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Hauptversammlung bei SAP „Das Personal-Tohuwabohu muss ein Ende haben“

An den Geschäftszahlen von SAP gibt es wenig Kritik – zur Hauptversammlung äußern Investoren aber Sorgen über die hohe Fluktuation im Top-Management.
20.05.2020 - 14:27 Uhr Kommentieren
„Trotz der Umstände rechnen wir damit, dass 2020 für uns ein erfolgreiches Jahr sein wird“, sagt der Manager. Quelle: dpa
SAP-Chef Klein bei der Bilanz-PK im Januar

„Trotz der Umstände rechnen wir damit, dass 2020 für uns ein erfolgreiches Jahr sein wird“, sagt der Manager.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In der Coronakrise haben viele Menschen gezwungenermaßen ihre Arbeit ins Homeoffice gelegt. Das gilt auch für Hasso Plattner, den Aufsichtsratschef von SAP: Weil er aufgrund von Reisebeschränkungen nicht zur Hauptversammlung des Softwareherstellers kommen konnte, schickte er aus Kalifornien eine Videobotschaft, die sich die Aktionäre – ob im Büro oder zu Hause – übers Internet angucken konnten. Den Rest der Zeit blieb der Patriarch stummgeschaltet.

Die Pandemie erschwert SAP die Arbeit, bei der Kommunikation genauso wie beim Softwareverkauf. Doch im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen steht der Dax-Primus gut da: Das Geschäftsmodell ist robust, die Produkte sind für viele Kunden nicht zu ersetzen. „Trotz der Umstände rechnen wir damit, dass 2020 für uns ein erfolgreiches Jahr sein wird“, sagte Vorstandschef Christian Klein in seiner Rede. Kurzarbeit und Staatshilfen, wie zahlreiche Unternehmen sie in Anspruch nehmen, benötige der Konzern nicht.

Die Aktionäre sorgten sich daher bei der Veranstaltung weniger um die äußeren Bedingungen als um die internen Querelen. Denn in den vergangenen Monaten haben zahlreiche zahlreiche Top-Manager das Unternehmen verlassen, zuletzt Jennifer Morgan, die erst wenige Monate vorher zusammen mit Christian Klein als Doppelspitze angetreten war.

Die Fluktuation erfolge „in Zeiten eines strategischen Umbruchs und während einer weltweiten Wirtschaftskrise“, erklärte Ingo Speich, Fondsmanager bei der Deka. Der Generationenwechsel bedeute zwar Chancen, der Zeitpunkt sei aber riskant. Zudem fehle durch den Weggang von Morgan die Expertise für den wichtigen US-Markt. Sein Fazit: „Das Personal-Tohuwabohu muss ein Ende haben und es muss wieder Ruhe einkehren.“

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    Markus Golinski, Portfoliomanager bei Union Investment, wendete sich mit einem Appell an die Führung des Softwareherstellers: „Herr Plattner, Herr Klein – sorgen Sie schnell dafür, dass die dadurch verursachte Unsicherheit und Unruhe ein Ende findet. Auch ein Riese kann ins Wanken geraten, wenn der Aderlass zu groß ist.“

    Aufsichtsratschef Plattner erklärte in seiner Videobotschaft, dass die Diskussionen über die Strategie seit Jahresbeginn immer langsamer geworden seien – in der schnelllebigen IT-Branche ein großes Problem. „Wir können es uns nicht leisten, uns durch interne Differenzen zu lähmen“, betonte er. Daher habe der Aufsichtsrat „zum Wohle des Unternehmens und unserer Kunden entschieden“, die Doppelspitze zu beenden.

    Er versicherte den Aktionären, dass das Unternehmen in guter Hand sei. „Christian Klein kenne ich, seit er als Werksstudent bei uns anfing.“ Er habe sich „in den unterschiedlichsten Bereichen Respekt und Anerkennung“ erworben, bei Mitarbeitern wie Kunden. „Für eine auch in diesen schwierigen Zeiten zukunftssichere SAP ist er mit seiner Erfahrung trotz des jungen Alters der Richtige.“ Zuvor hatte sich Plattner im Gespräch mit dem Handelsblatt zuversichtlich gezeigt, dass „die junge Mannschaft“ die Liste an Problemen lösen könne.

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    Eine erste Bilanz des Kommen und Gehens kann SAP bereits jetzt ziehen: Die scheidende Co-Chefin Jennifer Morgan erhält 15 Millionen Euro Abfindung, wie der Konzern mitteilte, Personalvorstand Stefan Ries erhält rund sieben Millionen Euro, Servicechef Michael Kleinemeier 1,2 Millionen Euro. Zudem zahlt SAP dem langjährigen CEO Bill McDermott 3,5 Millionen US-Dollar als Entschädigung für ein Wettbewerbsverbot.

    Die Fluktuation hat einen weiteren Effekt. Mit dem Abschied von Bill McDermott, Jennifer Morgan und Rob Enslin verließen im vergangenen Jahr alle amerikanischen Manager den SAP-Vorstand. Daher stelle sich die Frage, ob der wichtige US-Markt ausreichend berücksichtigt werde, erklärte Josef Gemmeke, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Es gibt Befürchtungen, dass deutsche Techniker amerikanische Verkäufer verdrängen.“

    SAP erklärte, dass am Bekenntnis zu den USA als einem zentralen Standort kein Zweifel bestehe – zumal früher eher die Frage gestellt worden sei, ob das Unternehmen nicht zu amerikanisch und vertriebsorientiert werde, trug Aufsichtsrätin Friederike Rotsch vor. Sobald es die Reisebeschränkungen zulassen, werde der Vorstand in der Region deutliche Präsenz zeigen. Mit DJ Paoni als Chef der Landesgesellschaft gebe es zudem viel personelle Kontinuität.

    Eine weitere Personalie dürfte SAP noch länger beschäftigen: Hasso Plattner, als Mitgründer, Großaktionär und Aufsichtsratschef eine Figur von überragender Bedeutung, erwägt eine weitere Amtszeit. „Ehrlich gesagt: Jetzt bin ich schon 76. Da kommt’s auf ein paar Jährchen mehr auch nicht mehr an“, sagte er dem Handelsblatt. Insofern denke er darüber nach, sein Mandat über 2022 hinaus noch einmal zu verlängern.

    Plattner will sich um Nachfolger kümmern

    Bei der Hauptversammlung äußerte sich Plattner zurückhaltender. „Ich werde mich in dieser Amtszeit um einen Nachfolger kümmern“, sagte er. SAP werde sich für die Suche aber Zeit nehmen und nicht unter Druck setzen lassen. Einen konkreten Zeitpunkt für die Amtsübergabe nannte der Aufsichtsratschef ebenso wenig wie mögliche Kandidaten.

    Einige Investoren würden einer Verlängerung nicht zustimmen. „Wir schätzen Herrn Plattner sehr, aber die Kandidatur für eine weitere Amtszeit würden wir wegen Überschreitung der Altersgrenze von 75 Jahren nicht unterstützen“, erklärte Markus Golinski von Union Investment. Schon auf der letzten Hauptversammlung stimmte die Fondsgesellschaft aus demselben Grund gegen seine Wiederwahl. Auch Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Experte von DWS, forderte, „einen geordneten Nachfolgeprozess anzustoßen und einen Nachfolger aufzubauen und einzuarbeiten“.

    Am Mittwoch nahmen die Aktionäre sämtliche Vorschläge von SAP mit überwiegender Mehrheit an, auch das überarbeitete Vergütungssystem, für das 78 Prozent stimmten. Die Dividende für 2019 beträgt 1,58 Euro, die Gesamtausschüttung summiert sich damit auf 1,86 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen bereits rund 1,5 Milliarden Euro in Aktienrückkäufe investiert.

    Mehr werden die Aktionäre vermutlich auf der nächsten Hauptversammlung hören, dann womöglich wieder bei einem persönlichen Treffen in Mannheim. Hasso Plattner wird sicher wieder anreisen, wenn es die Umstände zulassen.

    Mehr: SAP geht mit mächtig Cash in die Krise

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