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Technologie von Hewlett Packard Enterprise

Der amerikanische Konzern will mit seiner neuen Lösung die Datenverarbeitung aus allen Quellen erleichtern – das gilt nicht nur fürs Rechenzentrum.

(Foto: dpa)

Hewlett Packard Enterprise Raus aus dem „Hotel California“ – Wie HPE die Abhängigkeit von der Cloud verringern will

Der IT-Konzern hat den Trend zum Cloud Computing verschlafen – nun will er Kunden beim Umgang mit der Infrastruktur von Amazon und Microsoft mehr Kontrolle ermöglichen.
04.12.2019 - 11:10 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Das grüne Logo von Hewlett Packard Enterprise, kurz HPE, klebt in zahlreichen Rechenzentren auf den Servern. Doch die Zukunft des Unternehmens spielt für Vorstandschef Antonio Neri woanders – zum Beispiel in Autos, Fabriken und Ölplattformen. „Wir leben in einer Welt, in der es überall IT-Anwendungen und Daten gibt“, sagt er. „Auch dort, wo wir leben und arbeiten.“

Der Manager sitzt beim Gespräch mit dem Handelsblatt in einem Besprechungsraum der Messe München, durchs Fenster hinter ihm sind Stände mit Bildschirmen und Serverschränken zu sehen, dazwischen ist ein Formel-1-Wagen geparkt. Der IT-Konzern hat am Dienstag und Mittwoch zu einer Konferenz geladen, mehr als 3000 Gäste aus dem deutschsprachigen Raum und Russland hören sich Vorträge an und lassen sich die Produkte zeigen. Die Digitalisierung treibt die Wirtschaft um.

HPE will Kunden helfen, die Datenmassen zu beherrschen: Das US-Unternehmen hat die Plattform Greenlake Central angekündigt, die die Verwaltung der IT-Infrastruktur mit einer einheitlichen Oberfläche und Steuerung erleichtern soll – von eigenen Rechenzentren bis zu Cloud-Diensten, von der industriellen Steuerungsanlage bis zum Büroarbeitsplatz. Hybrid Cloud nennen Experten so eine vielfältige Umgebung, die in großen Unternehmen heute Standard ist.

Das Versprechen: Kunden bekommen mehr Kontrolle und mehr Auswahl, gleichzeitig senken sie die Kosten und Komplexität – gerade wenn es um die Cloud geht. Die sei wie das „Hotel California“, sagt Neri in Anspielung an den Song der „Eagles“: Wer einmal bei einem Anbieter eingecheckt habe, komme kaum wieder raus. „Die Kunden wollen eine Alternative“, ist er überzeugt. Damit positioniert sich HPE als Wächter über große Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google.

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    Nach der Aufspaltung kam der Umbau

    Das Unternehmen entstand 2015 durch die Aufspaltung des legendären Konzerns Hewlett-Packard, der über die Jahrzehnte zu einem langsamen Koloss geworden war. In der neuen Struktur baute HP Inc. weiterhin Computer und Drucker, HPE übernahm das Firmenkundengeschäft.

    Damit begann der Umbau aber erst: Das neue Unternehmen brachte die riesige Dienstleistungssparte in die Firma DXC Technology ein und verkaufte das Geschäft mit Anwendungssoftware an Micro Focus. Von den einst 350.000 Mitarbeitern blieben nur rund 60.000 übrig.

    Das Management – zunächst unter Meg Whitman, seit Februar 2018 unter Antonio Neri – handelt aus einer Notwendigkeit: Mit dem Cloud Computing hat sich die IT-Branche in den vergangenen Jahren fundamental verändert. Anbieter wie AWS, Microsoft und Google bieten Speicher, Rechenleistung und Programme aus der Cloud an.

    Darunter leidet das Geschäft mit den Servern, bei dem HPE bis heute Marktführer ist. Gleichzeitig sind klassische IT-Dienstleistungen wie Outsourcing immer weniger gefragt.

    Eine Prognose unterstreicht diesen Trend eindrücklich: Der Marktforscher Gartner erwartet, dass der Umsatz mit der Public Cloud – also standardisierten Dienstleistungen aus dem Netz – im kommenden Jahr um 17 Prozent auf 266 Milliarden Dollar wachsen wird, im Jahr darauf auf 309 Milliarden Dollar. Die Technologie, so konstatieren die Experten, sei nun im Mainstream angekommen. Die IT-Chefs erhöhen daher die Ausgaben und bauen ihre Geschäftsprozesse darauf auf.

    „Das meiste wird in die Cloud gehen“, sagte daher AWS-Chef Andy Jassy in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Nur Aufgaben, bei denen es auf die Nähe ankommt – zum Beispiel in einer Fabrik – werden künftig noch vor Ort erledigt.“ Allerdings gibt es zahlreiche Szenarien, in denen die großen Datenmengen und die Echtzeitanforderungen eine Übertragung in die Cloud erschweren.

    Das gilt für Autos mit Fahrassistenten, die Hindernisse erkennen, für Überwachungskameras, die vor unbekannten Besucher warnen, ebenso wie für Maschinen, die vorausschauend vor Problemen warnen. Experten bezeichnen das als Edge Computing: Die Daten werden am Rande des Netzwerks verarbeitet, abseits von Knotenpunkten wie großen Rechenzentren.

    Mit der Vernetzung wird die dezentrale Datenverarbeitung immer wichtiger: Der Marktforscher Gartner erwartet, dass Unternehmen sie 2025 bei 75 Prozent aller Daten einsetzen werden.

    Die Komplexität beherrschen

    Neri, der neben Ingenieurswesen auch Malerei und Zeichnen studierte, hat angesichts dieser Trends eine neue Vision für HPE entworfen: Der kalifornische Konzern soll Kunden helfen, die Komplexität zu beherrschen, mit Servern und Supercomputern, Speichersystemen und Netzwerktechnik.

    Der Manager hat eine neue Vision für HPE entworfen. Quelle: Bloomberg
    Antonio Neri

    Der Manager hat eine neue Vision für HPE entworfen.

    (Foto: Bloomberg)

    Die neue Plattform Greenlake Central bringe alle wichtigen Elemente zusammen, erklärt der Manager. Sie zeigt Kunden künftig auf einen Blick, welche IT-Infrastrukturen Unternehmen nutzen, in einer übersichtlichen Oberfläche. Das Ziel: IT-Chefs sehen wichtige Kennzahlen wie die Auslastung der Kapazitäten, Controller haben einen Überblick über die Ausgaben, und die Rechtsabteilung kann die Einhaltung von Gesetzen wie der Datenschutz-Grundverordnung prüfen.

    „Mit Greenlake können unsere Kunden Entscheidungen in Echtzeit treffen, weil sie die Informationen in Echtzeit bekommen“, kündigt Neri an. Allerdings integriert HPE zunächst nur AWS und Azure, die Google-Cloud-Platform soll später folgen. Bei der Hardware im Rechenzentrum beschränkt sich das Unternehmen auf die eigenen Produkte. Unternehmen, die Server von Dell oder IBM nutzen, können diese nicht mit der Plattform verwalten.

    Gegen Aufpreis erhalten Firmen weitere Dienstleistungen, zum Beispiel ein Programm, das automatisch eine Compliance-Prüfung vornimmt. Auch andere Firmen sollen ihre Software darüber anbieten können. HPE kann so zusätzliche Einnahmen generieren. Mehr als 700 Unternehmen nutzen die aktuelle Version von Greenlake, sie alle erhalten die neue Version Ende Januar.

    Greenlake ist nicht die einzige Initiative, mit der sich HPE fürs Cloud-Zeitalter rüstet: Das Unternehmen stellt gleichzeitig das Geschäftsmodell um. Kunden sollen ab 2022 alle Produkte und Dienstleistungen „as a service“ nutzen können: Sie bezahlen nur die verwendeten Ressourcen oder schließen ein monatliches Abonnement ab, so wie es beim Cloud Computing bereits üblich ist.

    „Der Markt entwickelt sich in diese Richtung“, ist der Amerikaner mit argentinischen Wurzeln überzeugt: Das Modell biete mehr Transparenz und Kostenkontrolle – teure IT-Projekte zur Einführung seien nicht mehr nötig.

    Auch für HPE hat dieses Geschäftsmodell einen Vorteil: Der Konzern verbucht damit regelmäßige, planbare Umsätze – was Aktionäre in der Regel mit einer höheren Bewertung goutieren. Im kürzlich abgelaufenen vierten Geschäftsquartal belief sich die Summe auf 460 Millionen Dollar, was bei 30,9 Milliarden Dollar Umsatz überschaubar ist. Allerdings prognostiziert das Unternehmen eine jährliche Wachstumsrate von 30 bis 40 Prozent.

    HPE muss sich stark verändern

    Neri weiß, dass es zahlreiche Lösungen für hybride IT gibt. Ein Problem sieht er darin nicht: „Wir konkurrieren mit allen, aber wir arbeiten mit einigen auch zusammen“ – so vertreibt Microsoft die Lösungen von HPE. Er sieht als Alleinstellungsmerkmal, dass Greenlake die gesamte Bandbreite von der Edge bis zur Cloud abdecke und dabei offen sei. „Wir nehmen einen unvoreingenommenen Blick für unsere Kunden ein.“ Das sei bei den großen Cloud-Konzernen, die die eigenen Lösungen bevorzugten, anders.

    „Es ist sinnvoll, wie sich HPE positioniert“, urteilt Dan Bieler, Analyst beim Marktforscher Forrester. Mit den großen Cloud-Anbietern – im Fachjargon Hyperscaler genannt – könne das Unternehmen nicht mithalten, daher sei es sinnvoll, ein ergänzendes Produkt zu entwickeln. „Die Plattform Greenlake ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagt Bieler, der sich auf die Herausforderungen der digitalen Transformation spezialisiert hat.

    Allerdings habe HPE bei der Verwaltung der Hybrid Cloud einige Konkurrenten. Daher komme es darauf an, sich bei der Entwicklung genau an den Kundenbedürfnissen zu orientieren – das sei bei den IT-Konzern der alten Garde bislang nicht unbedingt üblich gewesen. „Es braucht eine Kultur für Innovationen, eine Bereitschaft zu experimentieren“, nennt Bieler zwei Beispiele.

    Und das gehe nicht ohne Zusammenarbeit über die Abteilungsgrenzen hinweg. „Die allergrößte Herausforderung für HPE wird die kulturelle Transformation.“

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