät das Prestigeobjekt des Konzerns in Schwierigkeiten.
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Telekoms Sprachassistent mit Datenschutz „made in Europe“

Berlin, Düsseldorf Der kleine schwarze Lautsprecher soll ein neues Zeitalter einläuten – zumindest, wenn es nach dem Management der Deutschen Telekom geht. Während der Produktpräsentation lief Privatkundenchef Michael Hagspihl mit seinen Sneakern in der Firmenfarbe Magenta hin und her. Dabei schwärmte er von den Vorzügen des Geräts: hervorragende Qualität, neues Ökosystem, besserer Zugang für Kunden. Er sprach sogar vom „ersten Smart Speaker aus Europa“.

Hinter dem 150 Euro teuren Lautsprecher, der auf die Worte „Hallo Magenta“ anspringt, steht ein großes Versprechen. Mit dem Gemeinschaftsprojekt wollen Deutsche Telekom und der französische Netzbetreiber Orange in das bislang von US-Konzernen dominierte Geschäft mit Sprachsteuerungen vorpreschen. Während Amazon, Google und Apple bereits einen großen Vorsprung haben, setzen die europäischen Angreifer auf ein besonderes Argument: einen hohen Datenschutz.

Smarte Lautsprecher haben einen tiefen Einblick in unser Privatleben. Sie sind darauf ausgelegt, zu Hause aufgestellt zu werden, und lauschen bei Gesprächen im privaten Umfeld. Daher ist es besonders wichtig, dass sie verlässlich sind und nicht als Gefahr wahrgenommen werden. Amazon und Google mussten sich bereits mehrmals rechtfertigen, weil ihnen vorgeworfen wurde, die Daten nicht ausreichend zu schützen. Deutsche Telekom und Orange treten an, alles besser zu machen.

Bei Tests eines Probegeräts ist das Handelsblatt aber auf mehrere Ungereimtheiten gestoßen. So hatte die Telekom mit dem Versprechen geworben: „Die Verarbeitung der Daten erfolgt ausschließlich innerhalb der Europäischen Union.“ Die Aussage, die auch Telekom-Manager Michael Hagspihl in seiner Präsentation betont hatte, gehört zu den zentralen Verkaufsargumenten des Konzerns.

Wer die Geräte nutzen will, muss jedoch einer Datenschutzerklärung zustimmen, in der sich die Telekom das Recht einräumt, die Daten auch außerhalb der Europäischen Union zu verarbeiten. Die Telekom informiert, Daten würden unter anderem außerhalb der EU verarbeitet, soweit „es für unsere Leistungserbringung Ihnen gegenüber erforderlich ist“. Diese Formulierung ist so weit gefasst, dass sich der Konzern damit weitgehende Freiheiten einräumt, sich in der Datenanalyse nicht innerhalb der europäischen Grenzen zu bewegen.

Auf Nachfrage räumt der Konzern ein, dass es um „Wartungszugriffe eines unserer Dienstleister“ gehe. Dabei könne es sich um „Softwareupdates handeln oder um Notfalleingriffe“. Weitere Details zum Umfang der Eingriffe oder zum Partnerunternehmen will die Telekom auch auf Nachfrage nicht offenlegen.

Der Konzern teilt mit: „Solche Wartungszugriffe dürfen selbstverständlich nicht gezielt genutzt werden, um personenbezogene Daten außerhalb der EU zu verarbeiten, insbesondere die Sprachdaten unserer Kunden.“

Das Vorgehen handelt der Telekom Kritik von Experten ein. „Letztlich könnte der Wartungszugriff auch rund um die Uhr aus Europa erfolgen“, bemängelt Dennis Romberg vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Es erschließe sich nicht, wieso Daten außerhalb der Europäischen Union übertragen werden müssten. „Hier könnte man das Datenschutzversprechen wirklich ernst nehmen und es gar nicht zu solchen Situationen kommen lassen und somit das Vertrauen der Verbraucher in den Dienst wirklich stärken.“

Auch der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar äußert datenschutzrechtliche Vorbehalte gegen den Lautsprecher der Telekom. Das Konzept, mit dem Datenschutz als Standortvorteil in Europa zu werben, finde er zwar „grundsätzlich wichtig und gut“, sagt Caspar. Die Aussagen des Konzerns zu Datenschutzfragen „lassen jedoch Zweifel offen“.

Datenschutzerklärung soll angepasst werden

Nach der Anfrage des Handelsblatts kündigte der Konzern an, die Datenschutzerklärung in den nächsten Tagen anzupassen, um die Verarbeitung der Daten innerhalb der EU zu verankern.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem. Ein besonders sensibler Bereich ist die Frage, ob Sprach-Assistent-Mitschnitte analysiert und weitergegeben werden dürfen. Apple und Google waren massiv in die Kritik geraten, als bekannt wurde, dass Mitarbeiter in Mitschnitte von Gesprächen reinhören und diese auswerten dürfen.

Google hatte daraufhin angekündigt, das System auf ein sogenanntes Opt-in-Verfahren umzustellen. Standardmäßig ist die Datenauswertung also nicht gestattet, außer ein Nutzer willigt aktiv ein.

Telekom-Manager Hagspihl hatte für den Speaker aus dem eigenen Haus betont: „Nur wenn ein Kunde zustimmt“, würde die Telekom Mitschnitte verwenden, um die Sprachauswertung zu verbessern. „Sie werden im Einrichtungsprozess gefragt, ob sie bereit sind oder nicht.“

Ganz so läuft der Einrichtungsprozess jedoch nicht ab. Zwar wird beim erstmaligen Aktivieren des Speakers darauf hingewiesen, dass die Telekom Daten auswertet. Der Standard ist damit aber die aktive Auswertung der Mitschnitte. Ist ein Nutzer nicht damit einverstanden, muss er aktiv einem Link zu einer seitenlangen Datenschutzerklärung folgen und kann am Ende der Übermittlung der Daten widersprechen.

Während Google also bereits sein Verfahren so umgestellt hat, dass Sprachmitschnitte der Nutzer standardmäßig nicht ausgewertet werden, müssen bei der Telekom Nutzer ausdrücklich widersprechen. Eine Konzernsprecherin verteidigt das Vorgehen und sagt, die Nutzer würden transparent darauf hingewiesen, dass ihre Daten analysiert würden.

Als Grund für die standardmäßige Datenauswertung argumentiert sie: Um die Qualität der Plattform zu verbessern, sei es nötig, „dass wir, natürlich nach strikten Datenschutzstandards, stichprobenartig Sprachbefehle analysieren“. Genauso hatte ursprünglich auch Google reagiert, dann jedoch das Verfahren mit Rücksicht auf die Datenschutzbedenken der Nutzer umgestellt.

Aus Konzernkreisen erfuhr das Handelsblatt, dass die Telekom sich sehr bewusst für diese Praxis entschieden hat. Bei einem Test war ein ähnlicher Ansatz wie der von Google ausprobiert worden. Dabei hatten die meisten Nutzer jedoch keine Einwilligung zur Datenauswertung erteilt. Daher hatte der Konzern Sorge, aufgrund fehlender Mitschnitte die Sprachanalyse nicht ausreichend trainieren zu können. Deshalb stellte er das System um.

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