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Hersteller profitiert von PC-Boom Acer-Chef Jason Chen: „Wir wollen zur Lifestyle-Marke werden“

Der taiwanesische Computerhersteller wächst deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Konzernchef Chen will die Kunden halten und erweitert das Portfolio.
21.10.2020 - 17:31 Uhr Kommentieren
Der Acer-Chef hat das Unternehmen erfolgreich saniert. Quelle: Bloomberg via Getty Images
Jason Chen

Der Acer-Chef hat das Unternehmen erfolgreich saniert.

(Foto: Bloomberg via Getty Images)

Hamburg Acer-Chef Jason Chen ist einer der klaren Gewinner des aktuellen PC-Booms. Das Unternehmen des Taiwaners verzeichnet das stärkste Wachstum im Markt – mehr als alle Konkurrenten von HP bis Apple. Im Video-Interview mit dem Handelsblatt zeigt Chen in seinem Büro in Taipeh ein ganz anderes Produkt in die Kamera: eine große Dose Energy-Drink der Acer-Gaming-Marke „Predator“. „Wir wollen zur Lifestyle-Marke werden“, erklärt der Unternehmens-Chef.

Laut Marktforscher Gartner wuchs der weltweite PC-Markt im dritten Quartal 2020 um 3,6 Prozent. Acer wuchs sogar um 29,5 Prozent. Die vor wenigen Jahren noch rückläufige Nachfrage nach Computersystemen kommt wieder in Schwung, und die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice wegen der Corona-Pandemie ist für Chen nicht der einzige Grund dafür. „Alle fragen uns, ob Corona uns ein Strohfeuer bringt – unsere Zulieferer, Analysten, Journalisten. Ich denke aber, das Wachstum kann weitergehen“, sagt er: „Das Beste liegt noch vor uns.“

Seine These: Die Trends zur Datencloud und die Einführung von 5G-Funk sorgen nicht dafür, dass Anforderungen an den Arbeitsplatzrechner sinken – im Gegenteil. „Wir brauchen dafür sogar noch stärkere PCs und Server – allein schon, um mit der großen Datenmenge umzugehen“, erläutert er. Auch bei den Privatanwendern sei kein Ende des Leistungsstrebens absehbar, trotz neuer Streaming-Angebote für Games. „Der PC kehrt stark zurück und wird auch zu Hause wieder das technische Herz“, hofft Chen. Die Rolle des „technischen Herzens“ kommt für ihn aktuell dem Smartphone zu. Unter Chen hat sich Acer bereits vor einigen Jahren aus dem für das Unternehmen defizitären Smartphone-Geschäft zurückgezogen.

Acer setzt bei Privatkunden seit Längerem stark auf investitionsfreudige Computerspieler. Für sie stellte Chen am Donnerstag unter anderem neue Monitore vor. Binden will der Acer-Chef die zahlungsstarke Kundschaft über eine ganze Produktwelt. Neben Energydrinks gibt es unter anderem Gaming-Stühle, teils mit Massagefunktion. Bei Produkten für das Homeoffice soll die Kooperation mit Porsche Design Verkaufsargumente schaffen. Chen zeigt das neuste Modell des gemeinsamen Laptops in die Kamera: „Das ist ein sehr deutsches Design. Wir bieten damit zuverlässige Technik für alle Eventualitäten – wie ein deutscher Autohersteller“, verspricht er.

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    Komponenten werden knapp

    Acer, das vor Jahren noch mit niedrigen Preisen punktete, muss mit solchen Angeboten gegen imagestarke Konkurrenz ankommen. So ist Microsoft inzwischen mit seinen Surface-Laptops erfolgreich – und kann Soft- und Hardware aus einer Hand anbieten. Apple hat sein eigenes Segment geschaffen, das sowohl bei Konsumenten als auch bei Unternehmen trotz hoher Preise Anklang findet. „Die Konkurrenz spornt uns an“, behauptet Chen.

    Auch bei Acer steige der Durchschnittspreis je verkauftes Gerät. Die Gartner-Experten erwarten dagegen, dass die Unternehmenskunden nach der Phase der eiligen Käufe in der Pandemie nun verstärkt auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis schauen.

    An Microsofts Betriebssystem Windows ist Acer bei Personalcomputern nicht gebunden. Das Unternehmen sieht sich als größten Hersteller von Chromebooks, also eher günstigen Laptops mit einem Betriebssystem von Google. 90 Prozent Wachstum meldet Chen in dem Bereich, der nicht in die Gartner-Zahlen einfließt.

    Allerdings: Bislang gehen noch 70 Prozent der Chromebooks an Schulen, vor allem der vergleichsweise geringe Preis dürfte dabei ausschlaggebend sein. Unternehmen kaufen bisher nur zehn Prozent der Geräte, Chen sieht hier Wachstumspotenzial. Auch, weil Google derzeit seine Unternehmenssoftware generalüberholt.

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    Das Marktwachstum bringt allerdings Schwierigkeiten mit sich: Einzelne Komponenten etwa für Bildschirme werden am Markt knapp. „Wir arbeiten eng mit unseren Zulieferern zusammen, um diese Probleme zu lösen. Dabei setzen wir auf volle Transparenz“, sagt Chen.

    Der Manager ist krisenerprobt. Nach mehreren Verlustjahren holte Acer-Gründer Stan Shih den Manager 2013 als Sanierer vom Chiphersteller Intel. Seit 2017 erzielt Acer wieder stabile Gewinne. Im ersten Halbjahr 2020 kam Acer auf umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro Umsatz und knapp 65 Millionen Euro operativen Gewinn.

    Aktie mit begrenztem Potenzial

    Zugute kommen soll das auch den Acer-Aktionären. Chen hat bereits mehrere Ausgründungen an die Börse gebracht. Auch der Acer-Aktienkurs an der Börse in Taipeh hat in diesem Jahr deutlich zugelegt, ist aber von den Höchstständen des Jahres 2010 noch weit entfernt. Analysten halten das Potenzial weitgehend für ausgereizt: Die Mehrheit empfiehlt, das Papier zu halten.

    Das spiegelt auch globale Risiken wider. So nehmen vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen China und den USA auch die Spannungen zwischen China und dem US-Partner Taiwan zu.
    Chen will sich aus solchen Konflikten weitgehend heraushalten: „Wir befolgen überall die lokalen Gesetze“, beteuert er. Zugleich ist der Heimatmarkt Taiwan wichtig. Die Acer-Cyber-Security-Tochter schütze nicht nur die Taiwaner Börse, sondern auch viele Einrichtungen im Land vor Cyber-Attacken. Zudem ist Chen stolz, dass der Erfolg des Inselstaats im Kampf gegen Covid-19 auch mit einer Acer-Lösung für die Datenverarbeitung im Gesundheitswesen zusammenhänge.

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    Chen probiert auf der Insel weitere neue Geschäftsmodelle aus – etwa eine mit Künstlicher Intelligenz unterstützte medizinische Anwendung für eine spezielle Augenkrankheit. Mit Unterstützung von Novartis soll das Produkt nun auch in Europa die nötigen Zulassungen erhalten.

    Dort sei mehr als die Hälfte der Mitarbeiter mit Service-Angeboten beschäftigt, ergänzt Europa-Chef Emmanuel Fromont. So übernehme der Acer-Kundendienst inzwischen auch Reparaturen für andere Hersteller. Kern des Geschäfts soll der PC bleiben – dank neuer Ideen. So sind die am Donnerstag vorgestellten Geräte wie der Porsche-Laptop teils antibakteriell beschichtet, in Zeiten einer Pandemie womöglich ein Verkaufsargument.

    Die ganz großen Visionen überlässt Chen jedoch anderen. Angesprochen auf die Pläne von Tesla-Gründer Elon Musk, über einen implantierten Chip die Grenze zwischen Mensch und Maschine zu überschreiten, sagt er trocken: „Wir sind doch alle Träumer.“

    Mehr: Der Handelsstreit bedroht die Trendwende bei Acer.

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