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Handelsstreit Investoren fürchten um das China-Geschäft von Infineon

Der Dax-Konzern will den Großkunden Huawei trotz des US-Embargos weiter beliefern. Der Aktienkurs ist am Montag dennoch kräftig unter Druck geraten.
Update: 20.05.2019 - 11:39 Uhr 1 Kommentar
Die Münchener könnten Lieferungen an Huawei aussetzen. Quelle: Reuters
Chiplieferant Infineon

Die Münchener könnten Lieferungen an Huawei aussetzen.

(Foto: Reuters)

MünchenDonald Trump zielt auf die Chinesen und trifft die Bayern. Der Aktienkurs des Münchener Chipherstellers Infineon ging am Montag zeitweise um fast sechs Prozent zurück. Der Grund: Die Anleger fürchten die Auswirkungen des vom US-Präsidenten angezettelten Handelsstreits auf den Dax-Konzern. Seit Monatsbeginn haben die Papiere bereits fast ein Fünftel an Wert verloren.

Aktueller Auslöser des Kursrutsches: Die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtet, dass Infineon seine Lieferungen an Huawei ausgesetzt habe. Der Konzern reagiere damit auf eine Entscheidung des US-Handelsministeriums, den chinesischen Technologiekonzern auf die schwarze Liste von Firmen zu setzen, die nicht beliefert werden dürfen.

Das betreffe zwar eigentlich nur US-amerikanische Unternehmen, könne aber auch Technik aus den USA in Produkten anderer Firmen umfassen. Daher habe Infineon vorsorglich gehandelt.

Infineon widersprach dieser Darstellung am Montagmittag. Der überwiegende Teil der Lieferungen an Huawei falle nicht unter die Exportbeschränkungen der USA, teilte das Unternehmen mit. In einer Mitteilung hieß es zudem, der Konzern halte sich an alle rechtlichen Vorgaben. Änderungen würden laufend beobachtet. Darüber hinaus erklärte die Firma, es werde alles unternommen, um den Lieferverpflichtungen gerecht zu werden.

China ist für Infineon enorm wichtig. Im jüngsten, zweiten Quartal des Geschäftsjahrs erzielten die Münchener einen Umsatz von 494 Millionen Euro in dem Land, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht 25 Prozent der gesamten Erlöse des Konzerns und ist zudem ein Prozentpunkt mehr als im selben Zeitraum 2018. Zum Vergleich: Der Heimatmarkt Deutschland steht lediglich für 15 Prozent vom Umsatz.

Huawei ist einer der großen Kunden in China. Dem Finanzinformationsdienst Bloomberg zufolge erzielt Infineon mit dem Netzwerk- und Smartphonehersteller 1,3 Prozent vom Umsatz. Das entspricht etwa 100 Millionen Euro im Jahr.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist für Infineon kritisch. Denn das Geschäft läuft ohnehin schlechter als erwartet. „Der Boom ist erst mal vorbei, wir gehen derzeit nicht von einer kurzfristigen Erholung der Nachfrage aus“, sagte Konzernchef Reinhard Ploss Anfang Mai, als er die jüngsten Zahlen präsentierte.

Zweimal schon musste der Ingenieur in diesem Geschäftsjahr die Prognose korrigieren. Ursprünglich hatte Ploss ein Umsatzplus von elf Prozent in Aussicht gestellt, inzwischen rechnet er nur noch mit fünf Prozent. Infineon ist auch nicht so profitabel wie versprochen.

Infineon spürt vor allem, dass die Chinesen derzeit weniger neue Autos kaufen. Die Autohersteller sind die wichtigsten Kunden des Dax-Konzerns. Hinzu kommen hohe Lagerbestände und Absatzprobleme bei Energie- und Mobilfunkanbietern.

Infineon ist nicht der einzige Chiphersteller, dessen Wohl von China abhängt. Rund ein Drittel aller Chips weltweit wird in der Volksrepublik verbaut. Das liegt vor allem daran, dass ein Großteil aller Handys und Computer dort produziert wird.

Unter den 20 größten Halbleitereinkäufern der Erde stammen inzwischen sieben aus China: Lenovo, Huawei, Oppo, Xiaomi, Vivo, ZTE und TC. 2012 waren es lediglich zwei.

Diese Konzerne exportieren einen großen Teil ihrer Ware. Daher ist für Infineon und dessen Konkurrenten das Verhältnis des Landes zu den USA und dem Rest der Welt wichtig.

Aber für Infineon wird China auch als Binnenmarkt immer bedeutender. Stichwort Elektroautos und selbstfahrende Fahrzeuge: Zunächst kündigte Vorstandschef Reinhard Ploss an, mit dem Suchmaschinenbetreiber Baidu beim autonomen Fahren zu kooperieren. Im Februar 2018 gründeten die Bayern ein Gemeinschaftsunternehmen mit SAIC, dem größten Autohersteller des Landes.

Die Partner produzieren Leistungshalbleiter für Elektrofahrzeuge. Dazu eröffnete Infineon im August vergangenen Jahres eine neue Fertigung in Wuxi. „China ist der größte und am schnellsten wachsende Markt für Elektrofahrzeuge“, sagte Ploss.

Gleichwohl, Infineon hält eine gewisse Distanz zu dem Land. Seine modernsten und wichtigsten Fabriken, das Frontend, betreibt Infineon nicht in China, sondern in Europa und Malaysia. Lediglich die Weiterverarbeitung findet in China selbst statt.

Dabei wird es auch auf absehbare Zeit bleiben. Infineon-Chef Ploss hat im Herbst damit begonnen, ein neues Chipwerk in Österreich zu bauen: Für 1,6 Milliarden Euro, mit gewaltigen Kapazitäten und ohne größere staatliche Subventionen.

In China hätte die Firma wohl Hunderte Millionen Euro vom Staat bekommen, heißt es in Industriekreisen. Damit hätte sich die Fabrik vom ersten Tag an rentiert, das Investment wäre rein wirtschaftlich risikolos. Insidern zufolge fürchteten die Deutschen aber um ihr Know-how.

Denn dass die Chinesen selbst ins Chipgeschäft drängen, ist klar. Mit dem Lieferboykott durch die USA wird ihnen einmal mehr vor Augen geführt, wie abhängig sie vom Ausland sind.

Mehr: Lesen Sie hier, warum das US-Handelsministerium den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt hat.

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1 Kommentar zu "Handelsstreit: Investoren fürchten um das China-Geschäft von Infineon"

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  • es ist doch langsam unglaublich wie deutsche/europäische Unternehmen vor Trumph kuschen.

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