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Hongkonger Immobilienspekulant Kursverfall, Notverkäufe, Entlassungen: Gigaset-Eigner Pan Sutong kämpft um sein Vermögen

Rennpferde, Weingüter, Immobilien – und die deutsche Marke Gigaset: Der Milliardär Pan Sutong hat die Ex-Siemens-Tochter Gigaset einst gerettet. Nun steckt seine Gruppe in Schwierigkeiten.
11.01.2021 - 15:45 Uhr Kommentieren
Seine finanziellen Probleme könnten sich auch negativ auf Gigaset auswirken. Quelle: South China Morning Post/Getty Images
Pan Sutong

Seine finanziellen Probleme könnten sich auch negativ auf Gigaset auswirken.

(Foto: South China Morning Post/Getty Images)

Düsseldorf Was hat die einzige deutsche Handyfabrik in Bocholt mit einem Luxushochhaus in Hongkong zu tun? – Sehr viel. Denn beide Objekte gehören zum Konglomerat des chinesischen Milliardärs Pan Sutong. Während er sich in Asien vor allem auf Immobilienprojekte konzentriert, hat er sich in Deutschland die Telefonmarke Gigaset gekauft. Die Firma versucht nun, mit einer Fertigung „made in Germany“ zu punkten. Das Problem: Pan hat Geldsorgen, die auch für das Geschäft in Deutschland Konsequenzen haben könnten.

Der 58-Jährige zählt zu den besonders extravaganten Superreichen aus China. Er wurde in der südchinesischen Stadt Shaoguan geboren und wuchs bei seiner Großmutter auf. Als er 13 Jahre alt war, starb sie und er zog zu seiner Stiefgroßmutter in die USA. In der Highschool fiel er durch und kehrte anschließend nach China zurück.

Dort schlug er sich als Fahrer eines lokalen Parteifunktionärs durch, bis er im nahe gelegenen Hongkong eine Firma für MP3-Musikspieler und beliebte Karaoke-Maschinen gründete. Das große Geld machte er schließlich mit Immobiliengeschäften – sowohl in Hongkong als auch auf dem chinesischen Festland. In der Küstenmetropole Tianjin in der Nähe der Hauptstadt Peking gehört Pan ein 117 Stockwerke hoher Wolkenkratzer – eines der größten Gebäude der Welt.

Sein Vermögen steckt nicht nur in Häusern, sondern auch in Weingütern in den USA und Frankreich. Ihm gehört zudem eine Zucht von Rennpferden in Australien. Dass er auch gesellschaftlich angekommen ist, belegt, dass er für einen Polo-Wettbewerb die britischen Prinzen William und Harry als Gäste gewinnen konnte. Und seit fast acht Jahren zählt auch die deutsche Marke Gigaset zu seinem Portfolio.

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    Gigaset hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Die einstige Siemens-Sparte für Schnurlostelefone wurde 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft. 2013 stieg dann Pan mit seiner Gruppe bei dem angeschlagenen Telefonhersteller ein. Zunächst blieben die Probleme jedoch bestehen: Etliche Mitarbeiter wurden entlassen. Dann folgte der Einstieg in das Geschäft mit Smartphones und smarten Haushaltsgeräten. Das sollte die erhoffte Wende bringen.

    Festnetztelefone verlieren weiter an Bedeutung

    Der amtierende CEO der Gigaset AG, Klaus Weßing, ist schon seit der Siemens-Zeit im Unternehmen. „Wir haben viel erlebt“, sagt er. Aus seiner Sicht ist Gigaset gut aufgestellt. Das liegt an einem besonderen Fokus: Die Geräte des Unternehmens werden in Deutschland gefertigt. Die Fabrik steht in Bocholt. Smartphones „made in Germany“ – das ist ein Alleinstellungsmerkmal.

    Weßing hat für Gigaset eine Nische gesucht. Im Segment für klassische Schnurlostelefone nimmt die Firma seit Jahren eine wichtige Rolle ein. Doch das Geschäft schrumpft. Festnetztelefone verlieren immer mehr an Bedeutung, seit die Kundschaft fast ausschließlich auf Mobilfunkgeräte setzt. Das versucht Gigaset mit Smartphones und vernetzten Heimgeräten auszugleichen.

    Gigaset: Smartphones „made in Germany“ – kann das funktionieren?  Quelle: picture alliance
    Gigaset-Fertigung in Bocholt

    Die Geräte des Unternehmens werden in Deutschland gefertigt – das ist ein Alleinstellungsmerkmal.

    (Foto: picture alliance)

    Ob und inwieweit das in Zukunft gelingt, hängt auch von der Zukunft des Hochhauses in Hongkong ab. Denn das Goldin Financial Global Centre genannte Gebäude gehört auch der Firmengruppe von Pan Sutong. Die ist jedoch in große finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der Milliardär wollte das Gebäude verkaufen, ist mit dem Vorhaben aber gescheitert. Die Gläubiger blockierten den Verkauf. Eine Klage Pans scheiterte vor Gericht. Mit dem misslungenen Notverkauf dürfte sich die Lage für Pan weiter verschlechtern.

    In der Hochphase war Pans Firmenimperium mit 30 Milliarden Dollar bewertet. Mehr als fünf Jahre ist das her. Seitdem ging es an den Aktienmärkten fast nur abwärts für ihn. An einem einzigen Tag verringerte sich der Börsenwert der Gruppe um rechnerisch 13 Milliarden Dollar.

    Die Goldin Financial Holdings Ltd. ist in Hongkong gelistet, ein zweites Unternehmen hat Pan mittlerweile von der Börse genommen. In den vergangenen fünf Jahren hat die Holding mehr als 98 Prozent an Wert verloren. Im September hatte die Firma zudem auch noch eine Gewinnwarnung ausgegeben und den erwarteten Verlust für das Finanzjahr 2020 mit umgerechnet rund 640 Millionen Euro beziffert. An der Börse wird sie derzeit nur noch mit rund 230 Millionen Euro bewertet.

    Corona-Jahr 2020 hat Gigaset zugesetzt

    Die Holding hatte die Schwierigkeiten unter anderem mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie begründet. Damit sei Goldin eine Ausnahme in Hongkong, sagte Ronald Chan, Chefinvestor des Finanzhauses Chartwell Capital, der Zeitung „Financial Times“. „Ich gehe nicht davon aus, dass andere Immobilienfirmen in Schwierigkeiten stecken. Ganz im Gegenteil warten sie wohl eher auf Chancen wie diese“, sagte Chan.  

    Gigaset-CEO Weßing hofft, dass die Finanzprobleme des chinesischen Eigners keine Auswirkungen auf sein Geschäft haben werden oder ein Verkauf bevorstehen könnte. „Wir sind im Vergleich zur Firmengruppe sehr klein“, sagt Weßing. Mit einem Börsenwert von knapp 40 Millionen Euro würde ein Verkauf nicht mal annähernd Pans Finanzprobleme lösen.

    Weßing kämpft zudem mit eigenen Schwierigkeiten. Das Corona-Jahr 2020 hat der Firma schwer zugesetzt. Die Umsätze brachen in den ersten neun Monaten 2020 um 15,2 Prozent auf 133 Millionen Euro ein. Ausgerechnet im Smartphone-Geschäft, das als künftiger Wachstumstreiber fungieren sollte, betrug das Umsatzminus 46,7 Prozent. Auch bei smarten Haushaltsgeräten musste die Firma ein Minus von 21,7 Prozent verkraften und bei Produkten für Geschäftskunden ein Minus von 27,9 Prozent.

    Beim Geschäft mit klassischen Festnetztelefonen fiel das Minus mit 8,6 Prozent am geringsten aus. Damit wurde die Gruppe wieder abhängiger von traditionellen Produkten – eine Entwicklung, die der Konzern eigentlich verhindern wollte. Allein für die Zeit von Januar bis September 2020 musste Gigaset einen Verlust von 10,6 Millionen Euro ausweisen.

    Auch ohne die Finanzschwierigkeiten des chinesischen Eigners dürfte Gigaset vor schwierigen Zeiten stehen. Von der zuständigen Gewerkschaft IG Metall hieß es, die Lage werde genau beobachtet.

    Mehr: Als erster Elektronikhersteller baut Gigaset in Deutschland Smartphones. Eine sinnvolle Strategie gegen Samsung, Apple und Co. – oder ein PR-Gag?

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