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Handelsblatt-Nutzfahrzeugetagung Warum für Infineon Nutzfahrzeuge so wichtig sind

Derzeit fokussiert sich der Chiphersteller auf Autos. Doch Nutzfahrzeuge werden für ihn immer wichtiger – und versprechen ein gutes Geschäft, wenn sie elektrifiziert werden.
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Der Chiphersteller verspricht sich ein boomendes Geschäft mit den Nutzfahrzeugen der Zukunft. Quelle: dpa
Infineon-Flaggen

Der Chiphersteller verspricht sich ein boomendes Geschäft mit den Nutzfahrzeugen der Zukunft.

(Foto: dpa)

München Umweltfreundlicher, leiser und effizienter als herkömmliche Motoren: Es gibt viele Gründe, Elektromotoren in Nutzfahrzeuge einzubauen. Für Infineon entscheidend: Es lassen sich deutlich mehr Chips verkaufen, wenn Laster, Traktoren oder Bagger künftig in großem Stil mit Strom angetrieben werden.

Zahlreiche neue Assistenzsysteme sollen in den nächsten Jahren darüber hinaus für zusätzliche Umsätze sorgen. „Der Halbleiteranteil in Nutzfahrzeugen steigt stark“, sagte Vincent Usseglio dem Handelsblatt. Der Franzose ist bei dem Dax-Konzern dafür zuständig, den Kontakt zu Herstellern und großen Zulieferern der Branche zu pflegen.

Derzeit sind es vor allem Elektrobusse in China, die Deutschlands größtem Halbleiterproduzenten Freude machen. Von den weltweit knapp 400.000 Fahrzeugen rollen Unternehmensangaben zufolge 99 Prozent durch die Metropolen der Volksrepublik.

„China ist ein Vorreiter bei Elektrobussen. Doch auch Europa wird umsteigen – allein schon wegen der immer strengeren Regulierung“, erklärt Jürgen Hoika, Marketingmanager der Autodivision von Infineon, am Rande der Handelsblatt-Tagung „Trends in der Nutzfahrzeugindustrie“ in München.

Der Dax-Konzern veröffentlicht zwar keine Zahlen zum Geschäft mit Nutzfahrzeugen. Aber klar ist: Es lohnt sich. Denn in einem Lkw, einem Bus oder einer großen Baumaschine stecken mindestens dreimal so viele Chips wie in einer Luxuslimousine. Das heißt: weit mehr als 1000 Dollar. Ähnlich wie bei den Autos rechnen Marktbeobachter damit, dass sich der Chipanteil in den nächsten Jahren mindestens verdoppeln wird.

Denn Speditionen, Bauunternehmen, Minenbetreiber oder Verkehrsbetriebe rüsten auf. „Nutzfahrzeuge werden mit viel mehr Elektronik als manches Auto ausgestattet“, betont Hoika. Das Geschäft mit dem schweren Gerät verbucht der Münchner Dax-Konzern in seiner Autosparte, die gut 40 Prozent vom gesamten Umsatz erzielt.

Infineon verkauft insbesondere Leistungs-Halbleiter für die Stromversorgung. Die sind in Elektrofahrzeugen noch viel wichtiger als beim Verbrennungsmotor. Infineon beliefert unter anderem die Deutsche Post, die mit dem Streetscooter einen eigenen Elektrolieferwagen herstellt.

Für Komponentenhersteller wie Infineon sind die Elektro-Nutzfahrzeuge allerdings technisch eine Herausforderung. 60.000 Stunden Einsatzzeit müssen die Teile aushalten – gegenüber 8000 bei Autos. Dazu kommt: Die Nutzfahrzeuge sind für mehr als eine Million Kilometer ausgelegt, bei Kfz sind es lediglich 200.000.

Daher muss auch die Elektronik an Bord robuster sein. Infineon stellt für Bau und Landwirtschaft zudem speziell verpackte Leistungshalbleiter her, denen die Erschütterungen im Gelände nichts anhaben können.

Ladestationen als weiteres Geschäftsfeld

Die Münchener wollen nicht nur von den Stromfahrzeugen selbst profitieren. Auch die Ladestationen versprechen ein gutes Geschäft zu werden. Zunächst einmal vor allem für Elektrobusse: Für den Linienservice müssen die Verkehrsbetriebe zwingend aufrüsten, in den Depots, aber auch an zahlreichen Haltestellen der Busse.

Das ist noch nicht alles. Der Halbleiterproduzent hofft auch aufs autonome Fahren und die dafür nötigen vielen neuen Assistenzsysteme. Erste Versuche mit Lkw-Konvois gab es bereits. Damit sich die Fahrer beruhigt zurücklehnen können, braucht es Sensoren, die einen Blick in die Umgebung werfen. Zudem müssen sich die einzelnen Laster vernetzen. Dafür liefert der Konzern die Elektronik.

Dazu kommt: Die EU zwingt die Hersteller geradezu, mit Elektronik aufzurüsten. So werden bald Tote-Winkel-Assistenten für Lkw Pflicht. Wenn die Fahrzeuge darüber hinaus mit dem Internet verbunden sind, steigt auch die Gefahr, dass Kriminelle in die Systeme eindringen. Um das zu verhindern, liefert Infineon Sicherheitschips, wie sie heute etwa für Smartphones oder Geldkarten genutzt werden.

Dabei müssen die Chips günstig und zuverlässig sein: „Es geht um Verfügbarkeit und Verlässlichkeit“, so Infineon-Manager Usseglio.

Das Unternehmen investiert derzeit 1,6 Milliarden Euro in eine neue Fabrik im österreichischen Villach. Damit will Vorstandschef Reinhard Ploss die nötigen Kapazitäten schaffen, um künftig den steigenden Bedarf zu befriedigen. In zwei Jahren soll die Produktion in Kärnten starten.

Infineon braucht neue Geschäfte wie die mit den Nutzfahrzeugen, denn Ploss hat den Investoren ein strammes Wachstum versprochen. Über einen Branchenzyklus hinweg will das Unternehmen ein jährliches Umsatzplus von neun Prozent erreichen. Das ist deutlich mehr als Analysten für die Halbleiterbranche insgesamt vorhersagen.

Momentan läuft es allerdings nicht richtig rund. Der Aktienkurs ist deshalb schwer unter Druck. Binnen Jahresfrist haben die Papiere knapp 30 Prozent an Wert verloren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Ploss in diesem Geschäftsjahr schon zweimal die Prognose nach unten korrigieren musste. „Der Boom ist erst einmal vorbei, die Nachfragedynamik hat sich abgeschwächt“, sagte Ploss Anfang des Monats.

Ursprünglich hatte der Ingenieur ein Umsatzplus von elf Prozent in Aussicht gestellt, inzwischen rechnet er nur noch mit fünf Prozent. Infineon ist auch nicht so profitabel wie versprochen.

Infineon spürt vor allem, dass die Chinesen derzeit weniger neue Autos kaufen. Die Autohersteller sind die wichtigsten Kunden des Dax-Konzerns. Hinzu kommen hohe Lagerbestände und Absatzprobleme bei Energie- und Mobilfunkanbietern.

Zukünftig sehen Analysten aber viel Potenzial. Das Unternehmen gehöre zu den Hauptprofiteuren der Umstellung der Autobranche auf die E-Mobilität, urteilte Mitte der Woche Analyst David Mulholland von der Schweizer Bank UBS. Der Halbleiterhersteller könne sich vom Konjunkturtrend und den Auswirkungen des Handelsstreits nicht vollkommen abkoppeln, so Harald Schnitzer von der DZ-Bank. Mittel- und langfristig sei Infineon allerdings gut positioniert.

Das zeigt schon ein Blick auf die neuesten Lkw-Generationen. Dort fehlen die herkömmlichen Spiegel, sie werden durch Bildschirme ersetzt. Ohne Halbleiter funktioniert das nicht.

Mehr: Seit Jahresanfang gehen die Aufträge von Infineon zurück. Produktionsvorstand Hanebeck will den Fabrikausbau aber nicht stoppen – er hat eine neue Boombranche im Blick.

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